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Schiele unter dem Hammer

Das Gemälde „Triestiner Fischerboot“ von Egon Schiele wird am 26. Februar bei Sotheby’s in London versteigert und soll sechs bis acht Millionen Pfund bringen.
Das Gemälde „Triestiner Fischerboot“ von Egon Schiele wird am 26. Februar bei Sotheby’s in London versteigert und soll sechs bis acht Millionen Pfund bringen.Sotheby’s

Eines der wenigen Gemälde von Egon Schiele kommt im Februar bei Sotheby's in London zum Aufruf.

Ein Werk von Egon Schiele kommt am 26.Februar bei Sotheby's in London im Rahmen der Auktion für impressionistische und moderne Kunst unter den Hammer. Das Bild „Triestiner Fischerboot“ von 1912 wird erstmals auf dem Auktionsmarkt angeboten, ist also marktfrisch. Der Schätzpreis liegt bei sechs bis acht Millionen Pfund, rund 6,9 bis 9,2 Millionen Euro. Expertin Helena Newman bezeichnet es als „auffallend modernes Bild“.

Laut Expertin steht deutsche und österreichische Kunst wieder stärker im Rampenlicht, wobei sich Sammler allen voran für starke expressionistische Arbeiten interessieren. Das zeigt sich auch in den jüngsten Auktionsergebnissen. So erzielte etwa in der Novemberauktion für Impressionismus und Moderne in New York das Porträt „Joseph de Montesquiou-Fezensac“ von Oskar Kokoschka, welches das Moderna Museet in Stockholm kurz davor an die Erben des jüdischen Kunsthändlers Alfred Flechtheim restituiert hatte, mit 20,4 Millionen Dollar inklusive Taxen einen neuen Rekordpreis für den Künstler. In derselben Auktion wurde auch „Dämmernde Stadt (Die kleine Stadt II)“ von Egon Schiele deutlich über dem Schätzpreis für 24,6 Millionen Dollar versteigert. Das Bild stammte aus einer steirischen Familiensammlung, die sich jedoch zu einer privaten Restitution entschloss. Im Juni wiederum erzielte die colorierte Zeichnung „Knieendes Mädchen, sich den Rock über den Kopf ziehend“ bei Christie's 1,6 Millionen Pfund und damit mehr als den doppelten Schätzpreis. Und auch ein „Stehender Rückenakt“ von Schiele aus 1910 ging mit einem Zuschlag von drei Millionen Dollar im Vorjahr bei Christie's in New York deutlich über die obere Schätzung von einer Million Dollar.

Von Schiele gibt es sehr wenige Gemälde und die wirklich guten Werke sind in Museen. Wichtige Werke kommen also fast nur aufgrund von Restitutionen auf den Markt. Seit 1998 werden die Bestände der öffentlichen Museen und Sammlungen durchforstet, um während des NS-Regimes enteignete Kunst ihren rechtmäßigen Besitzern oder den Erben zurückzugeben. Für Werke, die sich im Privatbesitz befinden, gibt es keine Regelung im Kunstrückgabegesetz. Dennoch entscheiden sich immer wieder Sammler, die im Besitz eines solchen Werkes sind, für eine Restitution. Der erste diesbezügliche Fall war „Kirche in Cassone“ von Gustav Klimt im Jahr 2010. In den meisten Fällen werden restituierte Kunstwerke verkauft und sorgen bei internationalen Auktionen immer wieder für Aufsehen. Zu den spektakulärsten Rückgaben gehörten die fünf von der Galerie im Belvedere restituierten Klimt-Gemälde an die Erben von Ferdinand Bloch-Bauer im Jahr 2006. Die Veräußerung wickelte Konkurrent Christie's ab. Restitutionen sind für den Kunstmarkt von großer Bedeutung, da Spitzenwerke auf den Markt kommen, die für Neubewertungen der Künstler sorgen. Ohne der bekannten Restitutionsfälle wären die Preise für Klimt und Schiele möglicherweise nicht auf das aktuelle Niveau geklettert.

Das im Februar zum Aufruf gelangende Gemälde von Schiele ist allerdings kein Rückgabefall. Der erste Besitzer der Arbeit sei Heinrich Böhler gewesen, sagt das Auktionshaus.

Monet-Meisterwerk. Das Toplos der Auktion für Impressionismus und Moderne im Februar in London ist allerdings eine Ansicht des Dogenpalasts in Venedig von Claude Monet, wofür sich die Experten 30 Millionen Pfund erwarten. Das Bild entstand 1908 während eines dreimonatigen Aufenthaltes des Künstlers. Monet war übrigens nur ein einziges Mal in Venedig. Er war von der Schönheit der Stadt so überwältigt, dass er seine Umgebung als „zu schön, um sie malen zu können“ beurteilte. Letztlich konnte er doch nicht widerstehen und vollendete knapp 40 Bilder während seines Aufenthaltes. Drei dieser Gemälde entstanden von einem Boot aus, das vis-à-vis des Dogenpalastes ankerte. Eines der insgesamt drei Werke des Dogenpalasts befindet sich heute im Brooklyn Museum. Das zur Auktion gelangende Werk „Le Palais Ducal“ war zuletzt in der Ausstellung „Monet and Architecture“ in der National Gallery in London zu sehen, wo auch die Version aus dem Brooklyn Museum als Leihgabe hing.

Das Werk kommt zudem mit einer hervorragenden Provenienz. Es stammt aus dem Besitz der umfangreichen Kunstsammlung des Berliner Industriellen Erich Goeritz, in dessen Familie sich das Bild seit 1925 befand. Goeritz war ein wichtiger Sammler des Impressionismus und der Moderne und besaß Meisterwerke wie Edouard Manets „Un bar aux Folies Bergère“, das sich jetzt im Londoner Courtauld Institute of Art befindet. Er schenkte auch zahlreiche Werke seiner Sammlung dem Tel Aviv Museum of Art anlässlich der Gründung im Jahr 1933 sowie dem British Museum und der Tate. „Le Palais Ducal“ ist hingegen bis jetzt im Besitz der Familie geblieben und von Generation zu Generation weitergereicht worden. Jetzt wurde es von der Familie bei Sotheby's eingebracht. Laut Kunstinformationsplattform Artnet wurde es von einem Käufer bereits garantiert.

Zu den weiteren Höhepunkten zählen „Mädchen auf dem Diwan“ von Ernst Ludwig Kirchner, das 2,8 bis 3,8 Millionen Pfund bringen soll, Rene Magrittes „L'etoile Du Matin“ aus dem Jahr 1938, das mit einer Taxe von 3,5 bis 4,5 Millionen Pfund aufgerufen wird, und Marc Chagalls „Vase De Roses“ von 1929 mit 1,5 bis zwei Millionen Pfund.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2019)