Deutscher Geheimdienstchef: Jihad-Kinder sind "lebende Zeitbombe"

Kinder vor einem Schild des Islamischen Staats im Irak.APA/AFP/ARIS MESSINIS

Hans-Georg Maaßen warnt vor aus Deutschland stammenden Kindern und Jugendlichen, die in Syrien und im Irak leben: "Sie bekamen eine Art Gehirnwäsche."

Der Verfassungsschutz vermutet mehrere hundert aus Deutschland stammende Kinder und Jugendliche in den Jihad-Gebieten in Syrien und dem Irak. "Nach unserer Erkenntnis sind etwa 290 Kinder und Jugendliche aus Deutschland in Richtung Syrien/Irak ausgereist oder dort geboren", sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview.

Die Sicherheitsbehörden seien darauf eingestellt, dass die Minderjährigen nach ihrer Rückkehr eine Bedrohung darstellen könnten. "Eine Gefahr ist, dass diese Kinder gehirngewaschen zurückkommen, dass diese Kinder auch den Auftrag haben, Anschläge zu begehen", warnte der Geheimdienst-Chef: "Insoweit muss man auch in Betracht ziehen, dass es sich bei den Kindern um lebende Zeitbomben handeln könnte."

Ein Großteil der Kinder und Jugendlichen hält sich nach Einschätzung des Inlands-Geheimdienstes derzeit noch in Syrien oder im Irak auf. "Ein verschwindend geringer Teil ist inzwischen zurückgekommen, überwiegend mit den Eltern", sagte Maaßen: "Viele halten sich also noch dort auf." Die Sicherheitsbehörden seien wachsam gegenüber minderjährigen Rückkehrern und versuchten, eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit auszuschließen.

Drei Anschläge von Minderjährigen verübt

In Deutschland waren 2016 drei der insgesamt fünf islamistischen Anschläge von Minderjährigen verübt worden. Darüber hinaus scheiterte ein Zwölfjähriger mit dem mehrfachen Versuch, einen Bombenanschlag auf den Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen zu verüben.

"Wir nehmen wahr, dass die Kinder, die beim IS aufgewachsen sind, eine Art Gehirnwäsche bekamen", warnte Maaßen. In den Schulen und Kindergärten des IS sei ihnen nicht Kultur und Wissen, sondern die islamistische Ideologie vermittelt worden. Sie hätten kämpfen gelernt und seien teils auch gezwungen worden, an Misshandlungen bis hin zur Tötung von Gefangenen mitzuwirken. Mit einer Rückkehrer-Welle von Anhängern der Extremistenmiliz IS aus den Jihad-Gebieten rechnet Maaßen vorerst nicht. "Wir sehen vielmehr, dass die aus Deutschland kommenden IS-Kämpfer und ihre Familien noch beim IS verbleiben oder sich in andere Gebiete, wo der IS noch dominant ist wie in Afghanistan, zurückziehen", sagte er.

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