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Die Scala und die Saudis: Pereira unter Beschuss

Scala-Intendant Alexander Pereira.
Scala-Intendant Alexander Pereira.(c) REUTERS (ALESSANDRO GAROFALO)
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Intendant Alexander Pereira will den saudiarabischen Kulturminister in den Aufsichtsrat aufnehmen.

15 Millionen Euro ist der saudiarabische Kulturminister, Prinz Badr bin Farhan Al Saud, bereit, in den nächsten fünf Jahren in die Mailänder Scala zu investieren. Das verdankt sich sichtlich den intensiven Kontakten, die der 71-jährige Kulturmanager, ehemalige Salzburger-Festspiele- und jetzt Scala-Intendant Alexander Pereira zuletzt zu Saudiarabien gepflegt hat. Nun plant er auch, den saudischen Kulturminister in den Aufsichtsrat des Opernhauses aufzunehmen – was ihm heftige Kritik eingebracht hat: So hat die italienische Oppositionspartei Forza Italia beim Kulturministerium in Rom Protest eingelegt.

Pereiras kulturelle Beziehungspflege in Sachen Saudiarabien zeigte sich kürzlich etwa bei einer Pressekonferenz: Da kündigte er an, Verdis „La traviata“ in Riad aufführen zu wollen. Auch die Gründung eines Konservatoriums in Riad unter Aufsicht der Scala-Akademie wird laut der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ diskutiert. Es gehe dabei um die Bildung eines Kinderchors und eines Tänzerensembles, um Klavier- und um Geigenunterricht.

 

Das viele Geld lockt

Nicht nur aus der Politik kommt Kritik: Auch die Aufsichtsratsmitglieder äußerten sich skeptisch bis ablehnend gegenüber ihrem potenziellen künftigen Kollegen. „Kühn“ nannten einige von ihnen Pereiras Pläne und forderten diesen dazu auf, von seinem Vorhaben abzulassen. Statt ein Mitglied des saudischen Regimes in den Aufsichtsrat eines der wichtigsten europäischen Opernhäuser einzuladen, könnte Pereira, heißt es, auch auf den Einstieg der saudiarabischen Ölgesellschaft Saudi Aramco als Sponsor hoffen. Über das Thema wird der Aufsichtsrat am 18. März beraten.

„Derartige finanzielle Angebote bekommt man nicht jeden Tag“, rechtfertigte sich Pereira, der seit seinen Anfängen an der Scala 2014 schon beachtliche Sponsoren gewonnen hat. 2007 zählte das Budget der Scala noch 105 Millionen Euro, 2017 schon 126,5 Millionen Euro. Pereira versicherte auch, dass er über seine Pläne mit dem Mailänder Bürgermeister, Giuseppe Sala, Präsident der Scala, sowie mit Kulturminister Bonisoli gesprochen habe. Dennoch könnte der Streit Pereiras Karriere schaden: Pereira hofft auf eine Mandatsverlängerung nach Ende seiner fünfjährigen Amtszeit im Februar 2020. Mehrere Kandidaten haben ihre Kandidatur für die Nachfolge Pereiras eingereicht. (sim)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2019)