Wiens kleine Wanderbaumallee

Erste Station der Wanderbäume: in der Antonigasse in Währing.
Erste Station der Wanderbäume: in der Antonigasse in Währing.(c) APA/PID/CHRISTIAN F†RTHNER (CHRISTIAN F†RTHNER)

Zehn Wanderbäume sollen ab sofort Wiens Straßen begrünen– und ein Zeichen wegen der Überhitzung der Stadt setzen. Die Jungbäume siedeln alle vier Wochen in einen anderen Bezirk.

Wien. Sehr viel Schatten spenden die fast noch etwas zarten Jungbäume zwar (noch) nicht. Als Begrünung und Behübschung grauer Straßen taugen sie aber wohl jedenfalls: die Wiener Wanderbäume.

Zehn Jungbäume sind es, die ab sofort bis in den Herbst hinein verschiedene Straßen in Wien begrünen werden. „Wenn bereits im April Temperaturen um die 30 Grad herrschen, dann können wir uns jetzt schon auf einen weiteren dramatischen Hitzesommer einstellen“, sagte die grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou beim Startschuss in Währing. Die – wie Vassilakou das Projekt nennt – Wanderbaumallee „soll Bewusstsein für die zentrale Rolle von Bäumen im Kampf gegen städtische Überhitzung schaffen und mehr Lebensqualität vor der eigenen Haustür erzeugen“.

In Währing begrünen die Wanderbäume – es handelt sich um junge Feldahorne und Mährische Ebereschen – nun vier Wochen lang die Antonigasse. Direkt neben einem – ebenfalls neuen – Parklet übrigens, einem kleinen öffentlichen (und begrünten) Freiraum, der den Sommer über statt zweier Autostellplätze im Bezirk weilt.

So lang bleiben die Wanderbäume nicht: Schon Ende Mai zieht die kleine Jungbaumallee weiter in die Zieglergasse im Bezirk Neubau, ab Ende Juni folgt dann die Barnabitengasse in Mariahilf.

Dann begrünen die Bäume ab Ende Juli einen Teil der Laudongasse, vier Wochen später die Phorusgasse im vierten Bezirk im Bereich der Wiedner Hauptstraße. Zum Abschluss übersiedeln die Wanderbäume ab Ende September in die Leopoldstadt und werden im Kreuzungsbereich Blumauergasse/Große Mohrengasse aufgestellt.

Die Wanderbäume werden dabei natürlich nicht in den Boden gepflanzt, sondern bleiben in Gefäßen, die an Säcke erinnern: Diese sorgen dank speziell angereicherter Erde und Wasserspeicherplatte dafür, dass die Bäume auch an heißen Tagen länger mit Wasser versorgt sind. Allerdings gibt es in jedem Bezirk, wie es vom Verein Lokale Agenda 21 heißt, der das Projekt für die Stadt betreut, Anrainer, die sich um das Gießen der Bäume kümmern werden. Überhaupt wurden die Stationen der Wanderbäume auch nach Interesse und Engagement der Anrainer ausgewählt. Siedeln die Bäume um, wird ein Teil von ihnen übrigens – bewusst umweltfreundlich – mit dem Lastenfahrrad in den nächsten Bezirk transportiert, der Rest mit einem Klein-Lkw.

Die Idee der Wanderbäume hat sich Wien übrigens von München abgeschaut, wo es ein ähnliches Projekt bereits seit 1992 gibt: Dort tingeln 15 mobile Bäume von Stadtteil zu Stadtteil, initiiert wurde das Münchner Vorbild vom Umweltschutzverein Green City. In Wien kam die Idee von einer Privatperson – über die lokale Agenda 21 gelangte das Projekt ins Büro Vassilakou. Nach Münchner Vorbild gibt es übrigens auch in anderen deutschen Städten wie Würzburg Wanderbäume.

Kühle Meile

Eine Fortsetzung der Wanderbäume im nächsten Sommer ist übrigens angedacht. Die Wanderbäume sind dabei eine weitere Aktion, mit der die Stadt auf die Folgen des Klimawandels reagiert.

Erst vor Kurzem wurde in Neubau Wiens erste „kühle Meile“ präsentiert, die ab August angegangen wird: Dann beginnen in der Zieglergasse jene Baumaßnahmen, die ab Sommer 2020 dafür sorgen sollen, dass die Gasse spürbar kühler wird: Nebelduschen, eine Pflasterung, die das Sonnenlicht reflektiert, neue Bäume und Wasserstellen sollen die Temperatur in der Zieglergasse um bis zu fünf Grad senken. (mpm/APA)

AUF EINEN BLICK

Zehn sogenannte Wanderbäume machen ab sofort den Sommer über in verschiedenen Bezirken Station. Derzeit stehen die Bäumchen in der Antonigasse in Währing, Ende Mai siedeln sie in die Zieglergasse (Neubau), danach in die Barnabitengasse in Mariahilf. Ab Ende Juli begrünen sie dann die Laudongasse in der Josefstadt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.04.2019)

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