Direktor von Notre-Dame: Keine Mängel beim Brandschutz

APA/AFP/LUDOVIC MARIN

Drei Mal täglich hätten Brandaufseher die Arbeiten am Dachstuhl auf Feuer kontrolliert. Der Direktor, Patrick Chauvet, ist überzeugt, dass mehr Brandschutz nicht möglich gewesen wäre.

Nach dem verheerenden Brand der Pariser Kathedrale Notre-Dame stellte sich schnell die Frage, wie überhaupt ein Brand in diesem Ausmaß passieren konnte. Derzeit geht die Pariser Staatsanwaltschaft von einem Unglück aus. Sie hat bereits am Montagabend ein Ermittlungsverfahren wegen „unfreiweilliger Zerstörung durch Feuer“ eingeleitet, von Brandstiftung ist bislang nicht die Rede.

Es deutet vieles darauf hin, dass der Brand durch Bauarbeiten auf dem Dach ausgelöst wurde. Während die Bauarbeiter bereits in der Nacht von Ermittlern befragt wurden, stellt sich die Frage, wie es um den Brandschutz der historischen Kathedrale bestellt ist. Der Direktor der Notre-Dame, Patrick Chauvet, ist überzeugt, dass „man nicht mehr machen“ hätte können.

Sicherheitsmängel sieht der Direktor nicht. Es gebe etwa Brandaufseher, die drei Mal täglich den Dachstuhl prüfen, sagte er Dienstag früh dem Sender France Inter. Aber es gebe natürlich immer Vorfälle, die man so nicht habe vorhersagen können. Man müsse nun prüfen was passiert sei - er wisse es noch nicht.

"Holz ist nicht einfach entzündlich"

Die Dombaumeisterin in Merseburg und Naumburg sowie Schriftführerin der Europäischen Vereinigung der Dombaumeister, Münsterbaumeister und Hüttenmeister, erklärt in einem Interview mit T-Online, dass Brandschutz in historischen Gebäuden sehr ernst genommen werde und man besonderen Vorsichtsmaßnahmen unterliege. „Aber es ist schwierig umzusetzen in Gebäuden, die zum Teil vor Jahrhunderten gebaut wurden.“ Die Gefahrenquellen seien groß und könnten auch bei genauer Überprüfung nicht restlos ausgemerzt werden.

Der alte Holzdachstuhl sei ihrer Ansicht nach nicht zwingend ein Nachteil gegenüber einem aus Stahl. „Holz ist nicht leicht entzündlich. Aber wenn Holz brennt, ist kaum etwas zu machen". Sie führt aber aus, dass es eine andere Zündquelle gegeben haben muss, denn „einfach so entsteht im Holzdachstuhl nicht so ein Brand".

Drei Brandursachen als Auslöser

Die Vergangenheit habe gezeigt, dass es drei Auslöser für Brände in Kirchen gibt. Zum einen sei es Brandstiftung, alte Elektroinstallationen oder Unachtsamkeit, erklärt ein Mitarbeiter der Wiener Landesfeuerwehr: „Nur sehr wenige Kirchen sind mit ordentlichen Brandschutzmaßnahmen ausgestattet. Meist fehlt es an Löschanlagen und Abschottungen.“ Der Wiener Stephansdom sei mit einem automatischen System ausgestattet. Dies scheint bei der Notre-Dame hingegen nicht der Fall zu sein.

Sylwester Kabat, deutscher Brandschutzexperte, erläutert in seinem Buch „Brandschutz in historischen Gebäuden", dass es „Grundsatzprinzipien des Brandschutzes geben“ müsse, auch wenn der Denkmalschutz nicht alle erforderlichen Maßnahmen akzeptieren könne.

Bei Umbauarbeiten gebe es immer regelmäßige Begehungen. Internationale Standards gebe es aber nicht, erklärte ein Sprecher der Wiener Berufsfeuerwehr auf Anfrage der „Presse". Die Brandschutzmaßnahmen seien immer individuell auf das historische Gebäude abzustimmen.

>>> T-Online

Mehr erfahren

Piano Position 2
Zum Thema

Eine Kirche wird für Macron zur Existenzfrage

Zum Thema

„Strafe Gottes“: In Serbien wird um Notre-Dame nicht nur getrauert

Zum Thema

Notre-Dame: Ein Brand vereint Frankreich