Lebensqualität für Pioniergeister

Gemeinsame Aktivitäten sollen Standorte attraktiv machen.
Gemeinsame Aktivitäten sollen Standorte attraktiv machen.(c) ALEKSANDRA TOLKACHEVA/ FH Kärnten

Um speziell im Technikbereich internationale Lehrende und Studierende zu gewinnen, müssen sich Fachhochschulen einiges einfallen lassen, speziell an Standorten außerhalb von Großstädten.

Wer ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium in Wien, Graz oder München absolviert hat, macht sich gern im Umfeld dieser Städte auf Jobsuche – bei Betrieben oder auch als Jungforscher oder Lehrender. Fachhochschulen haben es im Wettbewerb um gutes Lehr- und Forschungspersonal, aber auch um internationale Technikstudierende nicht leicht, besonders wenn sie in Regionen angesiedelt sind, die nicht als urbane Zentren bekannt sind.

Karl Ennsfellner, Geschäftsführer der IMC FH Krems, sieht weniger ein Problem, auswärtige Studierende anzuziehen. Zwar verfüge man nur über wenige technisch-naturwissenschaftliche Studiengänge (Medical and Pharmaceutical Biotechnology, Applied Chemistry und ab kommendem Herbst Informatik mit Vertiefungsmöglichkeiten Bio-Informatics und Business Processing). Diese Programme würden dafür aber durch die englische Unterrichtssprache und die Inhalte als Spezialstudiengänge wahrgenommen. Das am längsten bestehende Programm Medical and Pharmaceutical Biotechnology habe seit den Anfängen 2002 durch gut vernetzte Lehrende und Auslandspraktika auch international ein sehr gutes Image aufgebaut.

Was die Möglichkeit, Techniklehrende für den Standort Krems zu gewinnen, angeht, so räumt Ennsfellner allerdings ein, dass es „Menschen mit Pioniergeist“ sein müssen, die einen Reiz darin sehen, gerade in Regionen abseits der Großstädte etwas aufzubauen. Die IMC FH Krems, die immer wieder in Rankings auch als Arbeitgeber sehr gut abschneidet, tut einiges, um internationalen Studierenden und Lehrenden das Leben in Österreich leichter zu machen.

 

Hilfe bei Visa und Umzug

Neben dem an FH üblichen International Office werden sie zusätzlich durch ein International Welcome Center betreut, das bereits vor der Reise nach Österreich bei der Beschaffung von Visa und der Übersiedlung behilflich ist und nach der Ankunft mit „Welcome Days“ und Freizeitprogramm Möglichkeiten bietet, schnell Anschluss zu finden. Abgesehen davon könne man Young Scientists eine „kremsgeniale Lebensqualität“ bieten, sagt Ennsfellner. „Wir organisieren Ausflüge nach Dürnstein, Melk und Göttweig, besuchen Konzerte der Niederösterreichischen Tonkünstler, die Staatsoper oder das Burgtheater in Wien, und wir haben ein eigenes Programmkino mit Filmabenden.“

Auch die FH Oberösterreich hat die Kultur als Asset entdeckt, um sich ihren internationalen Studierenden und Mitarbeitern als lebenswerte Region zu präsentieren. Hier liegen die Dinge etwas anders als in Krems. Oberösterreich ist durch seine Industrie und KMU als Innovations- und Technikstandort bekannt. Die FH Oberösterreich zählt mit ihren vier Fakultäten in Linz, Wels, Hagenberg und Steyr zu den forschungs- und drittmittelstärksten FH Österreichs. Speziell der Standort Hagenberg genießt den Ruf eines österreichischen Silicon Valley. Speziell den internationalen Studierenden wolle man auch eine andere Seite von Oberösterreich zeigen, da die Bindung an ein Land nicht nur im Hörsaal oder Labor entstehe, sagt Andreas Zehetner, Vizepräsident für Internationales der FH OÖ.

 

In die Oper . . .

Seit dem Vorjahr werden regelmäßige Opernbesuche im Landestheater Linz angeboten, das Landestheater unterstützt die Aktion mit einer eigenen Einführung in englischer Sprache direkt vor der Vorstellung. Speziell Mozart-Opern seien extrem nachgefragt, heuer sei zum Beispiel die Produktion von „La Clemenza di Tito“ immer überbucht gewesen. Für die in Deutsch sattelfesten Studierenden gibt es heuer mit Ostrowskijs „Der Wald“ erstmals auch einen Schauspieltermin. Ziel eines solchen Formats ist aus Zehetners Sicht, Incoming-Studierenden zusätzlich zum Kulturgenuss Urbanität und Internationalität zu vermitteln. Das Angebot werde von Studierenden aus allen Kontinenten bestens angenommen. Ein guter Teil davon seien Technikstudierende. „Das Vorurteil, Techniker seien nicht opernaffin, stimmt nicht.“

 

. . . und auf die Alm

Insgesamt 16 technische Bachelor- und Masterstudiengänge – von Geoinformation und Umwelt bis zu Wirtschaftsinformatik – bietet die FH Kärnten, zudem noch Bauingenieurwesen und Architektur. Rund um Villach und Klagenfurt sind etliche technische Unternehmen angesiedelt. Dennoch ist Österreichs südlichstes Bundesland eher durch Sonne und Seen bekannt als durch Hightech. Das beste Gegenmittel sind für die FH Partnerschaften mit den überregional bekannten Großkonzernen und Innovationsträgern in der Region. Wenn etwa aktuell Infineon in Villach eine vollautomatisierte Chipfabrik errichte, sei man bereit, die Elektronik- und Mechatronik-Studienzweige dementsprechend anzupassen. In Kooperation mit Silicon Austria Labs werde ein Forschungszentrum zu mobiler Datenübertragung betrieben, mit Intel Austria das Josef Ressel Zentrum Interact, mit Infineon und der Strabag werden Study-&-Work-Programme umgesetzt. Dass in einem Bundesland wie Kärnten die FH zudem mit Sport- und Freizeitangeboten punkten kann, versteht sich von selbst. Abgesehen von Social Events zur Vernetzung werden Wanderungen in der Tscheppaschlucht oder auf der Millstätter Alm, Rodeln auf der Gerlitzen und Ausflüge zum Großglockner organisiert.