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"Als Hitler das rosa Kaninchen stahl": Autorin Judith Kerr ist tot

FILE PHOTO: British children´s writer and illustrator Judith Kerr peers around a door as she recreates a scene from her bestselling picture book ´The Tiger Who Came To Tea´ , in London
Judith Kerr(c) REUTERS (Dylan Martinez)
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Die britische Autorin musste als Kind vor den Nazis flüchten - und verarbeitete ihre Erinnerungen in einem Jugendbuch. Nun starb Judith Kerr mit 95 Jahren.

Die britische Schriftstellerin Judith Kerr ist mit 95 Jahren gestorben. Das teilte ihr Verlag mit. Kerr schrieb eine Reihe von Kinder- und Jugendbüchern. Berühmt wurde sie mit dem autobiografischen Roman „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl", der 1971 veröffentlicht wurde. Darin verarbeitete sie ihre eigene Kindheit: Die Flucht vor den Nazis als Neunjährige aus Berlin, wo die Bücher ihres Vaters, des Schriftstellers und Theaterkritikers Alfred Kerr, verbrannt wurden. Über Stationen in der Schweiz und in Paris landet die Familie schließlich in London, wo sie sich eine neue Existenz aufbaut.

Obwohl die Eltern auf der Flucht und in der Emigration Probleme haben, schaffen sie es in „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“, den Kindern das Gefühl zu geben, dies alles sei ein großes Abenteuer. Dabei hatten die Eltern immer Selbstmordtabletten dabei.

Die Geschichte von Anne, die auf der Flucht ein rosa Plüschkaninchen in Berlin zurücklassen muss, wurde zum preisgekrönten Bestseller und zur Pflichtlektüre in deutschen Schulen. Judith Kerr erhielt dafür den Deutschen Jugendliteraturpreis. Eine neue Adaption des Buches unter der Regie von Caroline Link („Der Junge muss an die frische Luft") soll Ende des Jahres ins Kino kommen.

Schrieb bis ins hohe Alter

In London absolvierte die am 14. Juni 1923 geborene Judith Kerr die Kunsthochschule. Nach dem Krieg war sie als Redakteurin für den Sender BBC tätig, wo sie ihren Mann, den britischen Fernsehautor Nigel Kneale, kennenlernte. Sie waren bis zu seinem Tod im Jahr 2006 verheiratet.

1968 schaffte Kerr den Durchbruch in Großbritannien mit ihrem Erstlingswerk „Der Tiger kommt zum Tee"; eine Kinderbuchserie um den exzentrischen Kater „Mog" folgte. Weltweit verkaufte sie neun Millionen Bücher, die in 25 Sprachen übersetzt wurden. Die leidenschaftliche Künstlerin und Autorin schrieb bis ins hohe Alter. 2016 erschien auf Deutsch „Ein Seehund für Herrn Albert“, angelehnt an ihren Vater, der ein verlassenes Robbenbaby am Strand gefunden und aufgezogen hatte.

Liebe zur Kunst und zur Literatur

Ihre Liebe zur Literatur und zur Kunst hat Judith Kerr vererbt: Sohn Matthew Kneale ist Schriftsteller (er schrieb den Roman "Englische Passagiere"), Tochter Tacy Kneale ist Schauspielerin und Malerin.

(Red.)