Zahl der Ebola-Erkrankten im Kongo steigt weiter an

In der Demokratischen Republik Kongo gibt es immer mehr Ebola-Erkrankungen.
In der Demokratischen Republik Kongo gibt es immer mehr Ebola-Erkrankungen.APA/AFP/JOHN WESSELS

"Wir haben es jetzt zunehmend mit Patienten zu tun, bei denen wir die Herkunft der Ebola-Infektion nicht sofort abklären können", sagt Patricia Newport, Notfallkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen im Kongo.

In der Demokratischen Republik Kongo gibt es immer mehr Ebola-Erkrankungen. Im Osten des Landes - in den Regionen Ituri und Nord-Kivu - könnte die Situation gerade außer Kontrolle geraten. "Wir sehen immer mehr Fälle, bei denen Kontakt zu anderen Erkrankten nicht bekannt ist", sagte Patricia "Tricia" Newport, Notfallkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen im Kongo.

"Wir hatten bisher 329 Erkrankungsfälle, von denen 294 labormäßig bestätigt worden sind. Es gab 201 Todesfälle. Was mich beunruhigt, das ist das Faktum, dass wir nicht mehr nur Patienten sehen, bei denen wir sofort einen vorherigen Kontakt mit einem Erkrankten erkennen können. Wenn da jemand hereinkommt, dann suchen wir nach den Kontaktpersonen, identifizieren sie und ergreifen Hygiene- und Isolierungsmaßnahmen. Wir haben es jetzt zunehmend mit Patienten zu tun, bei denen wir die Herkunft der Ebola-Infektion nicht sofort abklären können", schilderte die Notfallkoordinatorin für die im Nordosten des afrikanischen Staates gelegenen Städte Bunia (Provinz Ituri) und Butembo (Provinz Nord-Kivu). Sie ist ausgebildete Krankenschwester und stammt aus Kanada.

"Immer wieder Angriffe bewaffneter Gruppen"

Seuchen-Ausbrüche treffen weltweit immer die Ärmsten der Ärmsten. In der Demokratischen Republik Kongo sind das derzeit die Grenzregionen im äußersten Osten des Landes mit Ruanda, Uganda und Burundi als Nachbarstaaten. "In der Region gibt es immer wieder Angriffe bewaffneter Gruppen. Einer erfolgte im September, ein anderer im Oktober - und jeweils danach stiegen die Ebola-Erkrankungszahlen", sagte Tricia Newport.

Als Beleg für die derzeit höchst problematische Situation rund um das hoch ansteckende hämorrhagische Fieber im Kongo nannte sie folgende Zahl: "Es gibt derzeit rund 4500 Menschen, die als Kontaktpersonen zu Ebola-Erkrankten nachverfolgt werden müssen. Das Gesundheitsministerium strengt sich sehr an. Aber die Aufgabe ist enorm. Das wichtigste für uns ist es, zu den Betroffenen und ihrer Umgebung ein Vertrauensverhältnis aufzubauen." Gerade in Weltregionen, die - so wie der Kongo - von bewaffneten Konflikten zwischen Milizen, Warlords oder gar regulären Truppen heimgesucht werden, ist das extrem schwierig.

Warum der erneute Ausbruch von Ebola derzeit international für keine Schlagzeilen sorgt - ganz anders als 2014/2015 jener in Westafrika mit 28.000 Erkrankten und 11.000 Toten - könnte auf einem schlichten Aufmerksamkeitsfaktor liegen. Bisher wurden noch keine erkrankten Helfer aus den westlichen Industriestaaten registriert und womöglich unter maximalen und auffälligen Sicherheitsmaßnahmen nach Europa oder Nordamerika transferiert.

"20.0000 direkte Kontaktpersonen zu Kranken geimpft"

Doch es gibt Anzeichen für eine Verbesserung der Situation rund um das Ebola-Fieber. "Mittlerweile konnten mehr als 20.0000 Menschen als direkte Kontaktpersonen zu Erkrankten geimpft werden. Wir haben auch mehrere experimentelle Medikamente zur Behandlung zur Verfügung. Immerhin haben wir 98 Erkrankte heilen können", sagte Tricia Newport. Immunisiert wurden laut internationalen Zahlen bereits etwa 28.000 Personen.

Trotzdem hat sich Ebola im Kongo bisher zum bereits drittgrößten Ausbruch entwickelt. Mit durchschnittlich fast vier neuen und bestätigten Fällen pro Tag hat sich in der jüngsten Vergangenheit die Ausbreitung beschleunigt. Die betroffenen Regionen sind dicht besiedelt. Ärzte ohne Grenzen hat dort rund hundert Helfer im Einsatz.

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