Die Revolte der Mütter

Gioacchino Criaco: „Die Söhne der Winde“
Gioacchino Criaco: „Die Söhne der Winde“Folio

Die wahre Geschichte einer „Revolution“ in Kalabrien, erzählt in unvergesslich starken Bildern.

Nicola, Antonio und Filippo sind Kinder des Aspromonte – des rauen kalabresischen Bergmassivs, Heimat von Armut und Banditen. „Die Söhne der Winde“ erzählt ihre Jugend im kalabresischen Africo der 1950er – einer Ortschaft, die es offiziell gar nicht gibt. Nicht einmal einen Bahnhof hat das süditalienische Dorf.

Ums Leben und Überleben kümmern sich die Mütter, sie schuften sich als Jasminpflückerinnen ab. Denn die meisten Väter aus Africo sind in den Norden ausgewandert – und dort verschwunden. Nicola und seine Freunde hüpfen morgens auf vorbeifahrende Züge Richtung Stadt. Die Schule besuchen sie selten, stattdessen schlagen sie die Zeit in der Bar tot, träumen vom Reichtum und wollen den Mafiosi imponieren. Durch kleinkriminelle „Jobs“ verdienen sie das erste eigene Geld.

Der Teufelskreis von Kriminalität und Armut wird vom charismatischen Papula durchbrochen, der überraschend aus Deutschland zurückkehrt. Er ruft die „Revolution“ aus, überzeugt die Jugend und vor allem die Mütter von seinen Zielen. Das Dorf soll endlich ein „richtiges Dorf“ werden: Gemeinsam erkämpfen sie einen Bahnhof, pochen auf bessere Arbeitsbedingungen, bieten Banditen die Stirn. Bis zum bitteren Ende.

Wortgewaltig erzählt Gioacchino Criaco die wahre und tragische Geschichte der Revolte von Africo. Dabei zeichnet der Autor ein barockes Gemälde dieser harten Welt, die der Staat der Mafia überlassen hat. Eine faszinierende Lektüre und eine Hommage an Kalabriens Heldinnen: die Mütter.  

Gioacchino Criaco: „Die Söhne der Winde“, übersetzt von Karin Fleischanderl, Folio, 332 S., 22 Euro

Criaco liest am 14. 5., 19 Uhr, in der Wiener Hauptbücherei.