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Banken - Feilschen um Löhne in Zeiten von Alexa

FILE PHOTO: An Amazon Dot is shown on top of a Hopper at the Dish Network booth during the 2017 CES in Las Vegas
Alexa, Sprachassistent von AmazonREUTERS

Die Banken schreiben wieder Gewinne, die Gewerkschaft will mehr Geld. Aber die Konkurrenz sitze im Silicon Valley, heißt es aus der Branche.

Lohnrunden in den Banken eskalieren selten. Es gibt zwar dann und wann Streikdrohungen, im Vorjahr sogar Protestmärsche, aber in der Regel einigt man sich, wie auch Gewerkschafter einräumen: „In den 20 Jahren, die ich dabei bin, gab es meines Wissens keinen einzigen Streik“, sagt Wolfgang Pischinger, Zentralbetriebsrat bei der Oberbank.

Wird das heuer anders? Gut möglich. In den Banken kursieren Flugblätter, die einen Ausstand bewerben: „Wir kämpfen!“, heißt es da. „Für eine kräftige, nachhaltige Gehaltserhöhung.“ Und „Wann wird gestreikt?“, fragt die Gewerkschaft. Am Dienstag findet nämlich die fünfte Verhandlungsrunde für die 75.000 Beschäftigten in der Kreditwirtschaft statt. Und Pischinger, der auch Arbeitnehmer-Chefverhandler ist, macht klar: Sollte es da wieder „kein akzeptables Angebot“ geben, werden Kampfmaßnahmen beschlossen.

Die Gewerkschaft will 3,5 Prozent mehr Lohn (ursprünglich: vier) und ein zusätzliches langes Wochenende von Freitag bis Montag (ursprünglich: zwei). Außerdem fordert sie ein Recht auf Qualifizierung und eine Kinderzulage ab dem Tag der Geburt.

Bei den Bankern stößt sie auf Unverständnis. Die Forderungen seien „unverantwortlich“ und gingen „zulasten der Wettbewerbsfähigkeit und somit zulasten aller Mitarbeiter“, so Banken-Chefverhandler Markus Posch. Sie bieten 2,4 Prozent plus einmalig 100 Euro. Gewerkschafter Pischinger wundert sich: „Wir haben versucht, durch moderate Abschlüsse die Finanzkrise zu bewältigen. Aber nach so einem Jahr, in dem die Branche Rekordgewinne feiert, ist so ein schlechtes Angebot für uns wirklich unerwartet.“ Die Branche schrieb 2017 knapp fünf Mrd. Euro Gewinn.

Tatsächlich waren die Abschlüsse in den vergangenen Jahren moderat: Im Vorjahr gab es durchschnittlich 1,28 Prozent, davor 1,24 Prozent mehr Lohn. Aber bei den Banken sieht man auch heuer keinen Grund, das Füllhorn auszuschütten. Nach der Bergbau- und der Energiebranche sei die Branche die drittbestbezahlte, so Bankenvertreter Posch. „Außerdem müssen wir über den Tellerrand schauen. Unsere Konkurrenz ist Alexa.“

Er meint damit den Trend zu alternativen Banking-Angeboten im Internet. Alexa ist der Sprachassistent von Amazon. Und Amazon weitet seine Bankkompetenz immer mehr aus, hat etwa schon eine Kreditkarte und vergibt Darlehen an kleine Firmen. „Wenn wir mit vier Prozent abschließen, freut sich das Silicon Valley.“ In der heimischen Bankenbranche fällt laut einer Prognose der Nationalbank bis 2020 jeder dritte Job weg.

Die Gewerkschaft kann das nicht überzeugen: Die Bankmitarbeiter seien ganz bestimmt nicht unter den bestbezahlten. „In Managementpositionen vielleicht“, so Pischinger. Und fügt hinzu: „Die Banken werden immer so wenig Mitarbeiter beschäftigen wie nötig. Ich glaube nicht, dass wir mit geringen Abschlüssen irgendetwas retten können.“

E-Mails an: jeannine.binder@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.03.2018)

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