Künstler für Europa

Künstler und Intellektuelle erinnern mit Initiativen und Aktionen an die Bedeutung Europas. Der Salzburger Galerist Thaddaeus Ropac unterstützt eine davon.

„Was ist Europa?“, fragt der chinesische Konzeptkünstler Ai Weiwei. „Kann Europa ohne europäische Werte Europa sein? Ohne ein Festhalten an diesen Grundwerten wird es kein Europa geben“, sagt der Künstler. Er ist einer von vielen Künstlern und Intellektuellen, die sich anlässlich der bevorstehenden Europawahl für Europa stark machen. Mitglieder der Berliner Akademie der Künste projizieren auf die gläserne Fassade des Akademie-Gebäudes am Pariser Platz proeuropäische Statements, unter ihnen neben Ai Weiwei auch Olafur Eliasson. Und in Frankreich hat der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy Künstler aus ganz Europa unter dem Namen „United Artists for Europe“ für ein Programm bestehend aus einer Ausstellung, Talks, Performances und einer Auktion zusammengeführt. Gastgeber ist der österreichische Galerist Thaddaeus Ropac, der seine Londoner Galerie vom 21. bis 23. Mai für die Ausstellung zur Verfügung stellt. Ropac ist ein überzeugter Europäer und unterstützt deshalb diese Initiative. Mitinitiator ist der Schweizer Kunsthändler, Auktionator und Sammler Simon de Pury, der am 3. Juni im nahe gelegenen Maison Assouline die Auktion leiten wird. Die Erlöse kommen europäischen Kunstinitiativen zugute. „Zum ersten Mal in meinem Leben ist die Harmonie Europas in Gefahr. Ich denke, dass Künstler Vorbilder und Orientierungshilfe in dieser schwierigen Epoche sein können“, begründete de Pury sein Engagement in einer Aussendung.

Die Liste der Künstler und Künstlerinnen ist hochkarätig. Vertreten ist etwa die Performancekünstlerin Marina Abramović, der französische Minimalist Daniel Buren, die Malerin Marlene Dumas, der schottische Videokünstler und Turner-Preisträger Douglas Gordon, der für seine „Bread Sculptures“ bekannte Brite Marc Quinn und das dänisch-norwegische Künstlerduo Elmgreen & Dragset, um nur einige zu nennen. Für das Conversations-Programm trifft dann Hans Ulrich Olbrist, Direktor der Serpentine Galleries, auf den britischen Schriftsteller Adam Thirlwell.

Wirtschaftsfaktor. Ein vereintes Europa ist für die Branche auch wirtschaftlich relevant. Ein harter Brexit würde viel Schaden anrichten. So wird Kunst täglich ohne Prüfungen und Einfuhrsteuern vom Kontinent auf die Insel gebracht und umgekehrt. London ist wichtigster Handelsplatz in Europa. Und schon jetzt verliert Europa Marktanteile an die USA und Asien. Aber auch Museen und Institutionen sind betroffen, denn die direkten EU-Förderungen fallen weg. Die Kunstbranche hat also viel zu verlieren.

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