„Dem Wissenschaftsfonds geht es so gut wie nie“

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Der FWF zieht auf seiner Jahrespressekonferenz eine positive Bilanz, selbst die Verschiebung des Forschungsgipfels der Regierung wird begrüßt – solang die vereinbarten Ziele dann auch umgesetzt werden.

„In der Grundlagenforschung spielen unsere Spitzenforscher schon seit Jahren in der Champions League“, so der Präsident des Wissenschaftsfonds FWF, Klement Tockner, als er diese Woche die aktuellen Zahlen der Förderagentur für Grundlagenforschung vorstellte. Das sei in erster Linie dem Wettbewerb um die Vergabe der Fördermittel geschuldet, der nach internationalen Standards ablaufe und „fair und transparent“ sei. Auch Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (ÖVP) sieht die österreichische Grundlagenforschung „programmatisch und faktisch auf einem passenden Kurs“.

 

Langfristige Perspektiven nötig

Mit insgesamt 231 Millionen Euro konnte der FWF im vergangenen Jahr 684 neue Projekte fördern, ein Plus von 6,5 Prozent gegenüber 2017 – damit gehe es dem Wissenschaftsfonds „so gut wie nie“, so Faßmann, doch „das heißt nicht, dass es nicht besser werden kann“. Denn stärker als die Fördersummen ist im Jahr 2018 die Zahl der Anträge gestiegen: Als exzellent eingestufte Projekte im Umfang von 50 Millionen Euro konnten nicht gefördert werden, so Tockner. Auf europäischer Ebene könne man hier von Ländern wie der Schweiz, die fünfmal so viele Ressourcen über den Schweizer Nationalfonds vergibt, oder Deutschland, dessen Pakt für Forschung und Innovation bis 2030 verlängert wurde und einen kontinuierlichen Anstieg seit 25 Jahren verbucht, viel lernen.

Die Forscher brauchten Vertrauen und Sicherheit, betont der FWF-Präsident, der selbst als Gewässerökologe forscht. Gerade für den „hervorragenden wissenschaftlichen Nachwuchs“ Österreichs seien langfristige Perspektiven wichtig, damit man ihn im Land halten könne. Diese Perspektiven erwarte man sich auch von dem neuen Forschungsfinanzierungsgesetz, dessen Details eigentlich vor Kurzem auf einem Regierungsgipfel hätten verkündet werden sollen – dieser wurde aber auf Mitte Oktober verschoben, da das Finanzministerium „in den Endphasen der Lohn- und Einkommenssteuerreform so viel zu hatte, dass zu wenig Zeit war, um mit uns über die kritischen Punkte von Finanzierungszielen im Forschungsfinanzierungsgesetz abschließend zu verhandeln“, so Faßmann.

Tockner sieht den FWF dadurch aber nicht eingeschränkt. Die Verschiebung des Gipfels betrachte er im Gegenteil als positiv, da es gut sei, sich für etwas „wirklich Nachhaltiges, Überzeugendes, Großes“ auch genug Zeit zu nehmen. Im Herbst sei dann aber ein „finaler Umsetzungsschritt“ nötig.

 

„Neue Stufe“ der Gleichstellung

Bis dahin sollen kleinere Initiativen des FWF umgesetzt werden, wie das „1000 Ideen“-Programm, mit dem besonders ungewöhnliche und risikoreiche Forschungsvorhaben gefördert werden sollen. Ein weiteres Ziel ist die stärkere Vernetzung von Unternehmen und Wissenschaftlern, um innovative Ergebnisse aus der Grundlagenforschung möglichst schnell in Anwendung zu bringen. Insgesamt soll die Grundstruktur der Förderprogramme umgebaut und mehr Übersichtlichkeit geschaffen werden. Dabei verspricht Tockner auch ein besonderes Augenmerk auf die Förderung von Frauen in der Wissenschaft, die er auf eine „neue Stufe“ heben will. Es soll in Zukunft sichergestellt werden, dass die Hälfte der Fördermittel an Forscherinnen geht. Das ist dringend nötig: Vergangenes Jahr warben Männer doppelt so viel Geld beim FWF ein wie Frauen.

In Zahlen

1,62 beträgt der „Impact“ der FWF-Förderung (errechnet aus der Anzahl der Publikationen und daraus, wie häufig sie zitiert wurden) – damit ist man in Europa auf Platz drei hinter den Niederlanden und der Schweiz.

49 Prozent der meistzitierten österreichischen Publikationen wurden vom FWF gefördert.