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Am Tatort in Kärnten

Tatort Kaernten
(c) AP (STEVE HEASLIP)
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Immer schneller sind Informationen verfügbar und immer mehr scheint es davon zu geben.

Wenn Politiker auffallen wollen, müssen sie sich daher auf griffige, kurze Sager verlegen – sogenannte „Sound Bites“. Ohne sie sind Politikeraussagen gar nicht mehr denkbar. Finanzminister Josef Pröll und seine Mitarbeiter haben diese Technik nun noch erweitert: Sie kapern Slogans populärer Fernsehformate. (Bei Karl-Heinz Grasser war es die Werbung: „Ein guter Tag beginnt mit einem sanierten Budget.“) Es fing an mit Prölls Suche nach dem „Superpraktikanten“, eine Anspielung auf die Fernsehshow „Deutschland sucht den Superstar“. Trotz aller Häme blieb eine positive Bilanz: maximale Medienaufmerksamkeit, der Anflug von Humor kam bei Jungen nicht schlecht an. Es kann ja wesentlich peinlicher enden, wenn sich Politiker augenzwinkernd geben.

Von der Aktion offenbar beflügelt, hat Pröll zum zweiten Streich ausgeholt und eine „CSI Hypo“ angekündigt. „CSI“ steht für „Crime Scene Investigation“, auf Deutsch etwas rumpelig „Ermittlungen am Tatort“, und ist der Titel einer auch bei uns erfolgreichen US-amerikanischen Serie. Hier werden Mordfälle mithilfe modernster Kriminaltechnik aufgeklärt. Was hat Pröll wohl mit der Erwähnung von CSI bezweckt? Hat der Skandal um die Hypo Alpe Adria auch Menschenleben gefordert? Sind nun sogar Gentechniker gefragt, um dunkle Machenschaften aufzudecken? Werden die Sonderermittler bei Nacht und Nebel über den Tatort huschen? Oder ging es vielleicht wieder nur um ein kleines Augenzwinkern? Dann haben Bankkunden guten Grund, sich ziemlich angeschmiert zu fühlen. Mit Schulterzucken und Augenzwinkern sollte es schön langsam vorbei sein. Denn nicht zuletzt deswegen stehen wir da, wo wir stehen.


friederike.leibl-buerger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.02.2010)