Sport-Club: Die Gefahr geht mit

Schon mit ein paar Grundregeln kann man die Gefahr minimieren.
Schon mit ein paar Grundregeln kann man die Gefahr minimieren.APA/BARBARA GINDL

Der Blick schweift über das atemberaubende Bergpanorama, den tiefblauen Himmel und den glitzernden Schnee. Idyllischer, denke ich, könnte es kaum sein.

Plötzlich werde ich durch einen lauten Donner aus den Gedanken gerissen und sehe im Augenwinkel eine Menge nassen Schnees den weit entfernten Hang hinunterrutschen. Es mag nur eine kleine Lawine gewesen sein. Sie hat aber das, was ich tags zuvor in der Theorie gelernt habe, eindrucksvoll bewiesen: Die Gefahr geht beim Skitourengehen mit.

Das ist mir zwar bekannt, aber vor meinem mehrtägigen Skitouren-Basecamp im Gesäuse in der Steiermark nicht in dem Ausmaß bewusst gewesen. Schon mit ein paar Grundregeln kann man die Gefahr minimieren. Das setzt eine gute Planung voraus. Ich habe als Tourenski-Fast-Anfänger gelernt, Karten zu lesen und Höhenlinien zu interpretieren, habe Lawinenlageberichte studiert und gleich mehrere Bergwetterapps auf mein Handy geladen. Die „Stop or go“-Tabelle ließ uns der Bergführer auswendig lernen. Es wird zwischen fünf Lawinenstufen unterschieden – gering, mäßig, erheblich, groß und sehr groß. Andere Begriffe, das hat er eindringlich erläutert, sind verboten. Je höher die Lawinenstufe, desto weniger steile Hänge sollten begangen, befahren oder unterhalb passiert werden (siehe Grafik). Für Anfänger heißt es sowohl bei Lawinenstufe fünf als auch bei Stufe vier: lieber zu Hause bleiben.

Trotz guter Planung sollte man auch auf den Ernstfall vorbereitet sein. Viel Zeit bleibt nicht, jemanden aus einer Lawine zu holen. Die Kameraden sollten mit ihrer Ausrüstung vertraut sein. An der zwanzig Jahre alten Sonde sollte nicht noch immer das Preisschild hängen, und den Einschaltknopf des „Pieps“, des Lawinenverschüttetensuchgeräts (LVS), sollte man sofort finden. Im Idealfall übt man die Suche jährlich. Ich habe im Basecamp stundenlang gesucht, sondiert und geschaufelt.

Die gute Nachricht kommt zum Schluss: Es geht beim Skitourengehen nicht nur die Gefahr mit – sondern auch die Freude. Davon werde ich das nächste Mal erzählen. Die Kolumne wird idyllischer sein.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2019)