Das GroKo-Krokodil

Altersschwach, zahm und zahnlos robbt das GroKo-Krokodil durchs Dickicht.

Altersschwach, zahm und zahnlos robbt das GroKo-Krokodil durchs Dickicht, auf der Lauer nach Wählerbeute – aber zu kraftlos, um noch zuzuschnappen. Es schleppt sich dahin und hofft, irgendwie über die Zeit zu kommen. Der Artenschutz ist aufgehoben, und man möchte fast Mitleid haben mit dem einst furchterregenden und gefräßigen Tier, das Mann und Maus verschlang. Jetzt droht ihm das Ende einer Epoche: der Untergang. Im Politdschungel läuft die grüne Mamba der GroKo den Rang ab.

Von Mal zu Mal, von Wahl zu Wahl schrumpfte das Raubtier der Großen Koalition – erst in Österreich, bei den Quasi-Erfindern der GroKo, und jetzt auch in Deutschland, das die Ausnahmeerscheinung letzthin zur Regel machte. In Berlin verbeißt sich ein GroKo-Partner, die SPD, in Intrigen und internem Köpferollen.

Die sieche SPD liefert Anschauungsunterricht – wie umgekehrt Österreichs Präsident in Krisenzeiten für seinen Berliner Amtskollegen. Da wie dort wird der politische Herbst zäh verlaufen. Wie eine Fügung des Schicksals begab es sich, dass sie sich in schwerer Stunde in Linz trafen. Wie Frank-Walter Steinmeier dorthin kam, schien angesichts der notorischen Unpässlichkeit der deutschen Flugbereitschaft freilich ungewiss – womöglich über die Donau, wo das GroKo-Krokodil sein natürliches Biotop längst verloren hat. (vier)

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.06.2019)