Bühne

Burgtheater: Grelles „Zelt“ zum Abschied der Ära Bergmann

Akkordeon und Gitarre im Burgtheater.
Akkordeon und Gitarre im Burgtheater.APA/HANS KLAUS TECHT

Eine gut gemachte, biedere deutsche Unterhaltungsshow von Herbert Fritsch als letzte Premiere unter der scheidenden Direktorin. Fritsch lässt zwei Dutzend Darsteller wortlos putzen, campieren, turnen, musizieren.

Ältere Menschen werden sich noch an den 1947 entwickelten Persönlichkeitstest des vor zwei Jahren verstorbenen Schweizers Max Lüscher erinnern: Aus der Präferenz der Farben meinte dieser philosophische Psychologe den Charakter von Menschen ermitteln zu können. Ein Liebhaber von Schwarz, Grau und Gedecktem ist bei ihm übel dran: Sie bedeuten Distanz, Tod, Nichts. Wer jedoch Orange, Gelb, Grün und Blau bevorzugt, hat es besser: Sympathisch, vital, hoffnungsvoll sind solche Typen. Je greller, desto besser, am besten auch noch einen Schuss Violett: Infantilität!

Würde man den Test auf Herbert Fritsch anwenden, könnte man sich diesen Augsburger Schauspieler und Regisseur nach der Uraufführung am Samstag im Burgtheater nur glücklich vorstellen. „Das Zelt“, als letzte Premiere unter der scheidenden Direktorin quasi ein Abschiedsgeschenk für Karin Bergmann, ist eine Orgie an Zuckerlfarben. 24 Schauspieler (von der Burg und auch vom MUK) in Fantasietracht (Bettina Helmi), die Frauen mit Zöpfen und Kranzerln, die Männer mit abenteuerlichen Tollen und Strähnen, dürfen sich austoben in einer gut gemachten, typisch bieder-deutsch wirkenden Show, die nichts sagte, sondern wortlos in ständig wechselndem Ambiente der Farben und Aktionen allerlei Deutung zuließ.