EM-Qualifikation: Ein Sieg für das Selbstvertrauen

Dragovi´c und Lainer waren sich zwar uneins, wer den Ball bekommt. Der Slowene hatte allerdings das Nachsehen, und nur das zählt.
Dragovi´c und Lainer waren sich zwar uneins, wer den Ball bekommt. Der Slowene hatte allerdings das Nachsehen, und nur das zählt.APA/EXPA/DOMINIK ANGERER

Österreich beendete mit dem 1:0 gegen Slowenien seine Sieglosigkeit in der EM-Qualifikation. Ob auch Negativtrends gestoppt wurden? David Alaba fällt gegen Nordmazedonien aus.

Hat eine Fußballmannschaft keinen Erfolg, setzt sich relativ schnell und zwangsläufig ein gängiger Mechanismus in Gang. Weil Kritiker und Funktionäre nicht alle Spieler vom Hof jagen können, rückt der Trainer in den Mittelpunkt und gilt als Kernpunkt der Misere. Auch beim ÖFB-Team ist das nicht anders, im Fußballverband spürt ein Betreuer dieses Treiben eben ganz besonders. Hier treten schließlich Österreichs beste Kicker gebündelt in Erscheinung. Und wenn es nicht nach Wunsch klappt, steht der Schuldige immer mit Abpfiff bereits fest.

Franco Foda durchlebte in den vergangenen Monaten fortlaufend Tiefen, die ersten beiden Spiele zur laufenden EM-Qualifikation waren auch besonders bittere Niederlagen. Pleiten, Flops, Leerläufe waren Bezeichnungen für diese Enttäuschungen – 0:1 gegen Polen, 2:4 in Israel –, sein Job wurde mehrfach infrage gestellt. Fehlende Ideen, kein System und in Ermangelung passender Alternativen (es gibt keinen Plan B) keine Chance auf Veränderung und damit auf Verbesserung; Foda musste sich wirklich viel anhören.

Das 1:0 gegen Slowenien verschafft dem Deutschen, 53, jetzt zumindest etwas Luft. Allerdings: Highlight war das Spiel in Klagenfurt keines, dafür waren der Auftritt und erneut die Chancenauswertung zu matt und auffallend inkonsequent. Erinnerlich bleiben nur das rettende Tor durch Joker Guido Burgstaller, die drei Punkte. An mehr muss man sich auf dem Weg zu einer Endrunde auch nicht erinnern, und doch bleibt ein Hauch Skepsis auf dieser Reise bestehen. Eine Heerschar von Fehlpässen, seltene Geistesblitze – und all das gegen eigentlich vollkommen enttäuschende, ausnahmslos harmlose Slowenen.

Das Rad der Negativisten beginnt sich bereits am Montag wieder zu drehen, vermutlich sogar schneller denn je, sollte in Skopje ein Sieg gegen Nordmazedonien (20.45 Uhr, live, ORF1) misslingen. Dann wird der Abstand zu Polen und Israel (spielt unter Teamchef Andreas Herzog plötzlich einen erfrischenden Offensivfußball) nicht schrumpfen, womöglich sogar auswachsen. Foda macht in dieser Situation jedoch das einzig Wahre: Er kommentiert diese Nebengeräusche nicht. Sie gehören dazu in Österreich, die Zwischenrufe der Nörgler, die sich mit einem Tor umgehend in Applaus wandeln. Foda sagt: „Insgesamt hat die Mannschaft eine tolle Reaktion gezeigt und ein schwieriges Spiel gewonnen.“ Damit war fürwahr auch alles zur Slowenien-Partie besonnen besprochen.


Der erste Blick voraus. Das größte Geschick im österreichischen Fußball ist es, sich verklärt an der Vergangenheit festzuklammern. Schweizern wie Marcel Koller oder auch Foda muss dieses soziale Phänomen wie ein Geisterfahrer im eigenen Spiel vorkommen, doch diese mentale Hürde gilt es vor jedem Anpfiff auszublenden. Den Blick nach vorn zu richten, an neue Erfolge nicht nur zu glauben, sondern sie auch zu wollen, anderes wagen – jede Mannschaft kann sowohl in einer Qualifikation als auch einem Turnier wachsen. Das muss sie sogar unbedingt, wenn es gilt, schwerwiegende Ausfälle (Baumgartlinger, Alaba erlitt eine Muskelfasverletzung), schwache Leistungen (Laimer), emotional bedingte Missstimmungen nach Auswechslungen (Sabitzer) oder eine eher ruhigere Fankulisse (Stimmungsboykott) zu kompensieren.

Ob es nun leichter fallen könnte, auswärts zu spielen? Am Montag wartet das Spiel in Skopje. Laut Papierform ist das ÖFB-Team wieder zu favorisieren. Die Mannschaft des Balkanstaats, der sich seit 12. Februar Nordmazedonien nennt und damit den Namensstreit mit Griechenland beendete, startete diese Qualifikation mit einem 3:1 gegen Lettland, es folgte ein 1:1 in Slowenien und ein knappes Heim-0:1 gegen Polen – das lässt darauf schließen, das die Spielkultur ähnlich jener ist, wie sie Arnautović und Co. vorzeigen.

Der Weltranglisten-68., Österreich ist 34., gewann seine Nations-League-Gruppe (Armenien, Gibraltar und Liechtenstein), der Aufwind ist auch statistisch belegt mit drei Niederlagen aus den vergangenen 20 Länderspielen. Foda warnte vor der Flexibilität, den wechselnden Dreier- und Viererketten und vor Veteran Goran Pandev, 35, der schon mit Arnautović einst bei Inter Mailand spielte. Entscheidend sei jedoch, wie immer, der eigene Auftritt.

So wie gegen Slowenien würden Kleinigkeiten über Sieg oder Niederlage befinden. Das keineswegs überzeugende 1:0 über Slowenien könnte also eine ganz wichtige Rolle spielen: Jeder, so der Trainer, habe gesehen, dass Österreich doch noch gewinnen könne, sicher nicht so schlecht Fußball spiele, wie manch böse Zunge gern so schnell ätzend vermutet. Auch er sollte etwas gelernt haben: In der Mitte fehlt ein Stürmer, ein Goalgetter, ein mit der Strafraumarbeit versierter Spieler. Vielleicht springt jetzt auch Franco Foda einmal über seinen Schatten – und bringt Guido Burgstaller gleich von Beginn an. Der Offensive zuliebe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.06.2019)