Rapid: Grün-weiße Perspektiven aus der Unterwelt

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Rapid startet die Mission Schadensbegrenzung. Was aber erwartet die Hütteldorfer in der ungeliebten Qualifikationsgruppe?

Wien. Zumindest auf dem Papier wartet zu Beginn gleich der Lieblingsgegner. Rapid, das nach dem Grunddurchgang der Bundesliga den blamablen Gang in das untere Play-off, die sogenannte Qualifikationsgruppe, antreten musste, eröffnet diese zweite Ligaphase am Samstag vor Heimpublikum gegen die Admira (17 Uhr, live, Sky).

Doch als wäre die restliche Saison ohne Duelle mit den Topklubs Salzburg, Lask und Sturm Graz, auch ohne Derby gegen die Austria (allesamt in der Meistergruppe) nicht bitter genug, ist keineswegs damit zu rechnen, dass Rapid durch die Qualifikationsrunde spaziert. Im Gegenteil. Durch die Punktehalbierung nach dem Grunddurchgang trennen den Rekordmeister gerade noch fünf Zähler vom Abstiegsplatz.

Die Admira käme da als Punktelieferant gerade recht. Die bisherigen Saisonduelle wurden gewonnen (3:0, 2:0), es waren zwei der mageren sieben grün-weißen Saisonsiege, gegen kein anderes Team ist die Ausbeute besser. Doch ausgerechnet der vermeintliche Lieblingsgegner hat im Frühjahr einen Erfolgslauf hingelegt und von vier Partien bei einem Remis drei gewonnen.

Rapid hat den Anspruch, alle zehn Spiele zu gewinnen. Die Hütteldorfer sind immer noch der Bundesligaklub mit dem zweithöchsten Kader-Marktwert. Auch die Chance auf den Europacup lebt. Der Sieger der Qualifikationsgruppe spielt in einem Play-off erst gegen den Fünften der Meistergruppe und im Erfolgsfall gegen den Vierten um einen Platz in der Europa-League-Qualifikation (je nachdem, wer am 1. Mai Cupsieger wird, kann auch der Zweite der Qualifikationsgruppe in dieses Play-off rutschen).

Doch selbst wenn Rapid gegen die Admira ein ordentlicher Auftakt gelingt, wird es in den verbleibenden neun Runden ungemütlich. Eine positive Ligabilanz gegen die Konkurrenten in der Qualifikationsgruppe hat man in dieser Saison sonst nur gegen Schlusslicht Innsbruck vorzuweisen (2:1, 1:0). Ein weiterer Sieg gelang lediglich gegen Mattersburg (1:0, 1:2), gegen Hartberg war nur ein Remis zu holen (0:3, 2:2) – und gegen Altach taten sich die Hütteldorfer abermals schwer (1:1, 2:2). Nun wird die Kühbauer-Truppe Woche für Woche gezwungen sein, das Spiel in die eigene Hand zu nehmen, dabei aber zahlreiche Abwehrriegel knacken müssen.

 

Fredy Bickel vor dem Aus

Dazu fehlte zuletzt die technische Qualität, vor allem aber die Kreativität. Spieler also, die den viel zitierten letzten Pass spielen können, und am Ende auch ein Torjäger, der mühsam erarbeitete Chancen verwertet. Rapids beste Torschützen sind Thomas Murg und Mario Sonnleitner (je vier Treffer), also ein Mittelfeldspieler und der Abwehrchef. Die Kaderplanung aber folgt erst, wenn feststeht, ob es Rapid noch in den Europacup schafft, der „Kronen Zeitung“ zufolge ist die Trennung von Sportdirektor Fredy Bickel zum Saisonende beschlossene Sache.

Die Qualifikationsgruppe wird also eine Mentalitätsfrage, Torspektakel sind keine zu erwarten, 1:0-Arbeitssiege werden mitunter das höchste der Gefühle sein. „Wir müssen Möglichkeiten finden, den Gegner im Sinne von Toren zu bestrafen“, erklärte Coach Kühbauer.

Zumindest ein Topduell ist den Hütteldorfern in dieser Saison aber noch garantiert. Am Mittwoch gastiert Rapid im Halbfinale des ÖFB-Cup beim Lask. Doch dort wartet auf dem Papier ein absoluter Angstgegner (1:2, 0:1). (joe)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.03.2019)