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Die klassische Kur wird abgeschafft

Die klassische Kur hat ausgedient. Mehr "Aktivtraining" und Vorsorge sind geplant.
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Eine lange Tradition geht zu Ende: Die klassische Kur wird durch die "Gesundheitsvorsorge Aktiv" ersetzt - bereits bis Ende des Jahres. Heißt es jetzt: mehr Bewegung, weniger Massagen?

Alt und vertraut ist der aus dem Lateinischen stammende Begriff der Kur ("cura"), gerade in Österreich. Schon die Habsburger förderten die Thermen- und Bäderkultur in ihrem gesamten Reich, nachdem die euganeischen Thermen bei Montegrotto und Abano durch die Venezianer wiederentdeckt worden waren. Maria Theresia bezeichnete Kur- und Thermalbäder als „natürliche Gesundheitsapotheken“. Kurorte wurden in der Monarchie zu mondänen Orten des Sehens und Gesehenwerdens. Im 20. Jahrhundert gab es seit den Siebziger Jahren noch einmal einen ungeahnten Aufschwung im Kurwesen.

Doch die klassische Kur, wie wir sie aus dieser Zeit kennen, "wird es nicht mehr geben", sie wird bis Ende des Jahres abgelöst durch die "Gesundheitsvorsorge Aktiv" (GVA). Das hat der Obmann der Pensionsversicherungsanstalt (PVA), Manfred Anderle, im APA-Interview angekündigt. Dabei soll der Fokus mehr auf Bewegung und Prävention gelegt werden.

Die Maßnahme ist Teil der Pläne zur Anhebung des faktischen Pensionsantrittsalters. Ziel ist die Erhaltung der Erwerbsfähigkeit und die Verlängerung der gesunden Lebensjahre. Es geht dabei vor allem um Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates sowie um psychische Erkrankungen, die zu den häufigsten Gründen eines Kur- oder eines Reha-Aufenthaltes sowie auch für Frühpensionierungen zählen.

Schon 2015 waren die Pläne für die "Gesundheitsvorsorge Aktiv" als "Kur neu" recht detailliert bekannt geworden. Unter dem Titel "Mehr Bewegung, weniger Massage" schlüsselte "Die Presse" die Reform damals auf.

Prävention - schon bei ersten Anzeichen von Burn-Out

Die GVA bietet Aktivtherapien und angepassten Sport als medizinische Basis, dazu kommen die Themen Ernährung und mentale Gesundheit. Sie besteht aus einem Basismodul und spezifischen Modulen mit individuellen Schwerpunktsetzungen. Wichtig ist Anderle auch der Präventionsgedanke. So wolle man bereits bei ersten Anzeichen von Burn-Out oder schon bei leichten Abnützungen des Bewegungsapparates eingreifen.

Die GVA ist individueller gestaltbar als die bisherige Kur. Sie kann in einen Aufenthalt von zwei Wochen und einen von einer Woche (innerhalb von sechs Monaten) gesplittet werden, wovon man sich eine leichtere Vereinbarkeit mit dem Beruf erwartet. Einen Rechtsanspruch gibt es so wie bei der bisherigen Kur nicht. Auch der Zugang soll nicht geändert werden, die Anzahl der Fälle soll im Vergleich zur Kur etwa gleich bleiben, erläuterte Anderle.

Nach einem Pilotversuch ist die Umstellung von der Kur zur GVA bereits in vollem Gange. Die Verträge mit den Vertragspartnern sind schon abgeschlossen. Rund 4.000 Kur-Betten sind bereits für die GVA umgewandelt, die restlichen 2.000 sollen noch heuer folgen.

Im Vergleich zur Kur wird die neue GVA rund fünf Millionen Euro pro Jahr mehr kosten - bei einem Gesamtaufwand von etwa einer Milliarde Euro für Kur und Rehabilitation derzeit. Anderle geht aber davon aus, dass sich die Umstellung trotzdem auch finanziell rechnen wird. Der PVA-Obmann rechnet damit, dass es langfristig Einsparungen beim Pflegegeld, durch niedrigeren Medikamentenverbrauch sowie dadurch, dass Menschen länger im Arbeitsprozess bleiben können, geben wird.

(Apa/red.)