Slalom abgesagt - aber für Marcel Hirscher ist es surreal

Marcel Hirscher feiert den 60. Weltcup-Sieg
Marcel Hirscher feiert den 60. Weltcup-SiegAFP (JEFF PACHOUD)

Marcel Hirscher muss noch ein wenig warten auf seinen 61. Weltcupssieg, denn der für heute geplante Slalom in Val d'Isere musste abgesagt werden.

Der alpine Weltcup-Slalom der Herren ist am Sonntagvormittag kurz vor dem geplanten Start um 9.30 Uhr abgesagt worden. Zu "starker Wind" in den französischen Alpen machte ein Rennen unmöglich, wie der Internationale Skiverband (FIS) mitteilte. FIS-Renndirektor Markus Waldner hofft, dass man diesen Slalom in der zweiten Jänner-Woche in Frankreich nachtragen kann.

"Leider haben wir absagen müssen", bedauerte Waldner die Absage in einem ORF-Interview. "Wir haben alles unternommen, auch den Originalstart heruntergesetzt. Doch im oberen Streckenteil hatten wir noch immer Windböen von 100 km/h plus", berichtete der Südtiroler, dass sogar der Sessellift-Betrieb eingestellt werden musste, und bezeichnete die Bedingungen als "sehr gefährlich". "Die Sicherheit der Läufer hat oberste Priorität. Auch wäre kein faires Rennen möglich gewesen", betonte Waldner.

Die FIS möchte das Rennen unbedingt nachtragen, "damit die Slalom-Asse auf ihre Kosten kommen", so Waldner. "Der Kalender ist dicht gepackt und voll, aber wir hätten ein kleines Loch zwischen Zagreb und Adelboden", erklärte der 55-Jährige mit Blick auf die zweite Jänner-Woche. In Kroatien findet am 6. Jänner ein Slalom statt, am darauffolgenden Wochenende (12./13. Jänner) werden in der Schweiz ein Riesentorlauf und Slalom gefahren.

"In erster Linie wollen wir mit den Franzosen reden. Wenn sie es möchten, und wir finden ein ideales Datum, dann kommen wir noch einmal nach Frankreich", sagte Waldner.

Vor dem Herren-Slalom hatten in Val d'Isere wegen Schneemangels bereits die für das kommende Wochenende vorgesehenen Speed-Rennen der Damen, eine Abfahrt und ein Super-G, abgesagt werden müssen. Diese sollen nun am 18./19. Dezember in Gröden ausgetragen werden. Das einzige Rennen heuer in Val d'Isere bleibt somit der Riesentorlauf am Samstag, den Olympiasieger Marcel Hirscher gewann. Es war der bereits 60. Weltcup-Sieg für den 29-jährigen Salzburger.

 

"Marcel hat die Vater-Power"

Hirscher bezeichnete  dies als surreal. "Das ist unbeschreibbar", sagte der 29-jährige Salzburger nach dem  im Riesentorlauf in Val d'Isere. "Marcel hat vielleicht auch die Vater-Power", stellte Dauerrivale Henrik Kristoffersen schmunzelnd fest, dass der Salzburger mit dem Kind eher noch schneller geworden ist.

Hirscher nahm sich in Val d'Isere kurz Zeit, über seine Karriere nachzudenken. 2009 gewann er in Hochsavoyen sein erstes Rennen. "Nie wirklich krank, nie verletzt, nie ausgefallen. Ich habe jedes Rennen fahren können, das ich wollte. Das ist, glaube ich, schon richtig viel Grund zum Danke sagen." Die Vorhersage einer Weltcupsieg-Anzahl in dieser Höhe hätte er zum Beginn seiner Karriere als "völlig narrisch und verrückt" abgetan. "Das wäre ein Wahnsinn, wenn man von so etwas ausgehen könnte."

ÖSV-Rennsportleiter Andreas Puelacher verneigte sich. "Marcel ist einfach das Maß der Dinge im Riesentorlauf. Vor allem, wenn die Bedingungen so sind, wenn es richtig schwer und anspruchsvoll ist, dann ist Marcel zur Zeit wahrscheinlich kaum zu schlagen." Die Erwartungshaltung von Hirscher zu Saisonbeginn war wegen seiner veränderten Familienverhältnisse gering. Trotzdem fährt er der Konkurrenz wieder um die Ohren. "Er ist ein Profi. Wenn Marcel am Start steht, wird er zum Renntiger. Holt alles raus, was zum Rausholen ist. In der Form ist er ganz, ganz schwer zu schlagen", meinte Puelacher.

Das Schöne sei, dass er mittlerweile nicht mehr groß herumrechne, sondern einfach richtig angreife, sagte Hirscher über seinen deutlichen Sieg vor seinem norwegischen Dauerrivalen Kristoffersen. Die aktuelle Lockerheit komme daher, dass es gut laufe. "Da gibt es keinen Grund zum Nervöswerden. Aber Skifahren ist sicher nicht mehr das Wichtigste. Ich habe alles erreichen dürfen, was ich mir jemals erträumt habe in dem Sport. Alles was dazukommt, ist wahnsinnig klass. Aber wenn es mal nicht mehr so sein sollte, dann kann man es auch nicht ändern. Der Wille ist da, aber nicht mehr der Zwang."

 

"Henrik ist brutal dabei"

Hirscher rechnet damit, dass Kristoffersen im Laufe der Saison noch ein schwierig zu schlagender Gegner werden wird. "Henrik ist brutal bei der ganzen Geschichte dabei. Ihm gehört sicher die Zukunft. Er ist ein begnadeter Skifahrer, das ist nur eine Frage der Zeit." Der Norweger war nach Fehlern im ersten Durchgang zufrieden mit Endrang zwei. "Nach dem ersten Lauf war es mit dem Sieg vorbei. Heute war Marcel besser, er ist im Moment der beste Skifahrer der Welt." Er frage sich, ob der Zuschauer daheim wirklich wisse, wie stark Marcel sei. "Es ist ganz unglaublich. Ich probiere alles, das ich kann."

 

 

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