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US-Investoren wollen raus aus Aktien

„Der Wirtschaftszyklus dreht sich“, sagt Edwin Conway, der bei Blackrock das globale Geschäft mit institutionellen Kunden leitet.
„Der Wirtschaftszyklus dreht sich“, sagt Edwin Conway, der bei Blackrock das globale Geschäft mit institutionellen Kunden leitet.(c) REUTERS (Lucas Jackson)
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Frei werdende Mittel werden in weniger regulierte Anlagen umgeschichtet.

Wien/New York. Hände weg von Aktien. So oder so ähnlich könnte man derzeit die Stimmung unter institutionellen Investoren zusammenfassen. Wie eine Umfrage des Vermögensverwalters Blackrock unter 230 Großanlegern (mit einem Vermögen von sieben Billionen Dollar) ergab, wollen 51 Prozent ihre Aktienpositionen herunterfahren. Im vergangenen Jahr lag der Anteil noch bei 35 Prozent, ein Jahr zuvor wollten sich überhaupt nur 29 Prozent von ihren Beständen trennen.

Nach einem zehnjährigen Bullenmarkt und der zunehmenden konjunkturellen wie geopolitischen Unsicherheit hat bei vielen Anlegern die Angst um sich gegriffen. „Der Wirtschaftszyklus dreht sich“, sagt Edwin Conway, der bei Blackrock das globale Geschäft mit institutionellen Kunden leitet.

Vor allem Großinvestoren aus den USA planen, sich aus dem Aktienmarkt zu verabschieden. 68 Prozent gaben an, ihre Mittel abziehen zu wollen. In Kontinentaleuropa ist der Pessimismus gegenüber dieser Assetklasse noch nicht so ausgeprägt. Dort wollen nur 27 Prozent der Investoren Aktien den Rücken kehren. Zukaufen wollen immerhin noch 18 Prozent, in den USA und Kanada sind es dagegen nur fünf Prozent. Zu tun hat dies möglicherweise mit den deutlich höheren Zinsen in den USA, die Aktien weniger attraktiv erscheinen lassen. Auch sind die US-Märkte deutlich höher bewertet.

 

Cash bleibt beliebt

Doch was machen die Investoren mit ihren frei werdenden Mitteln? Horten Sie ihr Geld? Global gesehen will rund ein Fünftel seine Cash-Bestände ausbauen, die Mehrheit tastet das Geld nicht an.

Große Umschichtungen gibt es vor allem in drei anderen Bereichen. So sind in diesem Jahr vor allem Immobilien, Private Equity und Sachwerte gefragt. „Wir betonen seit einiger Zeit das Potenzial alternativer Anlageklassen, wenn es darum geht, Renditen zu erhöhen und die Risikostreuung zu optimieren. Daher sind wir nicht überrascht, dass unsere Kunden zunehmend in illiquide Anlageklassen investieren – einschließlich der privaten Kreditmärkte“, so Conway. Diese gelten als weniger reglementiert und sind auch nicht so leicht überschaubar. So sagten 47 Prozent der Befragten, ihre Private-Equity-Bestände erhöhen zu wollen. Bereits im Vorjahr ortete die Unternehmensberatung EY zunehmendes Interesse von Finanzinvestoren, die strategischen Investoren Konkurrenz machen.

54 Prozent der globalen Investoren haben in diesem Jahr außerdem vor, im Bereich Sachanlagen aufzustocken, besonders in Europa ist dieser Trend ausgeprägt. Darunter versteht Blackrock in erster Linie Investments im Infrastruktur-Bereich. Seit einigen Jahren haben Versicherungen hier einen Fuß in der Tür, was wohl weiterhin so bleiben wird. Die Gesellschaften müssen ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber Kunden nachkommen (Lebensversicherungen), was angesichts niedriger Zinsen schwierig ist. Da kommt diese Art von Assetklasse gerade recht. Sie ist langfristig ausgerichtet und verspricht stabile Renditen. (nst)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2019)