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Den Mitarbeiter zum Mit-Unternehmer machen

Archaisches Führungsverständnis und strikte Hierarchien haben ausgedient. An ihre Stelle treten Mitarbeitermotivation und Selbstorganisation.
Archaisches Führungsverständnis und strikte Hierarchien haben ausgedient. An ihre Stelle treten Mitarbeitermotivation und Selbstorganisation.(c) Robert Kneschke - stock.adobe.co (Robert Kneschke)
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Agiles Führen. Um auf Komplexität und rasche Veränderungen angemessen reagieren zu können, braucht es neue Strukturen.

Das Schlagwort agil wird in Unternehmen schon recht inflationär verwendet, wenn man sagen möchte, dass man auf der Höhe der Zeit ist. Dabei ist die Bedeutungsvielfalt dieses Begriffes sehr heterogen“, sagt Johannes Ries. Wenn der Organisationsberater im Juni am MCI in Innsbruck ein Seminar zum Thema Agile Leadership halten wird, sollen die Teilnehmer „ein neues Verständnis von Führungsrollen bekommen, aber auch pragmatische Tools, um agiles Führen auszuprobieren.“ Das heißt für Ries, die Führungskräfte in einem Unternehmen zu befähigen, mit den komplexen Herausforderungen in der Wirtschaft umzugehen. Hierarchien, in denen einer entscheidet, seien vielfach nur mehr dann sinnvoll, wenn ein Unternehmen stabil dastehe. „Menschen und Themen werden zunehmend uneindeutig. Hierarchie kann diese Komplexität nicht mehr beherrschen. Deshalb ist es wichtig, in einem Team Selbstorganisation und Variantenreichtum zu fördern.“

Zahlreiche Angebote in Sachen agiles Führen bietet auch Next Level Consulting an. In Seminaren lernt man, wo die Stärken und Schwächen agiler Methoden liegen und welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen, damit Agilität auch möglich ist. In Leadership-Trainings bekommen Führungskräfte vermittelt, wie man alle Teammitglieder auf das gemeinsame Ziel einschwören und motivieren kann – und das ganz ohne Vorgesetztenfunktion.

„Wir befinden uns in der dritten Revolution der Menschheitsgeschichte. Der Ackerbau führte zur Vermehrung von Nahrung. Die industrielle Revolution hat die Muskelkraft vervielfacht. Die digitale Revolution potenziert die kognitiven Fähigkeiten. Für agile, anpassungsfähige Führungskräfte ist das eine enorme Chance“, sagt Gunther Fürstberger, CEO von MDI Management Development, die ab September einen mehrmonatigen Zertifikatslehrgang zum Thema agile Führung anbietet.

 

Veränderung als Chance sehen

Danach soll für eine Führungskraft vieles anders sein, die Haltung, die Werkzeuge und die Fähigkeiten. Stichwort Haltung: „Wer sich vor Veränderung fürchtet, hat weniger Handlungsmöglichkeiten als jemand, der die Chancen in der Veränderung sieht. Das ist auch von der Gehirnforschung bestätigt. Wer Verantwortung teilen kann, vermehrt das Lösungspotenzial“, sagt Fürstberger. Zu den Tools gehören unter anderem Design Thinking, das die Innovationskraft und Problemlösungskompetenz stärken soll. Und das Business Model Canvas, das bei der Visualisierung des aktuellen Geschäftsmodells hilft und Bedrohungen, Chancen und strategische Optionen sichtbar macht. „Die Führungskräfte können diese Werkzeuge unmittelbar auf ihre Unternehmensherausforderungen anwenden, aktiv ihren Verantwortungsbereich gestalten und damit hoffentlich etwas zur Verbesserung ihrer Umwelt beitragen“, sagt Fürstberger.

Management 3.0 nennen die Agile Experts ein zweitägiges Seminar. Dabei steht nicht nur die agile Organisation im Mittelpunkt, sondern auch Mitarbeitermotivation, Selbstorganisation und mehrdimensionale Kompetenzentwicklung sowie Organisationsdesign für lebendige Netzwerke. Inspiration von jenen, die bereits Organisation anders gestalten, inklusive.

„Agile Führung ist ein völlig neuer Ansatz, Organisationen zu denken. Das alte Credo ,Planen – umsetzen – kontrollieren‘ hat ausgedient und wird ersetzt durch ,Hinhören – reagieren – reflektieren‘“, sagt Markus Gruber, Gründer des Instituts für Angewandte Kreativität. Bei Agilität gehe es darum, dass man, wenn sich die Dinge anders entwickeln als geplant, immer noch Handlungsoptionen offen habe. „Die alten Muster Chef/Mitarbeiter, oben/unten, denken hier/tun dort funktionieren in unserer Welt heute oft nicht mehr. Damit sind Unternehmen in vielen Branchen einfach zu langsam, zu wenig flexibel“, erläutert Gruber. Außerdem seien für die jungen Mitarbeiter von heute hierarchisch geprägte Unternehmen nicht mehr attraktiv. „Sie wollen sich einbringen, ihre Ideen und Vorstellungen umsetzen können und Work-Life-Balance verwirklichen. Das wird aber immer schwieriger in einer hierarchisch dominierten Kultur, in der es eine Rechtfertigungs-Pyramide gibt.“ In Seminaren und Workshops vermittelt das Institut keine Tipps und Tricks, sondern agile Einstellungen und Haltungen. „Lead and Listen“ will die Entwicklung vom Mit-Arbeiter zum agilen Mit-Unternehmer fördern. „Agile Kre-Aktionen“ möchte vertrauensvolle, kooperative Einstellungen und effektive Methoden im Projektmanagement aufzeigen. „Die Teilnehmer verstehen die menschliche Seite von Widerständen und können besser damit umgehen. Außerdem steigern sie ihre Projektleitungskompetenzen, den Projekt- und damit den Unternehmenserfolg.“

Web: www.nextlevelconsulting.com, www.mci.edu, www.mdi-training.com, http://agileexperts.at, www.iak.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.03.2018)