Romy Sigl: Labor der guten Nachrichten

Sie wollte selbstständig, aber nicht allein sein: Seither führt Romy Sigl in Salzburg ihren eigenen Coworking Space.
Sie wollte selbstständig, aber nicht allein sein: Seither führt Romy Sigl in Salzburg ihren eigenen Coworking Space.(c) Wildbild

2012 gründete Romy Sigl den ersten Coworking Space außerhalb von Wien. Seither sprießen die Ideen. Die jüngste ist die „Good News Wochenschau“.

„Mir wird wahnsinnig schnell fad.“ Das ist für Romy Sigl der Grund, warum sie ständig an neuen Ideen und Konzepten arbeitet. Gerade erst hat sie gemeinsam mit zwei Kolleginnen die „Good News Wochenschau“ auf Facebook aus der Taufe gehoben. Nun denkt sie über die Weiterentwicklung ihres Coworkingkonzepts nach.

Die Jungunternehmerin hat vor sieben Jahren den ersten Coworking Space in Salzburg eröffnet – zu einer Zeit, als die Idee der geteilten Schreibtische in Österreich noch recht neu war. Es war der erste Coworking Space außerhalb Wiens. Sigl ging es von Anfang an nicht nur um die Tische, sondern auch um das Netzwerk, das dabei entsteht, wenn kreative Talente nebeneinander arbeiten. Diese Philosophie will sie nun verbreiten.

Umtriebig war die Salzburgerin schon immer. Sigl wechselte nach dem musischen Gymnasium an die HTL für Hochbau. Das Zeichnen von Bauplänen reichte ihr aber nicht. Sie studierte deshalb an der FH Salzburg Design- und Produktmanagement und arbeitete dann im Designbüro Kiska. Eine spannende Zeit, doch das Dasein als Angestellte lag ihr nicht, sie empfand es ein bisschen wie ein Gefängnis. „Ich wollte selbstständig sein, aber nicht allein“, sagt die Mutter eines eineinhalbjährigen Buben.

Im Coworking fand sie ein Arbeitsmodell, das ihrer Vorstellung entsprach. Da es so etwas damals in Salzburg nicht gab, gründete Sigl einfach selbst. Nur zu vermieten entsprach aber nicht ihrem Verständnis der Zusammenarbeit. „Das Magische am Coworking ist die Feedbackkultur“, erzählt Sigl. Man hat immer Menschen um sich, die einen zweiten Blick auf die eigenen Ideen und Konzepte werfen können. „Man muss nur fragen“, sagt die Gründerin.

 

Aus fremden Fehlern lernen

„Food for Feedback“ oder „Showtime“ sind Formate, die sich die Salzburgerin überlegt hat, um diesen Austausch zu fördern. Wer sich Feedback zu einem Projekt wünscht, der lädt einfach die Coworker zum Arbeitsessen und stellt seine Ideen vor. Die anderen liefern ihre Perspektiven. Offenheit für Feedback und die Möglichkeit, aus den Fehlern anderer zu lernen, sind für Sigl deshalb die großen Vorteile. „Sonst kann man sich ja mit seinem Laptop auch in ein Café setzen“, sagt Sigl.

In den vergangenen sieben Jahren hat die Salzburgerin ein großes Netzwerk aufgebaut. So manches Start-up, das auf den typisch gelben Schreibtischen der Salzburgerin im Stadtteil Itzling begann, ist mittlerweile ein bekanntes Unternehmen. Die Gründer von einst kommen heute zu Start-up-Wochenenden, um als Mentoren jene zu unterstützen, die gerade gründen. Durch Coworking-Camps in Ägypten ist aus regionalen Kontakten längst ein internationales Netzwerk geworden.

Wie schnell bei ihr aus einer Idee ein konkretes Produkt wird, zeigte Romy Sigl erst im vergangenen Herbst. Sie hatte mit den Coworking-Kolleginnen Romana Hasenöhrl und Sonja Schwaighofer die Idee, die digitalen Möglichkeiten für eine Wochenschau der guten Nachrichten zu nutzen. Am 25. Oktober wurde erstmals darüber diskutiert, am 26. Oktober ging die erste Sendung auf Facebook online. Seither berichten die drei in der „Good News Wochenschau“ regelmäßig über große und kleine positive Dinge. Die drei Frauen erreichten mir ihren Sendungen schon viele Tausend Zuseher.

Die Idee, auch eine Art Airbnb für Schreibtische zu gründen, hat Sigl indes vor ein paar Wochen begraben. „Es geht ja nicht um den Schreibtisch, sondern um die Feedbackkultur“, sagt sie. Deshalb denkt sie stattdessen nun darüber nach, wie sich dieser Spirit vervielfältigen lässt, ohne an Kraft zu verlieren. Das geht nur, wenn sich Menschen an physischen Orten treffen und nicht in der digitalen Welt, ist sie überzeugt. Wie das konkret funktioniert, weiß die Unternehmerin noch nicht. Aber bei ihrem Tempo wird es wohl nicht lang dauern, bis sie auch diese Frage beantwortet und ihr Konzept in die Tat umgesetzt hat.

Zur Person

Romy Sigl ist Gründerin der Coworking Salzburg GmbH und des Start-ups Fairmatching, einer Arbeitsvermittlung, die Geflüchtete und Unternehmen zusammenbringt. Gemeinsam mit Kolleginnen hat die Salzburgerin auch die „Good News Wochenschau“ erfunden.