Missbrauch: Diözese in Texas veröffentlicht Namen von Priestern

Diözesen in Texas veröffentlichen Details jener, denen Missbrauch und sexuelle Angriffe vorgeworfen wird. Es sind Hunderte Männer, die Fälle reichen weit zurück.

Wien/Austin. Stephen R. Horn ist ein Beispiel von vielen. Als Seelsorger war der katholische Geistliche in mehreren Gemeinden in Texas tätig, etwa in der Kirche Christ the King in Houston. Hier soll Horn ab Ende der 1980er Jahre begonnen haben, Minderjährige sexuell zu belästigen – und zwar über einen längeren Zeitraum hinweg. Bis die Vorwürfe bekannt wurden, sollten aber noch Jahre vergehen. Horn wurde 2008 seines Amtes enthoben – und seinen Namen können nun alle im Internet nachforschen.

Die Diözesen in Texas haben nämlich beschlossen, die Namen aller Geistlicher öffentlich zu machen, denen Missbrauch vorgeworfen wird. Bislang betrifft das 286 Personen, die Fälle gehen bis in die 1940er Jahre zurück. „Ich glaube“, schreibt der Bischof von El Paso, Mark Seitz, in einem offenen Brief, „dass diese schwierige öffentliche Anerkennung der Schmerzen, die die Opfer erdulden mussten, zur Heilung beitragen wird.“ Gleichzeitig wolle Seitz jene Opfer ermutigen, die bislang geschwiegen haben, ihr Martyrium zu teilen: „Sie sind nicht schuldig für etwas, was ihnen angetan wurde.“ Die Diözese El Paso veröffentlichte die Namen 30 Geistlicher, von denen ein Teil bereits verstorben oder des Amtes enthoben wurde.

Bericht aus Pennsylvania

Texas gilt als katholische Hochburg in den USA, an die 30 Prozent der Bevölkerung – das sind mehr als 8,5 Millionen Menschen – bekennen sich zu dem Glauben. Etwa ein Dutzend Diözesen im Bundesstaat nahmen an der Veröffentlichung der Namen teil, wobei die Mehrheit der betroffenen Geistlichen bereits verstorben ist. Ob die Behörden in den anderen Fällen bereits mit den Ermittlungen begonnen haben, steht derweil noch nicht fest. Texas ist in jedem Fall nicht der erste und einzige Bundesstaat, der sich mit derart massiven Vorwürfen beschäftigen muss: Vergangenen August legte die Justiz in Pennsylvania der Grand Jury einen erschütternden, 884 Seiten dicken Bericht vor. Demnach haben Geistliche nicht nur minderjährige Mädchen und Buben schwerst missbraucht, sondern sich auch gegenseitig unterstützt, um die Angriffe zu vertuschen. Der Bericht in Pennsylvania hat dazu geführt, dass auch Diözesen in anderen Bundesstaaten mit der Aufarbeitung begonnen haben.

In Texas kam es im November im Erzbistum Galveston-Houston zu einer Razzia, nach vier Geistlichen wurde gefahndet. „Wir sind bereit, mit den Ermittlern zu kooperieren“, sagte Erzbischof Daniel DiNardo anschließend. Angeblich wurde auch sein Computer beschlagnahmt. (duö)
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2019)