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Oettinger: "Habe mein Würstchen immer auf dem Papierteller gegessen"

EU-Kommissar Günther Oettinger sieht in den Plastik-Plänen der Kommission kein Problem.
EU-Kommissar Günther Oettinger sieht in den Plastik-Plänen der Kommission kein Problem.APA/AFP/JOHN THYS
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Die EU-Kommission stellt ihre Strategie zur Plastikmüll-Vermeidung vor. Besteck, Teller, Strohhalme, Wattestäbchen aus Plastik könnten bald verboten werden. Haushalts-Kommissar Oettinger verteidigt die Pläne.

Zu Mittag stellt EU-Kommission ihre Strategie gegen die Unmengen von Plastikmüll vor. Dabei dürfte es vor allem nur einmal verwendbare Gegenstände aus Plastik an den Kragen gehen, wie am Wochenende durchgesickert ist. Gibt es ähnliche Produkte aus anderen Materialen, sollen deren Plastik-Pendants verbannt werden. Gibt es keinen adäquaten Ersatz, sollen die Mengen begrenzt werden.

Noch vor der Präsentation verteidigte EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger die Pläne der Kommission. "Ich habe in meiner Jugend mien Saitenwürstchen immer auf dem Papierteller gegessen", erzählt Oettinger dem TV-Sender SWR über seine Jugend in Schwaben, wo gerne Brühwürste mit Spätzle und sauren Linsen serviert werden.

Sein Kollege und EU-Kommissions-Vizepräsident Frans Timmermans hatte in deutschen Medie erklärt: "Jede Sekunde landen etwa 700 Kilogramm Plastikmüll in unseren Ozeanen" Grund genug für ihn, untersuchen zu lassen, welche nur ein Mal verwendbaren Gebrauchsgegenstände aus Plastik an den Stränden dieser Welt besonders häufig angespült werden. Platikteller, Plastikbesteck, Strohhalme sind darunter. Sofern sich preisgünstige Alternativen finden lassen, die ökologischer sind, werde die Kommission diese Artikel verbieten.

Eine eigene Plastik-Steuer ist für die EU-Kommission weiterhin ebenfalls wünschenswert. Der Vizepräsident der EU-Kommission Jyrki Katainen erklärte am Montag, dies sei auch Teil des Vorschlags der Kommission zur Reduktion des Plastikmülles. Die Plastik-Steuer könnte auch Teil der Eigenmittel-Idee für das EU-Budget sein.

Was genau auf die Verbraucher und Hersteller zukommt, das lässt ein Entwurf der EU-Kommission von Anfang Mai erahnen. Neben Einweggeschirr wurden auch Luftballonhalter, Wattestäbchen und auch Kaffee-Rührstäbchen aus Plastik. Diese Produkte sollen auch in der Letztfassung der EU-Strategie auf der Verbotsliste landen, berichtet etwa die ARD Tagesschau.

Grüne fordern systematische Wiederverwertung

Für die Grünen im Europaparlament eine erfreuliche Botschaft. Sie fordern eine systematische Sammlung und Wiederverwertung. Das von der EU-Kommission erwogene Verbot einzelner Gebrauchsgegenstände sei zwar zu begrüßen, löse aber das Problem nicht, sagte der Europa-Abgeordnete Martin Häusling der Deutschen Presse-Agentur.

"Der Ansatz klingt ganz gut", sagte Häusling. "Aber das ist auch Symbolpolitik nach dem Motto: Ich verbiete die Strohhalme und denke, ich hätte etwas getan." Entscheidend sei, dass Recyclingquoten erhöht würden. Voraussetzung dafür sei eine möglichst sortenreine Sammlung sowie der Verzicht auf Schadstoffe, die die Wiederverwertung von Kunststoffen erschweren.

Häusling kritisierte auch die massenweise Verpackung von Biogemüse in Plastik. Das sei keineswegs Vorschrift, sondern für Supermärkte oft lediglich die einfachste Möglichkeit, Verunreinigungen durch Pflanzenschutzmittel auf konventionell angebautem Gemüse im selben Regal zu vermeiden. "Das ginge auch anders", sagte der Grünen-Politiker. "Wenn man den Plastikmüll angehen will, muss man die Produktionsketten ändern."

Europaweit fallen nach Angaben der EU-Kommission jährlich rund 26 Millionen Tonnen Plastikmüll an. Nur knapp 30 Prozent davon werden zur Wiederverwertung gesammelt, die übrigen 70 Prozent landen auf Mülldeponien, in Verbrennungsanlagen oder in der Umwelt. Ein Verbot von einzelnen Plastik-Gegenständen könnte letztlich aber nicht ohne die Zustimmung der Mitgliedstaaten und des Europaparlaments erlassen werden. Doch das scheint nicht ausgeschlossen, die deutsche Regierung hat schon Zustimmung signalisiert.

(APA/dpa)