Verkehrsunfall in der virtuellen Welt

(c) ÖAMTC/alex

Führerscheinneulinge sind zu einem Mehrphasentraining verpflichtet. Der ÖAMTC schickt jetzt seine Teilnehmer in gefährliche Situationen in der virtuellen Welt.

Es ist einer der großen Meilensteine im Leben eines jungen Erwachsenen: der Führerschein. Der rosa Schein bedeutet für viele Unabhängigkeit, Freiheit und Flexibilität. Dass damit aber auch viel Verantwortung einhergeht, vergessen viele Führerscheinneulinge. Verkehrsunfälle, die oftmals schwerwiegende Verletzungen oder sogar den Tod des Lenkers oder eines Verkehrsteilnehmers zur Folge hatten. Aus diesem Grund wurde vor nunmehr 15 Jahren das Mehrphasentraining eingeführt. Zwei Perfektionsfahrten und ein Fahrsicherheitstraining, das in einem sicheren Umfeld auf das richtige Reagieren in Gefahrensituationen vorbereiten soll.

Der Österreichische Automobil-, Motorrad- und Touring-Club (ÖAMTC) bietet als Verkehrsklub seit der Einführung des Mehrphasentrainings in seinen acht Fahrtechnikzentren Kurse an. Mehr als 500.000 Menschen haben beim ÖAMTC ein Verkehrssicherheitstraining abgeschlossen. Zum 15-jährigen Jubiläum hat man 4500 Teilnehmer befragt, „wie unsere Trainings bei den Teilnehmern ankommen und was genau sie bewirken“, erklärt ÖAMTC-Verbandsdirektor Oliver Schmerold. Im Rahmen der Befragung zeigten sich die Teilnehmer sicherer in ihrem Fahrverhalten und gaben an, vorausschauender zu fahren.

Als Weiterentwicklung des Angebots hat man jetzt gemeinsam mit Samsung eine Virtual Reality App entwickelt, die Fahranfänger auf mögliche Gefahrensituationen vorbereiten soll.

Drei Filme für die VR-Brille. In der virtuellen Welt werden die Teilnehmer nacheinander in verschiedene Gefahrensituationen geschickt: Entweder machen sie ein unvorsichtiges Überholmanöver, bei dem sie einen Motorradfahrer übersehen, oder sie werden auf der Landstraße durch ihr Smartphone abgelenkt, oder aber sie fahren mit erhöhtem Tempo in eine Kurve. Drei Situationen, die auch in der Realität oft zu Unfällen führen. Der Zusammenstoß, das Klirren der Windschutzscheibe und das Krachen der Karosserie lassen einen zusammenzucken, ohne dabei wirklich in Gefahr zu sein. Es zeigt aber, wie schnell es gehen kann und welche Auswirkungen nur eine kurze Unachtsamkeit zur Folge haben kann.

„Wir freuen uns, dass die Samsung-Drive-App nicht nur ein herausragendes Pilotprojekt bleibt, sondern in den ÖAMTC-Fahrtechnikzentren nun tatsächlich breit zum Einsatz kommt“, zeigt sich auch Samsung-Österreich-Chef von der Zusammenarbeit zufrieden. Damit werde Virtual Reality zunehmend im pädagogischen Bereich relevant und könne der Gaming-Branche entwachsen. In der Therapie oder in Schulen gäbe es laut Samsung bereits interessante Projekte, die hoffentlich bald umgesetzt werden können. Aber auch beim ÖAMTC ist die Virtual-Reality-Entwicklung noch nicht abgeschlossen.

Im Lauf des Jahres soll noch eine VR-Simulation für Motorradfahrer kommen. „Wir wollen allen unseren Teilnehmern Virtual Reality zur Verfügung stellen“, sagt Franz Schönbauer, der Geschäftsleiter der ÖAMTC-Fahrtechnik. Bei Motorradfahrern ist nämlich auch ein Mehrphasentraining verpflichtend. Hier wird vor allem auf Blicktechnik Wert gelegt.

Dass das innerhalb eines Jahres abzuschließende Training Sinn hat, belegen auch die Verkehrsstatistiken. Die Unfallzahlen sind zwar mit 19 Prozent generell rückläufig, aber bei den Lenkern im Alter von 17 bis zu 24 Jahren sind die Unfälle sogar um 38 Prozent zurückgegangen.
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