Niederlande: „Diesel-Stinker“ auf der Überholspur

Gebrauchte Diesel-Pkw älterer Baujahre sind extrem begehrt.
Gebrauchte Diesel-Pkw älterer Baujahre sind extrem begehrt.imago/blickwinkel

Gebrauchte Diesel-Pkw älterer Baujahre sind extrem begehrt. Händler holen die „Youngtimer“ massenhaft aus Deutschland, wo ihnen Fahrverbote drohen.

Den Haag. In den Niederlanden herrscht seit einiger Zeit ein Boom der besonderen Art in der Automobilbranche: Immer mehr Menschen wollen ein altes, gebrauchtes, also meist billiges Dieselfahrzeug, ungeachtet der Anfeindungen, die wegen Feinstaubbelastung und Stickoxiden über diesen Antrieb hereingebrochen sind.

Für den Trend hat man sogar einen Namen erfunden: „Youngtimer“ – als Pendant zum Oldtimer. Darunter versteht man in Holland etwa zehn bis 15 Jahre alte Autos, zumeist aus der Luxusklasse. Und die holen sich die Holländer scharenweise aus Deutschland, wo sie nicht zuletzt wegen des „Dieselgate“-Skandals billigst zu haben sind. Dort wollen viele Autobesitzer ihre älteren Diesel der Euronorm 4 (oder auch schon 5a/b) und darunter abstoßen – unter anderem, weil möglicherweise in zahlreichen deutschen Städten Fahrverbote für solche Pkw drohen.

In den Niederlanden gibt es keine Diesel-Fahrverbote. Im Gegenteil: Während die „Dieselpanik“ speziell in Deutschland kuriose Blüten treibt, entdeckten die Niederländer ihre Liebe zum Selbstzünder sozusagen neu.

Besonders begehrt sind gebrauchte BMWs, Mercedes und Audis. So kostet beispielsweise ein hochwertiger BMW Diesel, Baujahr 2003 mit rund 120.000 Kilometern, auf dem Gebrauchtwagenmarkt in Holland weniger als 11.000 Euro. Ähnliches erzielt ein Mercedes Diesel, E-Klasse, 270 CDI, Baujahr 2003. Rund 1,6 Millionen Diesel-Youngtimer sind derzeit nach Angaben des nationalen Statistikamtes CBS auf niederländischen Straßen unterwegs.

 

Blühendes Business

Einer der Händler, der sich sogar ganz auf Youngtimer spezialisiert hat, ist Marco Hof. „Früher waren das schöne Autos für gewisse Autoliebhaber. Heute will sie jeder haben“, sagt er. „Wenn ich früher nach Deutschland fuhr, um Diesel-Youngtimer zu kaufen, habe ich mit Konkurrenten an einem Tisch sitzen und Schnitzel essen können. Wir waren nur eine Handvoll Importeure dafür in Holland. Heute sind wir etwa 300 bis 400.“

Besonders bei Unternehmen sind Diesel-Youngtimer Made in Germany sehr begehrt. Grund: Die niederländische Luxussteuer auf Pkw, die für Neuwagen extrem hoch sein kann, ist für Youngtimer sehr niedrig. Man spart also auch Steuern damit.

 

„Wir kaufen Deutschland leer“

Besonders beliebt sind bei den Niederländern übrigens richtig „dicke“ Wagen mit Dieselmotoren, also etwa Sechs- und Achtzylinder mit viel PS und Drehmoment. „Wer etwa einen Audi A8 Diesel, Baujahr 2003, kauft, zahlt monatlich nur 100 Euro Luxussteuer. Für einen nagelneuen A8 beträgt die Luxussteuer 1000 Euro im Monat“, erzählt Youngtimer-Händler Hof.

Auch daraus folgt: „Wir sind dabei, den deutschen Youngtimer-Markt leer zu kaufen.“ Es werde dort deswegen vielleicht schon in absehbarer Zeit keine alten „Stinker“ mehr geben. (htz.)