AKH nach Stadtrechnungshof-Kritik: Gescheitertes EDV-Projekt kostete 300.000 Euro

Die Presse/Fabry

Der Wiener Stadtrechnungshof errechnete Kosten von rund 772.000 Euro, was das Spital dementiert. Das Projekt wurde im vergangenen Jahr neu ausgeschrieben.

Ein gescheitertes EDV-Projekt soll das AKH 772.000 Euro gekostet haben. Dies geht aus einer Kritik des Wiener Stadtrechnungshofs hervor. Nun hat sich das Spital am Donnerstag zu Wort gemeldet. Der Aussendung des Spitals zufolge seien nur 300.000 Euro an externen Kosten entstanden.  Das Projekt wurde 2018 neu ausgeschrieben.

Konkret ging es bei dem Projekt um die Realisierung eines Transfusionsmedizinischen Informationssystems am AKH. Nachdem die im Bereich der Transfusionsmedizin implementierten EDV-Applikationen völlig veraltet waren und die notwendigen Anforderungen nicht abdeckten, wurde ab 2008 die Realisierung eines neuen Systems "TRAMIS" in die Wege geleitet.

Der Spitalsträger Krankenanstaltenverbund (KAV) habe die Rechte an erarbeiteten Projektergebnissen übernommen, heißt es in der Aussendung weiter. Die damalige geplante Gesamtprojektdauer sei mit rund 36 Monaten vorgegeben gewesen. Der Projektplan sah nach 20 Monaten die Etablierung der neuen Software für das Blutdepot, die Produktion und die notwendigen Laboratorien inkl. Auswertungsmöglichkeiten und Statistiken vor. Die genehmigten externen Projektausgaben waren mit 3,7 Mio. Euro veranschlagt. Diese Vorgaben konnte der Anbieter nicht erfüllen, schrieb das AKH.

Um ein "langwieriges und teures zivilrechtliches Verfahren zu vermeiden", wurde eine einvernehmliche Beendigung des Vertragsverhältnisses ausverhandelt. Zu diesem Zeitpunkt fielen "ausgabewirksame externe Kosten in der Höhe von 516.000 Euro an" sowie "interne Kosten in der Höhe von 255.000", erläuterte AKH-Direktor Herwig Wetzlinger. Von den externen Kosten seien wiederum knapp 200.000 Euro für die Ausschreibung aufgewendet worden, da bei EU-weiten Ausschreibungen auch sehr hohe Dokumentationskosten anfallen, meinte das AKH. "Daher belaufen sich die tatsächlichen Kosten für das Projekt auf etwas mehr als 300.000 Euro", informierte das Krankenhaus.

Die Realisierung des EDV-Systems wurde 2018 neuerlich ausgeschrieben. Das Vergabeverfahren ist derzeit noch nicht abgeschlossen, sagte der AKH-Direktor. Er wies darauf hin, dass es für die komplexen Spezialanwendungen nur einen sehr kleinen Markt gebe, die Zahl der Anbieter daher auch sehr überschaubar sei. Die Aufgaben in den Bereichen Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin werden weiterhin durch ein erhöhtes Personalaufkommen in bester Qualität erfüllt, versicherte Wetzlinger.

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