Video: Rettungshubschrauber fliegt während Seilbergung in Stromleitung

Der HorrormomentYouTube/Screenshot

Auf der französischen Karibikinsel Martinique kollidierte ein Rettungshubschrauber über einer Bucht mit Kabeln. Die zwei Personen am Seil fielen ins Wasser. Der Unfall endete glimpflich. Kabel und Drähte sind eine erhebliche Gefahr für tieffliegende Luftfahrzeuge.

Für Hubschrauberbesatzungen, ganz besonders aber für Personen, die draußen am Bergungsseil hängen, muss das eine Horrorvorstellung sein: Wenn der Pilot eine Stromleitung übersieht und hineinknallt.

Genau das ist vor kurzem auf der französischen Karibikinsel Martinique passiert: Wie das Luftfahrtmagazin The Aviationist berichtet, flog dort Anfang April ein Rettungshubschrauber vom Typ Eurocopter EC145 der Sécurité Civile (Zivilschutz des Innenministeriums) bei Fond Bellemare an der Westküste nahe der Hauptstadt Fort-de-France über einer kleinen Bucht in Stromleitungen. Kurz zuvor hatte ein am Seil hängender Flugretter eine Person aus dem Wasser geholt, von einer Stelle direkt neben einer Jacht in etwa 200 Metern Entfernung vom Ufer.

Wie das Video unten zeigt, übersieht der Pilot beim Flug Richtung Land drei Hochspannungskabel. Die Maschine prallt relativ langsam fliegend dagegen, die Kabel treffen den Bereich der Radarkuppel, die rechte Flanke inklusive der Seilwinde, Funken schlagen.

Glimpflicher Ausgang

Laut David Cenciotti von The Aviationist trennt der Mann an der Seilwinde das Rettungsseil sofort ab, der Flugretter und sein Patient fallen etwa fünf bis zehn Meter in die Tiefe und ins Wasser. Die Höhe ist schwer zu schätzen und man sieht die Eintauchstelle nicht, weil just in dieser Sekunde der Kopf eines Zusehers in der Sichtlinie erscheint. Allerdings fielen die beiden nicht allzuweit entfernt von der felsigen Steilküste ins Wasser; man glaubt anfangs sogar, sie wären auf Felsen geknallt, aber das ist eine perspektivische Täuschung.

Der Hubschrauber kreist über der Bucht, wenig später erkennt man die beiden Personen im Wasser. Dem Retter gelingt es schließlich, den Mann ans Ufer zu bringen, und so geht die Sache glimpflich aus.

Kabel von Stromleitungen, Fernmeldeverbindungen, Seilbahnen und ähnlichem stellen laut Cenciotti in Flughöhen von unter 500 Fuß (rund 150 Meter) über Grund - und in gebirgigem Gelände ohnehin - eine besondere Gefahr für Hubschrauber und Flugzeuge aller Art dar. Die meisten solcher Unfälle passieren demnach in Höhen von bis zu 15 Metern über Grund.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA führte vor Jahren eine Studie durch, die ergab, dass im Zeitraum 1994 bis 2004 fünf Prozent aller Unfälle in der zivilen und militärischen Hubschrauber-Luftfahrt auf „Kabelschlag" zurückzuführen waren.

Kabelschneider schützen den Rotor

Es wurden Schutzsysteme entwickelt, etwa Annäherungswarner, die auf Starkstromfelder reagieren, spezielle Radars, Laserdetektoren, vor allem aber außen installierte Kabelschneider und Deflektoren. Solche Schutzsysteme sind aber in der Regel weder serienmäßig noch rechtlich verpflichtend.

Bei angeblich mehr als 70 Prozent der Kollisionen rutscht der Draht auf die Oberseite des Hubschraubers und droht, den Rotor abzureißen. Kabelschneider dort können das verhindern; allerdings soll die Rettungswahrscheinlichkeit auf 75 Prozent sinken, wenn es zwei Drähte sind, auf weniger als 50 Prozent bei drei oder mehr Drähten in der Luft.

Black Hawk des Bundesheers mit gut sichtbarem Kabelkapper: dem "Horn" vor dem Rotor links.Bundesheer/Harald Minich