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Firmen finden keine Fahrer: "Situation bei Zustellern angespannt"

Symbolbild: Eine Sortieranlage in Frankreich
Symbolbild: Eine Sortieranlage in FrankreichREUTERS
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Das Weihnachtsgeschäft bringt die Sortieranlagen der deutschen Zustelldienste an ihre Grenzen. Außerdem haben sie es schwer, in der aktuellen Arbeitsmarktsituation Fahrer zu finden, sagt ein Logistik-Experte.

Die Weihnachtszeit steht vor der Tür, und wie jedes Jahr erwarten die Paketzusteller in Deutschland und Österreich eine noch größere Menge von Paketen. "Die Situation bei den Zustellern ist angespannt", sagt der Logistik-Experte und Partner bei der Unternehmensberatung McKinsey, Florian Neuhaus, der Nachrichtenagentur AFP.

"In den Tagen vor Weihnachten ist das Paketvolumen doppelt so hoch wie an normalen Tagen." Das bringe die Sortieranlagen an ihre Grenzen. Außerdem hätten es die Paketdienste in Deutschland in der aktuellen Arbeitsmarktsituation schwer, Fahrer zu finden.

Gleichzeitig verstopfen die Zustellautos die Städte und tragen mit ihren Abgasen zur schlechten Luft bei. Deshalb müssten dringend Lösungen her, denn ein Ende des Onlineshopping-Booms ist nicht abzusehen. Das Dilemma der Logistikbranche: "Verbraucher erwarten überwiegend weiterhin eine Zustellung an der Haustür", sagt Neuhaus.

Die "letzte Meile" als Problem

Mögliche Lösungen gibt es viele: Packstationen, Drohnen, eine stärkere Zusammenarbeit der Paketdienstleister auf der letzten Meile vom Paketzentrum zum Empfänger. Doch keine davon wird sich von allein durchsetzen, glaubt Neuhaus.

Packstationen etwa sind vergleichsweise teuer, weil die Pakete relativ lange liegen, bis die Verbraucher sie abholen. Solange können die Paketdienste den Platz nicht nutzen, was Kosten verursacht. Außerdem ist laut Neuhaus vielen Verbrauchern der Weg zur Packstation zu weit.

Die Bereitschaft zur Selbstabholung heben könnten höhere Preise für die Haustürzustellung. Beim harten Wettbewerb in der Branche halten viele Experten das aber nicht für realistisch.

Aus dem gleichen Grund hält Neuhaus auch eine gemeinsame Zustellung auf der letzten Meile für unrealistisch. "Die großen Dienstleister mit einem dichten Zustellernetz haben in der Regel kein Interesse daran, weil sie dadurch ihren Kostenvorteil verlieren würden", sagt der Logistik-Berater.

Drohnen noch nicht ausgereift

Selbstfliegende Drohnen, mit denen etwa Amazon und DHL experimentieren, seien derzeit noch zu groß und könnten nur relativ leichte Pakete transportieren. In den Städten fehle außerdem der Platz zum Landen - und viele Bürger würden sich unsicher fühlen, wenn die ganze Zeit Drohnen um sie schwirren. Deshalb sieht Neuhaus ihr Einsatzgebiet eher in ländlichen Gebieten.

In der Innenstadt könnten sich stattdessen kleine Roboter durchsetzen, die Einkäufe auf dem Gehweg transportieren. Das hat etwa der Elektronikhändler Saturn bereits getestet. Allerdings sind die Bürgersteige noch nicht auf die Roboter ausgerichtet, und die aktuellen Modelle sind ziemlich langsam. Autonome Fahrzeuge auf der Straße könnten zwar das Fahrerproblem lösen, aber nicht die Staus. Sowohl Drohnen als auch Roboter und autonome Fahrzeuge sind laut Neuhaus für den Masseneinsatz derzeit noch nicht ausgereift.

So führt nach Einsicht vieler Experten der Weg an einer gesetzlichen Lösung nicht vorbei. Das liefe dann entweder auf eine Stärkung der Packstationen hinaus, oder auf eine gemeinsame Zustellung. Oder der Markt regelt die Engpässe auf seine Weise: "In den USA setzen die Paketdienste vor Weihnachten für Unternehmenssendungen die Preise hoch oder beschränken die Kapazitäten", sagt Neuhaus. Ob die Unternehmen die gestiegenen Kosten dann den Verbrauchern aufbürden, bleibt ihnen überlassen.

(APA/AFP)