„Lego Movie 2“: Bubenlego gegen Mädchenlego? Nicht ganz!

THE LEGO MOVIE 2: THE SECOND PART
Es gibt Ärger in Legoland: „Everything's not awesome!“, werden die Minifiguren an einer Stelle singen.Warner Bros.

Kritik Machtkampf im Kinderzimmer: Die Macher vom zweiten „Lego Movie“ lockern ein verstaubtes Szenario mit hintergründigen Schmähs auf.

Kein Steinchen blieb auf dem anderen, als „The Lego Movie“ vor fünf Jahren seinen Siegeszug antrat. Vermutungen, das Publikum würde mit dem längsten und teuersten Werbefilm der Kinogeschichte konfrontiert, lösten sich in Luft auf, vor allem weil das freche Autoren- und Regieduo Christopher Miller und Phil Lord sich nicht bloß im Klötzchen-Kult erging, sondern eine hintergründige und famos animierte Satire fertigte, der schnell antikapitalistische Tendenzen nachgesagt wurden.
Die nun erscheinende Fortsetzung, zu der Miller und Lord nur mehr das Drehbuch beisteuerten, knüpft an das Original an: An dessen Ende wurde die Lego-Stadt Bricksburg von außerirdischen Invasoren angegriffen. Fünf Jahre später ist die ehemals blühende Baustein-Zivilisation in ein entfärbtes postapokalyptische Ödnis verwandelt, in der nur mehr Haupt-Minifigur und Zwangsoptimist Emmet (Chris Pratt) sein „Everything is awesome!“-Mantra singt.

Die Geschicke der animierten Lego-Welt werden auch diesmal von realen Menschen gelenkt: Ein Bub und seine jüngere Schwester (und Kommandantin der Duplo-Armee) kämpfen um die Vorherrschaft im Kinderzimmer. Die kleine Aggressorin schickt ein funkelndes Raumschiff und entführt mehrere handlungsrelevante Figuren, darunter den Astronauten Benny, Pirat Eisenbart und Emmets große Liebe Lucy (Elizabeth Banks), in ihre „Mädchenwelt“: Dort soll Batman, der jetzt einen weißen Glitzerumhang trägt, mit der Königin (fantastisch gesprochen von Tiffany Haddish) verheiratet werden. Emmet, der in der Eheschließung den Anfang vom Ende ausmacht, macht sich auf den Weg, um das Schlimmste zu verhindern.

Dass der Film nicht in diesem verstaubten Buben-gegen-Mädchenspielzeug-Szenario verharrt, dafür haben einerseits die Autoren gesorgt, andererseits ist vermutlich auch Lego selbst beteiligt. Der dänische Konzern steht seit Jahren in der Kritik für seine geschlechtsbasierten Produktlinien: Buben bauen Raumschiffe, Mädchen Prinzessinnenschlösser. Wo der systemkritische Unterboden sich im ersten Film noch vollinhaltlich mit der Haupthandlung verzahnte, gelingt das Regisseur Mike Mitchell („Trolls“) hier aber deutlich weniger elegant.

Unvermeidliche Ermüdungserscheinungen

Ein Grund dafür liegt im Drehbuch, das viele Schmähs des ersten Films einfach mit leichter Variation wiederholt und die hyperaktiven Figuren von einem Ort zum nächsten hetzen lässt, ohne ihnen dabei einen wirklich starken Gegenspieler zu geben. Mag sein, dass es nach vier Filmen in fünf Jahren – neben der Hauptreihe kamen noch „The Lego Batman Movie“ und „The Lego Ninjago Movie“ in die Kinos – unvermeidlich zu gewissen Ermüdungserscheinungen kommt: Den meisten anderen Hollywood-Animationsfilmen ist „The Lego Movie 2“ jedenfalls immer noch deutlich überlegen.

Spätestens wenn die Minifiguren in eine Schachtel verräumt werden und darin „Everything's NOT awesome!“ singen, weiß man, dass hier einige der hellsten und witzigsten Köpfe des aktuellen Animationskinos am Werk waren. Beim dritten Teil darf's dann aber gern wieder etwas origineller und anarchischer zugehen. Ansonsten werden die Lego-Filme selbst zum Baukastensystem.