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Managementwahnsinn - Wahnsinnsmanagement

Was Sie an der Harvard Business School lernen

(c) Pixabay
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Kolumne "Hirt on Management". Folge 76.

In unserer Rubrik „Hirt on Management“ beantwortet Michael Hirt, Managementexperte und -berater, Executive Coach und Keynote Speaker alle zwei Wochen Fragen von Managern zu herausfordernden Situationen und kritischen Entscheidungen.

Ich habe vor kurzem ein Executive Program an der Harvard Business School (HBS) abgeschlossen und nachdem ich dort extrem viel Spannendes gelernt habe, habe ich gedacht, dass es interessant wäre, die Kernpunkte daraus in einigen meiner nächsten Kolumnen mit Ihnen zu teilen:

Führen von globalen Teams mit dem SPLIT-Ansatz von Prof. Tsedal Neely (HBS)

SPLIT steht für Structure (Struktur), Process (Prozess), Language (Sprache), Identity (Identität), Technology (Technologie).

Diese fünf Begriffe stehen für ein integriertes Konzept, um den sozialen Abstand innerhalb eines globalen Teams zu verringern.

Denn der Schlüssel zum Erfolg mit globalen Teams ist eben diesen sozialen Abstand zwischen den Teammitgliedern zu reduzieren. Mit sozialem Abstand ist das Ausmaß der emotionalen Verbindung, die Menschen miteinander haben, gemeint.

Gruppen mit einem niedrigen sozialen Abstand fühlen sich eng verbunden, während Gruppen mit einem hohen sozialen Abstand große Herausforderungen haben, um zufriedenstellende Interaktionen herzustellen.

Jetzt zu den fünf Teilen des Konzeptes um den sozialen Abstand zu reduzieren und konkreten Maßnahmenbeispielen.

S-Structure

Hier ist ein wesentlicher Punkt, aktiv zu fördern, dass das Team sich als Einheit versteht. Das kann man dadurch unterstützen, das man dem Team einen Namen gibt und das Team in einen Prozess engagiert, der dafür sorgt, dass allen Teammitgliedern die Ziele und der Auftrag des Teams vollkommen klar sind.

Hier ist auch zu beachten, dass, wenn an einzelnen Standorten oder in einzelnen Ländern nur ein bis zwei Personen („Isolates“) sind, diese sich sehr schnell isoliert fühlen und nicht als Teil des Teams fühlen können.

Eine Schlüsselaufgabe der Führungskraft ist daher, ihre Aufmerksamkeit auf die verschiedenen Teammitglieder und Standorte nicht gleich zu verteilen, sondern dort wo besondere Herausforderungen bezüglich sozialer Distanz oder Isolation bestehen, verstärkt zu kommunizieren.

P-Process

Hier hat es sich bewährt, am Beginn einer Telefonkonferenz, circa 10% der Zeit der Telefonkonferenz, damit zu verbringen, einen kurzen Rundumblick in die Standorte zu machen, und jede Person ein paar Schlagworte zu einem nichtberuflichen Thema sagen zu lassen, zum Beispiel was Sie am Wochenende gemacht hat.
Hört sich nach einem banalen Punkt an, trägt aber dazu bei, angemessene menschliche Nähe und Vertrautheit zu erzeugen, die wieder die Produktivität des Teams steigert.

L-Language

Nachdem in den meisten globalen Teams Nicht-Native-Speaker mit Nicht-Native-Speakern auf Englisch konferieren sind Missverständnisse und Probleme vorprogrammiert.

Ein anderes Problem kann sein, dass die Native-Speaker dominieren, aber nicht weil sie die besseren inhaltlichen Punkte haben, sondern weil sie einfach besser die Sprache beherrschen.

Hier gilt es als Führungskraft aktiv darauf zu achten, dass alle dazu aufgefordert werden oder ermutigt werden zu Wort zu kommen, zum Beispiel indem man die Mitarbeiter, die weniger sprechen, dazu auffordert, als Erste zu sprechen.

Weiters empfiehlt es sich, immer vor den Telefonkonferenzen, rechtzeitig schriftliche Briefingunterlagen zu verteilen, gegebenenfalls übersetzt. Jedenfalls haben dann die Teilnehmer eine bessere Chance sich vorzubereiten und sogar gegebenenfalls, mit einem leistungsfähigen Übersetzungstool wie deepl.com, die Unterlage in ihre Muttersprache zu übersetzen.

Das kann auch sehr hilfreich und wichtig sein, wenn sie aufgrund der extremen Verteilung ihres Teams gar keine gemeinsame Telefonkonferenz-Zeit für das gesamte Team finden können, sondern das Meeting möglicherweise zweimal abhalten müssen, und durch die schriftlichen Unterlagen sicherstellen können, dass wesentliche Inhalte jedenfalls gleich sind.

I-Identity

Hier ist ein sehr wichtiger Punkt, dass unterschiedliche Kulturen zu unterschiedlichen Selbstdefinitionen der Menschen, z.B. im Bezug auf kulturelle Zugehörigkeit, Bedeutung der Religion und Bedeutung der Geschlechteridentität, führen.

Es geht hier nicht darum, irgendwelche Vorurteile Ins Spiel zu bringen, sondern einfach gut vorbereitet und sensibel mit möglichen Hindernissen und anderen Sichtweisen in diesem Bereich umzugehen.

T-Technology

Die richtige Technologie spielt keine geringe Rolle, um mit globalen Teams erfolgreich zu sein. Es gibt wenige Dinge die mehr Nerven kosten, als eine schlechte Telefonverbindung oder Videos die dauernd abreißen.

Die Führungskraft des globalen Teams sollte dafür sorgen, dass die richtigen Technologien vorhanden sind und vor allem auch Backup-Technologien zur Verfügung stehen, um die unweigerlich auftretenden Probleme abzufangen.


Das Wichtigste in Kürze


Auch wenn sie noch so hart daran arbeiten, werden bestimmte Probleme und Missverständnisse in globalen Teams immer wieder auftauchen. Deshalb sollten Sie sich immer ganz genau überlegen, ob die Aufgabe wirklich überhaupt ein globales Team erfordert, denn sonst lohnt sich das Ganze nicht. Falls die Antwort „ja“ lautet, nutzen Sie das SPLIT-Konzept, um die soziale Distanz in Ihrem globalen Team zu verringern.



In „Hirt on Management“ beantwortet Michael Hirt, Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor alle 2 Wochen Fragen von ManagerInnen zu herausfordernden Situationen und kritischen Managemententscheidungen.

Schicken Sie Ihre Fragen an Michael Hirt an: karrierenews@diepresse.com

Die Fragen werden anonymisiert beantwortet.

Ausblick: Die nächste Kolumne von Michael Hirt erscheint am 19. Juli 2018 zur Frage: Sanierung für Anfänger. Wie Sie den Karren wieder aus dem Dreck ziehen.

Hier finden Sie die gesammelten Kolumnen.

Dr. Michael Hirt, geboren 1965 in Wien, ist Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor. Hirt verhilft Führungskräften zu schnellen Leistungs- und Ergebnissteigerungen, mit hoher Auswirkung auf den Erfolg ihres Unternehmens. Er studierte in Österreich, Kanada (McGill) und Frankreich (INSEAD MBA) und ist weltweit tätig.