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Umwelt-Katastrophe wird für BP zum Milliardengrab

UmweltKatastrophe wird fuer Milliardengrab
Die brennende BP-Ölplattform, die wenig später unterging.REUTERS/U.S. Coast Guard/Handout

"Der Markt rechnet mit einem Schaden von 14 Milliarden Dollar für BP", urteilt Goldman Sachs. Der zusätzliche Image-Schaden ist hoch. Doch die Umweltkatastrophe könnte zur Krise für die ganze Ölbranche werden.

Die Ölmultis durften in den vergangenen Tagen jubeln. Der US-amerikanische Ölkonzern Exxon verdiente im ersten Quartal 2010 netto 4,93 Milliarden Euro. Der britisch-niederländische Konkurrent Shell machte im selben Zeitraum 4,15 Milliarden Euro Gewinn und der zweitgrößte europäische Ölmulti BP verdoppelte seinen Gewinn auf 4,6 Milliarden Euro. Der Unfall der BP-Ölplattform "Deepwater Horizon" wirft jedoch einen Schatten über die guten Quartalszahlen. Besonders betroffen ist BP, aber die Umweltkatastrophe könnte zur Krise für die ganze Ölbranche werden.

Die Gewinne, die von den Konzernen erzielt werden, basieren vor allem auf den Erfolgen in der Upstream-Sparte, also der Suche und Förderung von Rohöl. Als besonders lukrativ hat sich die Förderung von Öl vor der Küste der USA erwiesen. Tausende Bohrinseln gibt es, die Steuerlast und politische Risiken sind gering, berichtet "Financial Times Deutschland". BP ist der größte Produzent.

"Schaden von bis zu 14 Milliarden Dollar für BP"

Der Schaden für BP ist groß. Umso länger der Einsatz dauert, umso höher werden auch die täglichen Kosten. "Es sieht derzeit so aus, als ob eher Monate und nicht Tage vergehen werden, bis BP das Problem gelöst hat", sagte ein Analyst der Investmentbank Arbuthnot.

Die Versuche zur Eindämmung des Ölaustritts und die Sicherung des Bohrlochs kosten den Konzern täglich rund sechs Millionen Dollar. "Der Markt rechnet mit einem Schaden von 14 Milliarden Dollar für BP", heißt es einem Marktkommentar von Goldman Sachs laut "Handelsblatt".

BP: "Verantwortung liegt bei Transocean"

Indes macht BP-Chef Tony Hayward das Unternehmen Transocean für die Explosion der Bohrinsel im Golf von Mexiko verantwortlich. Das Unternehmen mit Sitz in der Schweiz hatte die Bohrinsel von BP geleast.

Ein Abdichtkopf habe vor der Explosion versagt. Dabei handle es sich um ein großes Ventil an der Spitze des Bohrlochs, mit dem das Herausfließen von Öl gestoppt werden kann. "Das ist ein absolut zuverlässiger Mechanismus", zitierte CNN den BP-Chef. "Und aus irgendeinem Grund - und wir verstehen noch nicht warum, aber das werden wir nach unseren Nachforschungen und nach staatlichen Ermittlungen - ist er ausgefallen." Weiter sagte Hayward: "Die Verantwortung für die Sicherheit auf der Bohrinsel liegt bei Transocean."

Image-Desaster für BP

Über den finanziellen Schaden hinaus ist die Umweltkatastrophe aber auch ein Image-Desaster für BP, das seit Jahren versucht, ein umweltfreundliches Image aufzubauen. Die Bemühungen von BP-Chef Hayward die Reputation des Unternehmens nach einer Explosion in einer Raffinerie in Texas im Jahr 2005 und einem Pipeline-Leck in Alaska im Jahr 2006 wieder aufzubauen, sind mit einem Schlag dahin. "Womit zum Teufel haben wir das verdient?", soll Hayward laut "New York Times" bereits gefragt haben.

"In den vergangenen beiden Jahren schien es, als habe BP seinen Laden aufgeräumt", sagt Fadel Gheit von Oppenheimer & Company der Zeitung zufolge. "Nun sieht es so aus, als würde das Kartenhaus total zusammenbrechen".

Die ganze Ölbranche ist bedroht

US-Präsident Barack Obama hat den Schuldigen der Umweltkatastrophe jedenfalls eindeutig identifziert: "BP ist für die Kosten verantwortlich". Das Vorhaben des Präsidenten, neue Gebiete im Golf von Mexiko und vor der Ostküster der USA für Ölbohrungen wieder freizugeben, steht nun auf wackeligen Füßen. Der Untergang der Bohrinsel hat schwere Bedenken über die "Sicherheit der Industrie" ausgelöst. "Der Unfall liefert den Gegnern der Offshore-Bohrungen Argumente", sagt Tom Moskitis von der American Gas Association laut "FTD".

Die lukrativen Geschäfte einer ganzen Branche sind also gefährdet. Es werde schwerer, neue Gebiete für die Produktion zu öffnen, befürchtet Moskitis.

Diskussion um 500.000 Dollar teure Notbremse

Ausgelöst hat der Vorfall auch eine neue Debatte über Sicherheitsstandards bei Ölbohrungen in der Tiefsee. Eine 500.000 Dollar teure Sicherheitsvorrichtung - eine Art Notbremse - hätte die Ölkatastrophe unter Umständen verhindern können. Dabei handelt es sich um einen ferngesteuerten Schalter, mit dem Ventile an der Bohranlage geschlossen werden können, berichtet das "Handelsblatt".

Vorggeschrieben ist dieser Schalter aber nur bei Tiefseebohrungen in Norwegen und Brasilien. Die US-Behörden haben sich nach heftigem Widerstand der Ölbranche dagegen entschieden. Laut "Wall Street Journal" soll sich auch BP gegen schärfere Sicherheitsauflagen gewehrt haben.

(phu)