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Patientenanwältin kritisiert "zersplitterte Gesundheitsversorgung"

Symbolbild: Wahlarzt
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Immer mehr Österreicher gehen zum Wahlarzt - trotz höherer Kosten. Patientenanwältin Pilz und Neos-Sozialsprecher Loacker sehen Patienten in den privaten Bereich gedrängt.

Wahlärzte führen ihre Ordinationen ohne Verträge mit den Krankenkassen. Das bedeutet: Sie können ihre Preise selbst festlegen. Die Patienten haben die Kosten selbst zu stemmen, nur einen Teil davon können sie von ihrer Krankenkasse zurückfordern. So weit, so bekannt. Neu ist, dass es immer mehr Menschen zu eben diesen Wahlärzten zieht. Das geht aus der Beantwortung einer von den Neos eingebrachten parlamentarischen Anfrage hervor. Demnach haben die Kassen ihren Versicherten im Jahr 2010 rund 139 Millionen Euro für Behandlungen bei Wahlärzten rückerstattet, 2017 waren es schon 206 Millionen Euro. Der höchste Anstieg wurde in Wien verzeichnet.

Gerald Loacker, Sozialsprecher der Neos, ortet ob dieser Faktenlage im ORF-Radio ein „Mehrklassensystem“ in Österreich. „Sie bekommen in manchen Gebieten ganz schwer Termine für einen Augen- oder Kinderarzt auf Kasse“, beanstandet er, „das drängt die Patienten in den privaten Bereich“. Die Patienten müssten als „selbst in ihre Taschen greifen, um zu ihrer Gesundheitsleistung zu kommen“.

Die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz teilte diese Meinung am Donnerstag im Ö1-„Morgenjournal“. Es sei nicht tragbar, dass in ländlichen Gebieten der einzige erreichbare Mediziner ein Wahlarzt sei. „Die Patienten melden sich bei uns und sind wirklich schockiert, weil sie zum Beispiel keinen Kinderarzt finden mit Kassenvertrag oder weil sie merken, dass die Rückerstattung ja nur ein Bruchteil, manchmal nur 20 Prozent dessen ist, was sie wirklich bezahlen.“  

Nur rund 30 Psychiater mit Kassenvertrag in Wien

Die Schuldfrage sei nicht leicht zu beantworten. Zum Teil, so Pilz, habe die Ärztekammer mit ihrer Kritik, wonach die Mediziner völlig überlastet seien, es mehr Planstellen und bessere Bezahlung, recht. Gerade in Wien herrsche, beispielsweise bei den Psychiatern – mehr als 400 privat, nur an die 30 mit Kassenvertrag –, eine „Schieflage“. Ihr Appell: In den Mangelfächern gehörten die Kassenstellen aufgestockt, die Primärversorgung müsse generell gestärkt werden. Für die Ärzte müsse das Eingehen eines Kassenvertrages attraktiv sein. Stichworte: wenig Bürokratie, klarer Versorgungsauftrag und entsprechende Versorgung. 

„In der zersplitterten Gesundheitsversorgung herrscht der Stillstand“, kritisiert Pilz. Die verschiedenen Partner würden sich gegenseitig blockieren, ein „großer Wurf“ in der Versorgung sei nicht in Sicht.

>>> Bericht im Ö1-„Morgenjournal“

(Red.)