Notre-Dame: Kurzschluss könnte Brandursache sein

Ein Blick auf die zerstörte Kathedrale.APA/AFP/LIONEL BONAVENTURE

Während die Polizei über einen Kurzschluss spekuliert, will sich die Staatsanwaltschaft nicht über die Hintergründe des Brandes äußern. Alle Gemälde der Kathedrale sind unbeschädigt.

Mehrere Tage nach dem verheerenden Brand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame ist dessen Ursache weiter unklar. Eine Möglichkeit sei ein Kurzschluss, hieß es am Freitag vonseiten der Polizei - die Staatsanwaltschaft bestätigte diese Hypothese allerdings vorerst nicht.

Die Ermittler gehen von fahrlässiger Brandstiftung aus. Auf dem Dach der gotischen Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert fanden Bauarbeiten statt, bevor das Feuer am Montagabend ausbrach. Die zuständige Firma sieht jedoch kein Verschulden eines ihrer Mitarbeiter.

Ein Aufatmen gab es am Freitag bezüglich der Gemälde der Kathedrale: Frankreichs Kulturminister Franck Riester zeigte sich erleichtert über den Zustand der Gemälde von Notre-Dame: Die Werke seien durch den verheerenden Brand "nicht beschädigt worden" und würden im Laufe des Tages in Sicherheit gebracht, sagte er. Voraussichtlich werden sie im Louvre und in anderen Museen zwischengelagert.

Unter den Gemälden sind Werke der Maler Laurent de La Hyre und Charles Le Brun aus dem 17. Jahrhundert. Noch während des Großbrandes konnten in der Nacht auf Dienstag auch andere Kunstschätze und Reliquien gerettet werden, darunter die Dornenkrone, die Jesus Christus der Überlieferung zufolge bei der Kreuzigung trug. Später wurde auch der Hahn des eingestürzten Spitzturms gefunden.

Macron könnte politisch von Brand profitieren

Nach dem Willen des Präsidenten soll die Kathedrale pünktlich zu den Olympischen Sommerspielen in Paris 2024 wieder eröffnen. Zahlreiche Länder haben Unterstützung bei der Instandsetzung angeboten.

Inmitten der Krise um die "Gelbwesten" könnte Macron nach einer Umfrage politisch von dem Brand profitieren: Die Beliebtheitswerte des Staatschefs stiegen in dieser Woche um drei Prozentpunkte an, wie eine Online-Umfrage des Instituts BVA für den Sender RTL, die Zeitung "La Tribune" und das Telekom-Unternehmen Orange ergab. Demnach kommt er nun auf eine Zustimmung von 32 Prozent.

Macron erreichte damit den Stand von September 2018, vor der Krise um die "Gelbwesten". Als angemessen bewerteten sechs von zehn Franzosen der Umfrage zufolge die Fernsehansprache des Präsidenten vom Dienstagabend, in der er den Wiederaufbau von Notre-Dame innerhalb von fünf Jahren versprochen hatte.

„Gelbwesten“ dürfen nicht vor Notre-Dame auf Straße gehen

Die "Gelbwesten" dürfen am Samstag nicht rund um Notre-Dame auf die Straße gehen, wie sie angekündigt hatten. Die Pariser Polizei verhängte ein Demonstrationsverbot für die Seine-Insel Ile de la Cite, auf der die Kathedrale steht. Die Behörden machten "Sicherheitsgründe" geltend und den Schutz der beschädigten Kirche. Der Vorplatz von Notre-Dame war vorerst weiter für Besucher gesperrt.

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