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Die Reise des Lehrlings Ali Wajid

Die Mönche eines Benediktinerklosters in Nairobi haben Ali Wajid (2. v. r.) aufgenommen, Flüchtlingspfarrer Alois Dürlinger (r.) hat ihn bei seiner Reise begleitet.
Die Mönche eines Benediktinerklosters in Nairobi haben Ali Wajid (2. v. r.) aufgenommen, Flüchtlingspfarrer Alois Dürlinger (r.) hat ihn bei seiner Reise begleitet.EDS
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Der pakistanische Lehrling Ali Wajid sollte aus Salzburg abgeschoben werden, dem kam er zuvor und reiste mit einem Pfarrer nach Kenia. Seine Sehnsucht gilt Österreich.

Salzburg. Ali Wajid hat eine Atempause. Jener pakistanische Flüchtling mit rechtskräftigem negativen Asylbescheid, der die vergangenen sieben Monate im Kloster St. Peter in Salzburg unter dem Schutz der Kirche verbrachte, befindet sich seit Donnerstag in einem Kloster in Nairobi. Drei Monate kann er nun als Tourist in dem ostafrikanischen Land bleiben und nach Alternativen zu einer Abschiebung in seine Heimat suchen.

Gemeinsam mit Dechant Alois Dürlinger, dem Sprecher des Salzburger Erzbischofs in Flüchtlingsangelegenheiten, ist er am Abend des 31. Jänner in ein Flugzeug nach Kenia gestiegen. Damit kam der junge Mann, der vor dem negativen Asylbescheid in Salzburg als Kochlehrling gearbeitet hatte, seiner unmittelbar bevorstehenden Abschiebung zuvor. „Es wühlt mich sehr auf, wenn ich sehe, dass Kenia seine Türen für einen Menschen öffnet, der in Österreich offenbar keinen Platz hat“, sagte Dürlinger am Mittwoch unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Salzburg bei einem Pressegespräch: „In Österreich ist die Zahl der Asylsuchenden überschaubar, in Kenia findet Ali Wajid Aufnahme.“

 

Benediktinerkloster in Nairobi

Der junge Mann befindet sich derzeit mitten in der Hauptstadt Nairobi in einem Benediktinerkloster. Der Kontakt dazu ist über eine Salzburgerin entstanden, die sich seit Langem für ein Projekt für Straßenkinder in Nairobi engagiert. Bleiben kann Wajid in dem afrikanischen Land freilich nicht.

Das wolle er auch nicht, berichtete Dürlinger. Sein größter Wunsch sei, in Österreich zu leben, eine Ausbildung zu machen, eine Arbeit zu finden. „Er sagt Zuhause, obwohl ihn Österreich weggeschickt hat“, berichtete Dürlinger. Nach Pakistan könne der Lehrling nicht zurück. Nicht nur, weil er aus seiner Heimat geflohen ist. Wajid habe durch seinen Aufenthalt in einem katholischen Kloster „den Geruch eines Christen“. Auch wenn der junge Mann weiterhin bekennender Muslim ist, befinde er sich in seiner Heimat in Todesgefahr.

 

Dreimonatiges Zeitfenster

Gemeinsam mit seinen Unterstützern rund um den Salzburger Aktivisten Bernhard Jenny soll das dreimonatige Zeitfenster nun dafür genützt werden, um für Wajid eine legale Wiedereinreise nach Österreich zu ermöglichen. „Es wird versucht, über die Mangelberufsliste einen Aufenthaltstitel zu erwirken“, berichtete Dürlinger: „Ob es funktioniert, wissen wir nicht.“ Psychisch gehe es seinem Schützling trotz der Unsicherheit über seine Zukunft relativ gut. „Er steht auf festen Beinen“, sagte der Pfarrer, der während der wenigen gemeinsamen Tage in Nairobi viel mit dem Flüchtling gesprochen hat: „Er kann über seine Situation offen reden. Das ist ein gutes Zeichen.“ In seiner Zeit in Nairobi werde Wajid für das Straßenkinder-Projekt arbeiten. Die Not, die in den Slums der Hauptstadt des ostafrikanischen Landes herrsche, sei unbeschreiblich.

Für Dürlinger ist Wajid ein „Paradebeispiel für Integrationsbereitschaft“. Er habe gute Deutschkenntnisse und wolle sich eine Existenz aufbauen. „Er will dem Land, das ihn aufgenommen hat, etwas zurückgeben.“

Das Schicksal von Wajid stehe für viele Menschen, die aus Österreich abgeschoben werden sollen, meinte Dürlinger. „Menschen wandern, seit es Menschen gibt. Migration ist ein Menschenrecht.“ Man könne über Menschenrechte reden und nachdenken, aber: „Die grundlegenden Menschenrechte müssen uns heilig sein.“ Dürlinger forderte, hier Vernunft einkehren zu lassen: Die Zahl der jetzt in Österreich befindlichen Flüchtlinge sei verschwindend gering. Ein wohlhabendes Land wie Österreich müsse Platz für Menschen in Not haben.

AUF EINEN BLICK

Abschiebung. Der Koch-/Kellnerlehrling Ali Wajid hat im Mai 2018 einen negativen Asylbescheid in zweiter Instanz erhalten. Um seine Abschiebung zu verhindern, gewährte die Erzdiözese Salzburg dem jungen Pakistani sogenanntes Kirchenasyl. Wajid war sieben Monate im Stift St. Peter untergebracht, am 1. Februar lief die Frist zur freiwilligen Ausreise ab. Wenige Tage zuvor war Wajid bei einem Routine-Meldetermin in Schubhaft genommen und nach Wien gebracht worden. Am 31. Jänner reiste er mit einem Touristenvisum nach Kenia. Nun soll das dreimonatige Zeitfenster genützt werden, um Wajid eine legale Wiedereinreise zu ermöglichen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2019)