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Ein Licht am Ende des Standort-Tunnels

(c) REUTERS (LEONHARD FOEGER)
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Noch stagniert Österreich bei Bewertungen. Die jüngsten Maßnahmen zur Stärkung sollten aber bald Wirkung zeigen, so Berater Deloitte.

Wien. 2018 war wirtschaftlich für Österreich eines der besten Jahre seit Langem. Heuer dürfte der Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt bereits deutlich geringer ausfallen. Das führt naturgemäß dazu, dass die grundsätzliche Attraktivität des Wirtschaftsstandorts wieder stärker in den Fokus gerät. Einen Überblick darüber gibt das jährliche Standortradar der Unternehmensberatung Deloitte. In diesem werden die Ergebnisse der vier großen Untersuchungen zu dem Thema (WEF, IMD, Insead und UN) zusammengefasst und mit eigenen Erhebungen aufgefettet. Das am Donnerstag vorgestellte aktuelle Ergebnis ist für Österreich dabei ambivalent.

Einerseits stagniert Österreich im Standortvergleich auf verbesserungswürdigem Niveau. So liegt die Republik im globalen Vergleich „gerade noch in den Top 20“, sagt Deloitte Österreich-Chef Bernhard Gröhs. Im Europa-Vergleich schafft Österreich den elften Platz. Zwar kein schlechter Wert, aber es wäre definitiv mehr möglich, so Gröhs. „Denn vorn liegen vor allem Länder, die mit Österreich vergleichbar sind.“ So bilden die Schweiz, die Niederlande und Dänemark das Spitzentrio. Und mit Schweden, Finnland, Norwegen und Irland gibt es noch weitere vier Länder vor Österreich, die eigentlich ähnliche Voraussetzungen hätten.

 

Gold Plating geht zurück

Andererseits sieht Gröhs bei einigen Standortproblemen ein „Licht am Ende des Tunnels“. Konkret gemeint ist damit der Bereich Bürokratie und Regulierung, der in den vergangenen Jahren ein besonderer Schwachpunkt im heimischen Standortranking war. „Wir sehen in diesem Bereich hohe Aktivität und die Rücknahme von früherem Gold Plating. Das bringt schon etwas“, sagt Gröhs.

So bringe etwa die Zusammenlegung der SV-Träger den „Hoffnungsschimmer“, dass die Bürokratie für Unternehmen gesenkt werde. „Auch die Arbeitszeitflexibilisierung war ein heißes Thema, aber völlig richtig.“ Sie habe administrative Vereinfachungen gebracht, ohne dass es zur von mancher Seite befürchteten „Ausbeutung“ gekommen wäre.

Positiv bemerkbar machen würden sich auch sämtliche Maßnahmen rund um die Vereinfachung der Umweltverträglichkeitsprüfungen wie das Standortentwicklungsgesetz, sagt der Deloitte-Österreich-Chef. Wenn in diesem Bereich heuer die ersten Verfahren schnell beendet werden können, dann dürfte sich das in nächster Zukunft auch auf die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes auswirken.

 

Warten auf die Steuerreform

Anders sieht das vorerst noch bei dem zweiten großen Problembereich aus: den Standortkosten in Form von Steuern und Abgaben. Zwar habe es mit dem Familienbonus bereits eine kleine Maßnahme gegeben, der große Wurf blieb bislang aber noch aus. In den kommenden Wochen sollte sich konkretisieren, was die Regierung hinsichtlich der Steuerreform plant, weil Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) die heimischen Budgetzahlen nach Brüssel melden muss. Für Gröhs ist jedoch eindeutig, was enthalten sein muss, damit es zu einer nachhaltigen Attraktivierung des Standorts kommt.

„Wir plädieren für eine Senkung des Körperschaftsteuersatzes auf 19 Prozent.“ Das wäre ein kräftiges Signal, dass es Österreich mit der Wirtschaftsfreundlichkeit ernst meint. Zudem ist der Selbstfinanzierungsgrad laut Gröhs bei einer Senkung der Körperschaftsteuer höher als etwa bei einer Reduzierung der Lohnnebenkosten. Gründe dafür seien eine höhere Steuerehrlichkeit und eine verstärkte Ansiedlung von Unternehmen. „Das hat man schon bei der einstigen Senkung von 34 auf 25 Prozent gesehen.“

Gleichzeitig besteht in diesem Bereich auch die größte Gefahr, dass es zu einer Enttäuschung kommt, wenn nichts passiert. „Es gibt auch viele ausländische Unternehmen, die sich da etwas erwarten. Wenn das nicht erfüllt wird, dann könnte es bei Betriebsansiedlungen Entscheidungen zuungunsten von Österreich geben“, sagt Gröhs. (jaz)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.04.2019)