„Wenn du König wärst“: König Artus auf dem Schulhof

In ihrem Kampf gegen die Hexe Morgana und ihr Team müssen Ritter auch einmal nass werden: Rhianna Dorris, Dean Chaumoo, Louis Ashbourne Serkis und Tom Taylor (von links nach rechts) in „Wenn du König wärst“, Originaltitel „The Kid Who Would Be King“.
In ihrem Kampf gegen die Hexe Morgana und ihr Team müssen Ritter auch einmal nass werden: Rhianna Dorris, Dean Chaumoo, Louis Ashbourne Serkis und Tom Taylor (von links nach rechts) in „Wenn du König wärst“, Originaltitel „The Kid Who Would Be King“.(c) Centfox

Kritik„Wenn du König wärst“ von Joe Cornish verzahnt die Realität heutiger Jugendlicher mit Motiven aus der britischen Sage: gute, familientaugliche Fantasy.

Die Artussage mit ihren griffigen, zeitlosen Themen und Figuren ist längst Zentralmythos der Populärkultur. Dass sich das Epos um tugendhafte Tafelritter, mächtige Schwerter und zaubernde Widersacher nicht immer problemlos in die Gegenwart reißen lässt, hat vor zwei Jahren der britische Radau-Regisseur Guy Ritchie mit seinem stupiden Knallkörper-Actionfilm „King Arthur“ bewiesen. Sein ungleich talentierterer Landsmann Joe Cornish verzahnt in seiner familientauglichen Fantasy „Wenn du König wärst“ jetzt eine lebensnahe Schulkinderwirklichkeit mit Motiven aus der Welt der britischen Legende.

Wie gut er Zeitgeist mit Genre-Elementen versetzen kann, hat Cornish bereits in seinem Debüt „Attack the Block“ gezeigt, das 2010 zum Überraschungshit wurde. Damals kämpften Londoner Wohnturmjugendliche aus ärmlichen Verhältnissen gegen außerirdische Zottelmonster, jetzt entdeckt ein schmächtiger Bub auf der Flucht vor gleichaltrigen Peinigern auf einem Baustellengelände das legendäre Schwert Excalibur – und zieht es aus dem Stein, in dem es steckt. Nach und nach wird diesem Alex (Louis Ashbourne Serkis, der Sohn von Andy „Gollum“ Serkis) bewusst, dass die Waffe nicht nur kurzfristig Angreifer abwehren kann, sondern auch langfristige Konsequenzen und Verpflichtungen nach sich zieht. Was genau das bedeutet, erklärt Merlin, der gemäß der jugendlichen Stoßrichtung dieses Abenteuers nur in kurzen Abschnitten als alter Magier (gewohnt gut: Patrick Stewart), zumeist aber als quirliger Jungzauberer (Angus Imrie) in Erscheinung tritt. Alex und seine noch zu formende Ritterrunde stehen laut ihm an vorderster Front beim bevorstehenden Kampf gegen die wieder erstarkende Hexe Morgana (Rebecca Ferguson) und ihre grausigen Schergen.

Knackige Dialoge

„Wenn du König wärst“ emuliert eindeutig die mit fantastischen Elementen angereicherten Jugendabenteuerfilme aus den Achtzigerjahren, etwa Richard Donners herzhafte „Goonies“ (1985) oder Barry Levinsons unterschätztes „Geheimnis des verborgenen Tempels“ (1985). Im Gegensatz zum streckenweise klumpigen Reverenz-Gewitter der aktuellen Hitserie „Stranger Things“, in der ebenfalls eine Gruppe von Teenagern gegen eine allumfassende Bedrohung antreten muss, badet Joe Cornishs Jugendabenteuer allerdings nicht im gefälligen Nostalgiesud, sondern zieht eher thematische Linien in die Mittachtziger, als die Trennschärfe zwischen Kinder- und Erwachsenenkino noch nicht so stark war wie heute. Soll heißen, im Kern der Geschichte steht die unschuldige Annahme, dass unterschiedlichste Jugendliche im Angesicht des Bösen ihre Pausenhof-Scharmützel beiseitelegen und aus diesem Grund siegreich aus den Schlachten hervorgehen werden. „Wenn du König wärst“ profitiert eindeutig von Cornishs Talent, mit jungen Schauspielern zu arbeiten. Alex und seine unwahrscheinlichen Ritter-Racker Bedders (Dean Chaumoo), Lance (Tom Taylor) und Kaye (Rhianna Dorris) sind eine so sympathische und lebendige Truppe, dass man ihnen gern dabei zusieht, wie sie sich mit den knackigen Dialogen gegenseitig Richtung Finale wuchten.

Die letztendliche Konfrontation zwischen den Teenies und der mittlerweile zur monströsen Drachenform angeschwollenen Morgana bringt einen dann leider wieder unsanft auf den Boden der Tatsachen (und Notwendigkeiten) des Gegenwartskinos zurück. Das brachiale generische Computereffektgewitter schafft es allerdings nicht, die kindliche Freude, die man zuvor verspürt hat, zu erdrücken. Denn dafür ist „Wenn du König wärst“ einfach viel zu gut.