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Anwalt, Sammler, Stifter, Mäzen: Herbert Batliner ist tot

Die Albertina trauert um Herbert Batliner
Die Albertina trauert um Herbert BatlinerPeter Kullmann - Zone5

Ohne seine Kunstsammlung wäre die Albertina nicht, was sie ist: Der liechtensteinische Anwalt Herbert Batliner ist im Alter von 90 Jahren in Vaduz verstorben. Er und seine Frau kauften jahrzehntelang Kunstwerke der klassischen Moderne – und stifteten sie 2007 der Albertina.

Ein „Schlüsselereignis in der Geschichte der Albertina“ nannte es Direktor Klaus Albrecht Schröder einmal in einem „Presse“-Interview: 2007 gab der liechtensteinische Kunstsammler und Mäzen Herbert Batliner der Albertina seine Sammlung als Dauerleihgabe. Er ist nun im Alter von 90 Jahren nach langer und schwerer Krankheit in seiner Heimatstadt Vaduz verstorben, wie die Albertina am Montag mitteilte.

Dort war der Vater 40 Jahre lang Direktor der Liechtensteinischen Landesbank, und dort wurde Herbert Batliner 1928 geboren – als Sohn einer Österreicherin (Batliner hatte neben der liechtensteinischen auch die österreichische Staatsbürgerschaft). Er etablierte sich als Jurist, war unter anderem Präsident des Staatsgerichtshofes von Liechtenstein und leitete bis 2002 seine Anwaltskanzlei Dr. Dr. Batliner & Partner. Sein Vermögen wurde 2006 auf etwa 200 Millionen Schweizer Franken geschätzt. Batliner gilt als Erfinder der umstrittenen Familienstiftungen; zu seinen Kunden gehörten etwa der saudische König Fahd ibn Abd al-Aziz, der togoische Diktator Gnassingbé Eyadéma oder die Bacardi-Familie.

In den 1960er-Jahren begannen Herbert Batliner und seine Frau, Rita, Kunstwerke der klassischen Moderne zu sammeln – daraus wurde, mit rund 500 Werken, eine der größten europäischen Privatsammlungen mit Malerei dieses Stils. Die Verbindung mit der Albertina begann schon 2000, als Batliner die Propter-Homines-Halle stiftete. 2007 übertrug er dem Museum seine Kunstsammlung, die heute als Dauerausstellung dort zu sehen ist. „Ohne Herbert Batliner wäre die Albertina nicht, was sie ist“, so Schröder.

 

Von Picasso bis Arnulf Rainer

Einen Schwerpunkt der Sammlung bilden Werke Picassos, einen weiteren die Kunst des Impressionismus und Postimpressionismus – mit Gemälden etwa von Monet, Degas, Cézanne, Gauguin oder Toulouse-Lautrec. Stark vertreten ist auch das Werk der expressionistischen deutschen Künstlergruppen Die Brücke und Der Blaue Reiter sowie von Künstlern der Neuen Sachlichkeit. Die russische Avantgarde begegnet einem mit Gemälden von Gontscharowa, Malewitsch und Chagall, Österreich mit Bildern von Kokoschka und Egger-Lienz. Noch zu Lebzeiten des Künstlers Alberto Giacometti hatte Batliner von ihm Skulpturen und Gemälde erworben, sie wurden, wie er sagte, für ihn zum „Treibriemen“ der Sammlung. Zuletzt interessierte sich Batliner sehr für Gegenwartskunst, umfangreiche Werkgruppen von Georg Baselitz, Anselm Kiefer, Arnulf Rainer und Alex Katz waren die Folge.

Der leidenschaftliche Sammler Herbert Batliner war auch in anderer Form als Kunstmäzen tätig. 2002 etwa stiftete er die Orgel der Sixtinischen Kapelle im Vatikan (seither durfte er sich Kammerherr Seiner Heiligkeit nennen). In Salzburg unterstützte er die Restaurierung des Faistauer-Foyers im Festspielhaus und wurde dafür mit der Festspielnadel ausgezeichnet. Überhaupt wurde Batliner in Österreich viel geehrt – etwa mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen mit Stern der Republik oder dem Großen Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien. Gegen Batliner wurde aber auch wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung in der Höhe von 250 Millionen Euro ermittelt – die deutsche Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren jedoch gegen Zahlung einer Geldauflage ein. (sim)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.06.2019)

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