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Mordalarm: Student tötet Mutter am Geburtstag

Die gebürtige Philippina wurde offenbar erschlagen.
Die gebürtige Philippina wurde offenbar erschlagen.(c) APA/GEORG HOCHMUTH H)
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In Favoriten hat ein 25–Jähriger seiner Mutter offensichtlich den Schädel eingeschlagen. Die Motive des Mannes mit philippinisch-nigerianischen Wurzeln sind unklar.

Wien. Dienstag, früher Morgen, ein 25-Jähriger, laut ersten Infos Student, ruft seinen Vater an. Er „habe etwas Schlimme getan“, soll er diesem gestanden haben, wird die Polizei später berichten.

Der Vater, er lebt nicht im Haushalt, ruft die Einsatzkräfte. Was sich kurz darauf zugetragen hat, das lässt sich anhand von Videoaufnahmen gut nachvollziehen. Als Wega-Beamte die Wohnungstür aufbrechen wollen, versucht der Mann, über das Fenster des schmucklosen Baus in der Fernkorngasse zu fliehen.

Aufnahmen zeigen ihn im ersten Stock am Sims, wirre Dinge schreiend. Darunter warten Polizisten. „Ich bin's. Hier sehen mich alle“, „urdumm seid ihr“ und etwas von „tut mir leid“, schreit er den Beamten entgegen und wird dabei von Anrainern gefilmt. Dann springt er den Polizisten aus der geringen Höhe quasi vor die Füße und wird überwältigt. Der Mann wehrt sich noch am Boden liegend heftig und schreit laut.

 

Massive Gewalt gegen Kopf

In der Wohnung findet die Polizei indes die Leiche der 65-jährigen Mutter. Sie wies laut Polizei „offensichtliche Verletzungen“ auf, für sie kam jede Hilfe zu spät. Die Frau dürfte erschlagen worden sein, sie starb nach Angaben der Polizei durch stumpfe Gewalt gegen ihren Kopf. Angaben zu einer Tatwaffe gibt es aber noch nicht.

Auch das Motiv ist noch völlig unklar. Ob es im Vorfeld einen Streit zwischen Mutter und Sohn gegeben hat, war am Dienstag noch unklar. Einsatzkräfte berichten jedenfalls, die Wohnung habe nach dem gewaltsamen Öffnen der Tür „wie ein Schlachtfeld“ ausgesehen. Die Mordgruppe des Landeskriminalamts Wien hat die Ermittlungen übernommen.

Die Einvernahmen des Beschuldigten, die Aufschluss über ein Motiv bringen sollen, haben am Dienstag begonnen. Informationen dazu gibt es noch keine. Trotzdem werden immer mehr Details des Falles bekannt: Mutter und Sohn dürften im selben Haushalt gelebt haben. Die beiden seien unauffällig gewesen, heißt es aus dem Umfeld.

Der Vater des 25-Jährigen lebte von den beiden getrennt in Niederösterreich. Die Frau – sie wurde justament in den frühen Morgenstunden ihres 65. Geburtstages erschlagen – stammt jedenfalls von den Philippinen, soll aber schon lange in Wien gelebt haben. Der Vater des jungen Mannes ist gebürtiger Nigerianer.

Er war es auch, der – offenbar in rudimentärem Deutsch – die Einsatzkräfte alarmiert hat. Weil zu Beginn nicht klar war, was passiert ist, wurde zunächst offenbar die Feuerwehr geschickt.

 

Parallelen bei Muttermorden

Die Tat erinnert – auch wenn die Motivlage unklar ist – an einen anderen Fall, in dem ebenfalls ein junger Mann seine Mutter ermordet hat. Im Februar hat ein 28-Jähriger in Polling im Bezirk Braunau offenbar zunächst mit einer Flasche auf den Kopf seiner Mutter eingeschlagen, sie dann erwürgt.

Auch er verständigte nach der Tat Angehörige und versuchte dann zu flüchten. Nach seiner Verhaftung in Deutschland gab der Tatverdächtige an, es sei zu Streit gekommen, der eskaliert sei. Er dürfte massive psychische Probleme haben, von Wahnvorstellungen und Panikattacken ist die Rede.

Und im heurigen Jänner wurde in Wien ein 17-Jähriger in eine Anstalt für geistig abnorme und gefährliche Rechtsbrecher eingeliefert. Vor rund einem Jahr hatte der damals 16-Jährige in einer Villa in Penzing seine Mutter mit 21 Messerstichen getötet. Bei ihm wurde Schizophrenie diagnostiziert.

 

Muttermörder meist krank

Trotz dieser aufsehenerregenden Fälle: Der Mord an der eigenen Mutter – der sogenannte Matrizid – gilt als seltenes Verbrechen. Nur in zwei Prozent aller Tötungsdelikte werden Eltern von ihren Kindern (und hier fast immer Söhnen) ermordet – und Väter sind dabei weit öfter die Opfer als Mütter.

Die Mehrheit der Elternmorde wird laut Studien von jungen Erwachsenen begangen, die an psychiatrischen Störungen, zum Zeitpunkt der Tat oft auch unter Wahnvorstellungen leiden. Als typisch gilt auch ein „Overkill“, also massive Gewaltanwendung, selbst wenn das Opfer schon leblos oder tot ist. (cim)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.04.2018)