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"(Don't) pay with cash": Was hat Trump seinem Anwalt gesagt?

Cohen und Trump
Cohen und Trump(c) REUTERS (LEAH MILLIS); Montage: Die Presse

Die Affäre um eine mögliche Schweigegeldzahlung an ein Playmate bringt den US-Präsidenten in Bedrängnis. Ein mitgeschnittenes Gespräch zwischen Trump und seinem Anwalt lässt Interpretationsspielraum.

"Welche Art von Anwalt nimmt einen Mandanten heimlich auf Band auf? So traurig!", schrieb US-Präsident Donald Trump am Mittwoch auf Twitter. Sein Ärger ist offensichtlich groß. Ein Gespräch über Zahlungen in Cash oder eben nicht an eine Verlagsgruppe wegen der Story eines Playmates, das nach eigenen Angaben eine längere Beziehung zu Trump unterhalten haben soll, ist nichts, was ein US-Präsident in den Medien ausgebreitet sehen will.

Anwalt Michael Cohen hatte im September 2016 den heimlichen Mitschnitt von einem Gespräch mit Trump gemacht. Der Sender CNN veröffentlichte die Aufnahme am Dienstagabend. Darin sprechen die beiden über eine Zahlung. US-Medien interpretierten Trumps Worte so, dass er offenbar über eine Schweigegeldzahlung an das ehemalige Playmate Karen McDougal Bescheid gewusst habe.

McDougal sagt, sie habe 2006 eine Affäre mit Trump gehabt - also während seiner Ehe mit Melania Trump, kurz nach der Geburt von Trumps jüngstem Sohn Barron. Die Verlagsgruppe American Media Inc. (AMI) zahlte McDougal 150.000 US-Dollar für die Geschichte. Das zu dem Verlag gehörende Skandalblatt "National Enquirer" veröffentlichte sie aber nie. Das Blatt soll sich die Rechte Berichten zufolge nur gesichert haben, damit die angebliche Affäre nicht öffentlich wird. Die Methode ist in den USA als "catch and kill" bekannt (Deutsch: "fange und vernichte").

Mitschnitt schafft nur bedingt Klarheit

In dem von CNN veröffentlichten Mitschnitt ist nun offenbar zu hören, wie Cohen Trump auf die Zahlung an American Media Inc. (AMI) anspricht. Er sagt, er wolle eine Firma einrichten, um den Transfer zu arrangieren. Trump fragt: "Welche Finanzierung?". Cohen entgegnet, dass man zahlen müsse. Trump scheint ihm dann offenbar vorzuschlagen, dass er in bar zahlen solle. Dies wehrt Cohen jedoch ab. Wenig später bricht die Aufnahme ab.

Ob Trump seinen Anwalt zu einer Barzahlung überreden wollte, darin sind sich die Interpretatoren der Tonaufnahme nicht einig. Laut Rudy Giuliani, Trumps aktuellem Anwalt, sagte Trump: "Don't pay with cash. Check" ("Nicht bar zahlen"). Doch in der Aufnahme ist deutlich lediglich "pay with cash" zu hören, worauf Cohen wiederholt "No" sagt.

Trumps aktueller Anwalt Giuliani hatte der "New York Times" schon vor der Veröffentlichung der Aufnahmen bestätigt, dass Trump mit Cohen über eine Zahlung an das frühere "Playmate" gesprochen habe. Die Aufnahme des Gesprächs sei jedoch nicht belastend, sondern belege eine "sehr professionelle Unterhaltung zwischen einem Mandanten und einem Anwalt", die "kraftvolles entlastendes Beweismaterial" darstelle. Letztlich sei die Zahlung nicht geleistet worden, betonte Giuliani.

Schweigegeld als Wahlkampfspende?

Auch wenn die Schweigegeldzahlung entgegen der Beteuerungen doch erfolgt sein sollte, wäre dies nicht unbedingt illegal. Ein Rechtsverstoß könnte allerdings vorliegen, wenn Cohen aus eigener Tasche eine solche Zahlung an McDougal geleistet und diese nicht bei den Behörden deklariert haben sollte - dann könnte es sich um eine illegale Wahlkampfspende handeln.

Cohen hatte rund zehn Jahre lang für Trump gearbeitet und verfügt über viele Kenntnisse zu Trumps Privatleben und seinen geschäftlichen wie politischen Aktivitäten. Inzwischen steht er unter massivem juristischen Druck, da gegen ihn wegen mutmaßlich illegaler Geschäftspraktiken ermittelt wird. Vor kurzem hatte er erklärt, seine Loyalität kenne Grenzen, sie gelte vor allem seiner Familie und seinem Land.

(APA/AFP/dpa/red.)