Alkohol und Drogen: Wenn Flugzeugpassagiere ausrasten

Alle drei Stunden ist laut Easa die Sicherheit eines Flugs in der EU durch aggressive Passagiere bedroht.
Alle drei Stunden ist laut Easa die Sicherheit eines Flugs in der EU durch aggressive Passagiere bedroht.(c) REUTERS (Mike Blake)

Die Europäische Flugsicherheitsagentur Easa startet eine Kampagne, um die wachsende Zahl an Vorfällen mit randalierenden Reisenden zu reduzieren. Alle drei Stunden ist ein Flug in der EU davon betroffen.

Wien/Brüssel. Da konnte man schon einmal in die Luft gehen: Rund 30.000 Flüge wurden im Vorjahr in Europa wegen Streiks und Kapazitätsengpässen annulliert, Tausende Flüge waren verspätet. Heuer dürfte die Situation nicht viel besser werden, warnen Experten. Aber deshalb gleich randalieren? Oder die Crew mit Schlägen attackieren, nur weil der spät servierte Tomatensaft ohne Pfeffer blieb?

Unruly Passengers heißen jene Mitreisenden im Fachjargon der Airlines, die mit ihrem aggressiven Verhalten den Flugbetrieb stören oder im Extremfall die Sicherheit gefährden. Gemessen an der Gesamtzahl der Flugreisenden ist die Zahl dieser Unruhestifter gering – aber sie nimmt drastisch zu: Gemäß dem Weltluftfahrtverband Iata kam es 2016 alle 1424 Flüge zu einem Vorfall, 2017 bereits alle 1053 Flüge. Im Vorjahr registrierte die Luftfahrtindustrie ein Plus von 34 Prozent. Deutlich öfter müssen Unruhestifter am Sitz festgeschnallt werden – die Ultima Ratio, wenn sich der Betroffene nicht beruhigen lässt.

Punktgenau vor Beginn der Reisesaison hat die Europäische Agentur für Flugsicherheit (Easa) eine Kampagne unter dem Motto „Not on my flight“ gestartet. Etliche Airlines und Flughäfen haben sich schon angeschlossen, jetzt auch die ungarische Billigairline Wizz Air, die auch ab Wien fliegt.

Ursache und Wirkung stehen laut den Erfahrungen der Fluglinien in engem Zusammenhang: Übermäßiger Alkoholgenuss schon auf dem Flughafen oder dann an Bord sowie Drogenkonsum seien die häufigsten Ursachen für renitentes Verhalten. Das kann von der Weigerung, die Sicherheitsvorschriften einzuhalten, über verbale Attacken gegenüber Mitreisenden und Flugbegleitern bis zu Handgreiflichkeiten reichen. Auch das Rauchen auf der Toilette ist ein ewiges Ärgernis.

 

Einmal pro Monat Notlandung

Handlungsbedarf ist gegeben: Alle drei Stunden ist laut Easa die Sicherheit eines Flugs in der EU durch aggressive Passagiere bedroht. Mindestens einmal pro Monat sei eine Airline gezwungen, wegen eines entsprechenden Vorfalls eine Notlandung zu machen.

Mithilfe der Kampagne will die Easa die Airlines sensibilisieren – möglicherweise, indem Reisende, die Anzeichen liefern, nicht an Bord gelassen werden. „Reisen sollte ein erfreuliches Erlebnis sein“, heißt es auf der Easa-Website. Die Iata kooperiert deshalb mit Duty-free-Geschäften, um Alkoholmissbrauch einzuschränken.

Auch die AUA kennt solche Ereignisse, weshalb die Flugbegleiter schon bei der Schulung vorbereitet würden. Vor drei Jahren musste eine Maschine auf dem Weg nach New York in Kanada zwischenlanden, weil ein Passagier randalierte.