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Tesla: Elon Musk soll Chefsessel räumen

Hat Tesla-Gründer Elon Musk seine Investoren in die Irre geführt?
Hat Tesla-Gründer Elon Musk seine Investoren in die Irre geführt?(c) REUTERS (Noah Berger)
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Die US-Börsenaufsicht SEC verklagt den Tesla-Gründer wegen Betrugs und will ihm die Führung seines Unternehmens verbieten. Das könnte Tesla teuer zu stehen kommen.

New York/San Francisco/Wien. War es einfach nur ein Witz? Wollte er Spekulanten, die gegen sein Unternehmen wettern, einen Strich durch die Rechnung machen, wie Beobachter vermuten? Spätestens seit Donnerstag ist jedenfalls klar: Mit diesem Tweet hat sich Elon Musk wirklich keinen Gefallen getan. Anfang August verkündete er, Tesla für 420 US-Dollar je Aktie von der Börse zu nehmen. Die Mitteilung könnte Musk nun den Chefsessel in seiner eigenen Firma kosten.

Die US-Börsenaufsicht SEC will dem 47-Jährigen die Leitung des von ihm gegründeten Elektroautobauers Tesla entziehen. Die Behörde verklagte den Erfinder und Manager vor dem US-Bundesgericht Manhattan wegen Betrugs. Als Grund nannte sie „falsche und irreführende“ Twitter-Nachrichten über einen angeblich geplanten Börsenrückzug von Tesla.
„Ich überlege, Tesla von der Börse zu nehmen. Zum Preis von 420 Dollar je Aktie. Die Finanzierung ist gesichert“, twitterte der gebürtige Südafrikaner im August. Musk hat auf dem Kurznachrichtendienst mehr als 20 Millionen Follower. Aber die Aufregung ging weit über die Twitter-Community hinaus. Die Aktie des Elektroautoherstellers schoss kurz darauf um zeitweise mehr als zehn Prozent in die Höhe. Aber nach einigen Tagen Unsicherheit war klar: Musk wird seine Ankündigung nicht wahr machen. Zwei Wochen nach der Twitter-Botschaft zog er sie offiziell zurück. Die Finanzierung war, anders als behauptet, gar nicht gesichert. Erste Klagen von Investoren wegen irreführender Marktinformationen folgten auf dem Fuß.

 

„Elon ist Tesla, Tesla ist Elon“

Wie auch die Ermittlungen der Börsenaufsicht. In einer Erklärung von Musk hieß es, er habe nichts Falsches getan und sei traurig und enttäuscht über die Klage. Er habe immer im Sinne der Wahrheit, der Transparenz und der Investoren gehandelt. Der Tesla-Verwaltungsrat teilte mit, „voll überzeugt“ von Musk zu sein. Die Anleger konnte er damit nicht überzeugen. Die Aktie fiel zu Börsenstart um elf Prozent. Laut einem Bericht des Senders CNBC soll Musk einen Vergleich mit der SEC abgelehnt haben. Er hätte eine Geldstrafe und einen zweijährigen Rückzug als Vorstand vorgesehen.

Bei der US-Börsenaufsicht ist Musk schon länger kein Unbekannter mehr. Schon vor dem umstrittenen Tweet, der weltweit für Aufregung sorgte, untersuchten Ermittler, ob der Unternehmer mit seinen Produktions- und Absatzprognosen die Investoren in die Irre geführt habe. Einige seiner Aussagen sind nämlich im Rückblick weit entfernt von den Tatsachen: Im Mai 2016 sagte er etwa, dass Tesla in der zweiten Jahreshälfte 2017 100.000 bis 200.000 Tesla Model 3 herstellen werde. De facto wurden es nicht einmal 3000.

Neben der Börsenaufsicht hat Musk, der auch der von ihm gegründeten Weltraumfirma SpaceX vorsteht, auch die US-Staatsanwaltschaft am Hals. Sie hat vor gut einer Woche Ermittlungen wegen Betrugs gegen ihn eingeleitet.

 

Zurück zur Nischenfirma

Was würde Musks Rückzug für Tesla bedeuten? Laut Experten nichts Gutes. Karl Brauer, Chef der US-Autoanalysefirma Kelley Blue Book, sagt: „Elon ist Tesla und Tesla ist Elon, und das ist super, wenn Elon gewinnt, aber nicht so sehr, wenn es negative Dinge im Zusammenhang mit ihm gibt.“

Die Investmentbank Barclays schätzt, dass Tesla die Hälfte seines Börsenwerts einbüßen könnte, falls es der SEC gelingt, Musk vom Vorstandssessel zu verbannen. Die Investoren würden Tesla dann wieder den Wert eines Nischen-Autobauers beimessen. Aktuell ist die Aktie 274 US-Dollar wert. (bin/ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.09.2018)