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Jetzt ist der "Piefke" wieder sauer

Szene aus der echten "Piefke-Saga" mit u.a. Tobias Moretti, die in vier Teilen von 1990 bis 1993 im Fernsehen zu sehen war.
Szene aus der echten "Piefke-Saga" mit u.a. Tobias Moretti und Brigitte Grothum, die in vier Teilen von 1990 bis 1993 im Fernsehen zu sehen war.Screenshot
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In der Osttiroler Gemeinde Virgen löst die Aufführung der "Piefke-Saga" bei deutschen Urlaubern eine solche Empörung aus, wie sie einst die Familie Sattmann in der Satire vor sich her trug. Ist das Verhältnis zwischen Ösis und Deutschen weniger entspannt als angenommen?

Die Szene hat sich eingeprägt: Kurt Weinzierl als grantiger Tiroler Bürgermeister im Trachtenanzug, mit aschenbechergroßen Brillen und dem ewig gleichen Flucher: "Scheiß Piefke!" Oder Familienvater Karl-Friedrich Sattmann, wie er in der Dämmerung auf einem Sessellift vergessen wird und vor sich hin murmelt: "Ich reise ab, ich reise sofort ab". Der grantige Tiroler und der drohende deutsche Tourist. 28 Jahre ist es her, dass die vierteilige "Piefke-Saga" erstmals im Fernsehen zu sehen war und für einen erwartbaren Skandal sorgte. Im "Club 2" diskutierte man damals darüber, ob man die, die das Geld in die Berge bringen, unsympathisch finden und das auch sagen dürfe. Der Tiroler Tourismusverband war erbost und besorgt: Was, wenn jetzt die deutschen Urlauber ausbleiben?

Es kam natürlich anders. Die "Piefke-Saga" wurde nicht nur Kult, sie trug auch zu einer spielerischen Annäherung zwischen den so vermeintlich grundverschiedenen Nachbarn bei, die bis heute nicht nur, aber eben auch die gemeinsame Sprache trennt. Wobei sich das Verhältnis zwischen "den Piefke" und "den Ösis" seither stark gewandelt hat, die Nachbarländer sind in vielen Dingen näher gerückt. Ressentiments von früher wurden abgebaut.

Oder doch nicht?

Ein aktueller Streit im Osttiroler Ort Virgen legt das nahe. Die örtliche Theatergruppe zeigt diesen Sommer eine Adaption der "Piefke-Saga", jede Vorstellung ist ausverkauft. Weil aber Virgens Bäckermeister die Theatertruppe finanziell unterstützt, hat er sich einen Beschwerdebrief einiger deutscher Gäste eingebrockt. Plakate, die für das Stück werben, sorgen bis nach Lienz und Matrei für Aufregung. Der Bäckermeister berichtete der "Kleinen Zeitung", er wollte dem deutschen Urlauberpaar zunächst antworten, dass sie die perfekten Statisten für die "Piefke-Saga" wären. Er blieb doch bei der höflichen Antwort. 

Was würde Felix Mitterer sagen?

Natürlich sind die Deutschen für Österreicher längst nicht mehr nur die selbstverliebten, besserwissenden Urlauber. Sie studieren an unseren Unis, arbeiten in vielen Unternehmen und bedienen UNS auf den Berghütten, kurz: Sie leben hier und sind die größte Gruppe an Einwanderern. Aber haben wir uns deshalb von den Vorurteilen, den platten Klischees und Stereotypen verabschiedet? Immer noch fallen schnell abschätzige Bemerkungen über ungeschickte deutsche Familien, die beim Wandern in den Bergen ihre Kräfte oder den Weg verlieren und sich retten lassen müssen. "Typisch Daitsche!", heißt es dann. Oder es wird gemault über die Numerus-Clausus-Flüchtlinge, die unsere Unis überrennen. Und irgendwann werden die ödesten aller Witze ausgepackt: die Sprachwitze über Blumenkohl, Möhre und Pflaume. Die sind allerdings auch umgekehrt (mit Karfiol, Karotte, Zwetschke und Co.) ebenso beliebt. 

Autor Felix Mitterer, der Schöpfer der "Piefke-Saga", dachte vor zehn Jahren laut über eine Fortsetzung der Fernsehsatire nach. Diesmal sollte es nicht mehr um deutsche, sondern russische Touristen in Tirol gehen. Daraus wurde nichts, nach dem Ausbruch des Russland-Ukraine-Konflikts war Mitterer, der im Februar 70 wurde, nicht mehr nach Satire zumute. Es wäre interessant, was er zur aktuellen Posse in Virgen sagt. Vielleicht gibt es mehr Grund und Anlass für eine Fortsetzung der "Piefke-Saga", als er glaubt.