Das Smartphone als Lehrer

Apps gibt es für alle Lebenslagen, zunehmend erleichtern sie auch das Lernen.
Apps gibt es für alle Lebenslagen, zunehmend erleichtern sie auch das Lernen.(c) Klaus Graf

Das Smartphone ist längst täglicher Wegbegleiter. Es war daher nur eine Frage der Zeit, bis Apps das Lernen immer und überall möglich machten.

Immer und überall lernen – das ist die Devise zahlreicher Anwender, die mit dem Smartphone auch einen Kurs oder einen digitalen Lerncoach mit dabei haben wollen. Denn nicht immer ist es möglich, an Präsenzkursen teilzunehmen, um Neues zu erlernen. Immer mehr wird Wert darauf gelegt, mittels durchdachter Apps Erlerntes abrufbar zu haben und zu organisieren.

„Viele Apps sind im Grunde genommen mobile Websites“, erklärt Mathias Ballner. Erst wenn das Smartphone mit seinen Besonderheiten, mit Video, Audio und Sensorik, genutzt werde, würden die Vorteile deutlich. Ballner ist Lehrgangsleiter des Lehrgangs App-Development an der FH Technikum Wien, an der etwa 20 Teilnehmer pro Lehrgang in drei Semestern lernen, Apps zu entwickeln. „Eine App sollte spannend sein, die Lerninhalte sollten individualisiert und in kleinen Einheiten vermittelt werden“, meint Ballner.

 

Angepasstes Niveau

Ein Beispiel für individualisierte Lernapps sind jene für Sprachkurse, die das Niveau des Users abprüfen, um maßgeschneiderte Übungsaufgaben zu stellen. Ein Beispiel dafür ist die App Duolingo. Ein Einstiegstest hilft, das eigene Sprachniveau zu bestimmen, dann erst legt die App je nach Lernfortschritt Kurse frei. Tägliche Erinnerungsmeldungen dienen der Motivation und der Selbstorganisation.

Auch die FH Joanneum bietet mit dem Bachelorstudium Mobile Software Development die Möglichkeit, App-Programmierung zu erlernen. Neben Grundlagen in Informatik und Programmierung werden Inhalte zu Webtechnologien, Algorithmen und Benutzerfreundlichkeit vermittelt. Interaktion, Bedienung und Design mobiler Anwendungen stehen ebenso auf dem Programm wie Entwurf, Entwicklung und Umsetzung von Software auf mobilen Geräten.

„Mit dem Smartphone in der Tasche habe ich viele Dinge stets bei mir. Das bietet Möglichkeiten, die ich am PC nicht habe“, erklärt Studiengangsleiter Elmar Krainz. Mittels GPS-Sensoren, Magnet- und Temperatursensoren, aber auch Kamera und Mikrofon wird es möglich, schnelle Videokonferenzen zu führen oder Fotos von Lerninhalten zu machen.

 

Das Lernen erleichtern

Aber auch Apps, die das Lernen selbst unterstützen, werden vermehrt angeboten. Zum Beispiel können sie den Lernfortschritt dokumentieren, wie eine neue App der TU Graz zeigt. Auf der Plattform iMooX der Universität werden schon länger Moocs (Massive Open Online Courses) angeboten – kostenlos zugängliche Kurse mit multimedialen Inhalten. Die zugehörige App fungiert als Lerntagebuch für die Onlinekurse und soll als Unterstützung beim Lernen einen Überblick über Termine sowie aktuelle und anstehende Kurse geben. Durch das Hinzufügen von Terminen, Lernzielen und Notizen kann der eigene Lernfortschritt angetrieben werden.

Auch am Wifi Wien werden Apps, etwa in Form digitaler Lernkarten, eingesetzt, um das Lernen zu unterstützen, je nachdem, was die Teilnehmer lernen sollen. Das Institut bietet mehrere Kurse an, um App-Entwicklung zu erlernen: darunter eine Grundlagenausbildung zum geprüften Android-App-Developer oder einen spezialisierten Kurs, um iOs-Apps zu entwickeln.

„Eine Lern-App muss leicht bedienbar und selbsterklärend sein, Spaß machen und motivieren“, weiß Silja Ziemann aus dem Bereich Innovation und Didaktik des Wifi Wien. „Quizduell“ etwa sei ein prominentes Beispiel für eine App, in der Allgemeinwissen spielerisch erweitert werden könne und sich User mit Mitspielern matchen können. „Gamification-Elemente unterstützen und motivieren, sich mit Themen auseinanderzusetzen“, sagt Ziemann. „Gerade in eher trockenen Bereichen wie Betriebswirtschaft oder Medizin kann es hilfreich sein, theoretische Elemente via Apps abzuprüfen und zu erlernen.“

 

Die Realität erweitern

Auch bezüglich Darstellung der Inhalte ergeben sich neue Anwendungen. In der Medizin ermöglichen schon jetzt Apps wie Visible Body einen Blick in das Innere des menschlichen Körpers, dank Augmented Reality, der Verknüpfung von realer und virtueller Welt. Solche Apps werden auch von Unternehmen eingesetzt. Dabei wird der Blick durch eine virtuelle Brille um nützliche Zusatzinformationen via App ergänzt.

Web:www.technikum-wien.at, www.fh-joanneum.at, www.wifiwien.at, www.tu-graz.at