Papst-Gesandter warnt vor Mafia-Geschäften in Međugorje

Ein Bild aus der Pilgerstadt Međugorje in Bosnien-Herzegowina.
Ein Bild aus der Pilgerstadt Međugorje in Bosnien-Herzegowina.APA/AFP/ELVIS BARUKCIC

Die Camorra soll mit der Organisation von Pilgerreisen und mit Hotels im nicht unumstrittenen Wallfahrtsort starke Gewinne machen, warnt Erzbisschof Henryk Hoser.

Der Papst-Gesandte für Međugorje, Erzbischof Henryk Hoser, hat vor dem Eindringen der Mafia im bosnisch-herzegowinischen Wallfahrtsort gewarnt. Angesichts des starken Pilgerstroms, unter anderem aus Süditalien, sei die Präsenz der neapolitanischen Camorra im Wallfahrtsort stark, sagte Hoser nach Angaben der Mailänder Tageszeitung "Il Giornale" (Montagsausgabe) in einer Predigt.

Hoser bezog sich auf Berichte lokaler Medien, wonach die Camorra mit der Organisation von Pilgerreisen und mit Hotels in Međugorje starke Gewinne mache. Hinzu würden lokale Souvenirgeschäfte Mitbringsel verkaufen, die von durch die Camorra unterwanderten Unternehmen im neapolitanischen Raum produziert würden. Der einflussreiche Camorra-Clan Casalesi unterhält laut den Ermittlungern gute Beziehungen zur bosnischen Kriminalität.

"Man muss sich darüber bewusst sein, dass die Mafia wegen des starken Pilgerstroms in Međugorje eingedrungen ist, unter anderem die Camorra, die mit großen Profiten rechnet", berichtete Hoser laut "Il Giornale". Jährlich besuchen rund 2,5 Millionen Gläubige aus aller Welt Međugorje. Am 24. Juni 1981 hatten dort erstmals drei Hirtenkinder von Erscheinungen der Gottesmutter berichtet. Einen Tag später soll sie drei weiteren Kindern erschienen sein. Die sechs Seher haben nach eigenen Angaben seitdem regelmäßig Erscheinungen, bisher insgesamt rund 42.000. Später berichteten sie auch von Botschaften der "Gospa" (Herrin).

Die angeblich anhaltenden Marienerscheinungen sind in der katholischen Kirche umstritten, eine Anerkennung durch den Vatikan fehlt. Insbesondere Ortsbischof Ratko Peric von Mostar-Duvno bezweifelt die Marienerscheinungen. Über eine mögliche Anerkennung muss letztlich Papst Franziskus entscheiden.