Alternative Antriebe: Liquid Natural Gas mit neuer Chance

Revival einer alternativen Vorzeigetechnik, der der Durchbruch bislang vorenthalten geblieben ist: Volvo mit LNG-Antrieb.(c) Werk

Neben Elektro- und Hybridantrieb wird nun eine Antriebsart wiederbelebt, die schon fast in Vergessenheit geraten ist: Liquid Natural Gas, kurz LNG. Ihre vielen Vorteile liegen auf der Hand.

Praktisch alle großen Nutzfahrzeughersteller forschen fieberhaft an alternativen Antrieben. Neben Elektro- und Hybridantrieb wird nun eine Antriebsart wiederbelebt, die fast in Vergessenheit geraten ist: Liquid Natural Gas, kurz LNG oder auch als Flüssiggas bekannt, könnte ein Revival erfahren.

Schon in den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts gab es Pkw-Motoren die mit diesem Kraftstoff betrieben werden konnten. Er war umweltfreundlich, sparsam, aber die Technologie damals noch nicht wirklich ausgereift. Nun setzt Volvo Trucks verstärkt auf diese neue – alte – Treibstoffalternative. Derzeit sind sowohl der Volvo FH als auch der FM als LNG-Fahrzeuge verfügbar. Beide gibt es mit wahlweise 420 oder 460 PS. Die Reichweite der unverändert als Sattelzugmaschine oder Fahrgestell verfügbaren Lkw liegt bei bis zu 1000 Kilometern.

Der grüne Daumen darf ohne langes Nachdenken bei den dabei produzierten CO2-Emissionen nach oben zeigen. Sie liegen um immerhin 20Prozent unter den Werten vergleichbarer Dieselmodelle, bei Verwendung von Biogas werde sogar eine CO2-Reduktion von 100 Prozent erzielt.

Um das Thema Liquid Natural Gas auch in Österreich zu promoten, lud Volvo Trucks zu einem LNG-Event. Der als Demofahrzeug vor Ort bereitgehaltene Volvo FH mit 460 PS war auf einer kurzen Handlingstrecke sowohl bei Autobahntempo als auch im Stop-and-go-Verkehr auf der Bundesstraße im Einsatz. Jeder alternative Kraftstoff ist aber nur so gut wie seine Verfügbarkeit. „Der Markt an LNG-Lkw kann in Österreich nur dann langfristig wachsen, wenn Interessenten nicht nur über das Fahrzeugangebot, sondern auch über das Netz an LNG-Tankstellen informiert werden“, sagt Volvo-Trucks-Marketingleiterin Barbara Legenstein. Die RAG betreibt beispielsweise im Zentralraum Oberösterreich, in Ennshafen, eine LNG-Tankstelle, die für die Betankung von Volvo-LNG-Fahrzeugen verifiziert ist.

EU-weit gibt es allerdings nur rund hundert solche Tankstellen. Für Fuhrparkbetreiber im Nah- und Verteilerverkehr habe der Betrieb eigener LNG-Tankstellen durchaus Sinn. Wichtig wäre aber ein umfassenderer Ausbau des LNG-Tankstellennetzes. LNG wird durch Abkühlung von Erdgas auf bis zu minus 164 °C gewonnen. Das so aufbereitete Erdgas wird dadurch verflüssigt und weist nur etwa ein Sechshundertstel des Volumens von gasförmigem Erdgas auf. Das bietet vor allem für Transport und Lagerung große Vorteile.

LNG ist eine klare, geruchlose, nicht giftige und nicht korrosive Flüssigkeit. Dafür ist sie natürlich sehr kalt und erst entflammbar, wenn sie zu Erdgas verdampft ist. LNG wird mitunter mit flüssigem Propangas (LPG) verwechselt. LPG besteht hauptsächlich aus Butan sowie Propan und muss unter Hochdruck verflüssigt werden. Die Bestandteile von LPG sind zudem schwerer als Luft, das Gas verteilt sich nicht, wenn es austritt. LNG ist leichter als Luft, verteilt und verdünnt sich rasch beim Austritt. Neben Volvo plant auch Scania, in diesen Markt einzusteigen. Europäischer Vorreiter ist Iveco, der bis Ende 2017 bereits rund 800 derartige Lkw auf europäischen Straßen im Einsatz hatte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2019)