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„Ich will Eure Intelligenz“

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Alexander Wallner, EMEA-Geschäftsführer des Hybrid-Cloud-Spezialisten NetApp, über die Umwälzungen in der IT-Industrie, die Cloud und effizientes Datenmanagement.

NetApp wurde 1992 gegründet. Apple lancierte zu dieser Zeit gerade seinen LC II mit einem Arbeitsspeicher von 4 MB, das Internet war für die meisten Menschen noch ein spanisches Dorf und die Cloud ein weißes Gebilde am Himmel. Wie hat sich ihr Geschäftsmodell in den Jahren seither verändert?

Geändert haben sich vor allem die Aufgaben, die die IT heute in Unternehmen bewältigen muss. Um das zu erklären, muss ich einen etwas breiteren Bogen spannen.

Die erste Herausforderung besteht darin, dass die IT in vielen Unternehmen nicht unbedingt als businesskritisch gesehen wird. Das Backup, sprich die Datensicherung, ist zwar ein Muss, aber man versucht Geld herauszupressen, um das Ganze so günstig wie möglich zu machen. Zur gleichen Zeit soll die Run Operation, sollen die IT Prozesse in den Unternehmen immer effizienter werden.

Zweitens gibt es in den Unternehmen extrem hohe Erwartungen, die auf die Cloud zurückzuführen sind. Die Public Cloud ist schnell, agil und elastisch. Diese hohen Erwartungen werden auf das unternehmenseigene Rechenzentrum übertragen. Dort dauert alles aber viel, viel länger – es kann schon mal eine Woche dauern bis etwas Neues installiert ist. Gleichzeitig halten aber die Mitarbeiter in den Rechenzentren die alten IT-Werte hoch, die da lauten immer verfügbar und hoch performant. Konflikte sind da vorprogrammiert. Es gilt den richtigen Mix aus den Werten der alten IT-Welt und der Flexibilität der Cloud zusammenzustellen.

Drittens: Unternehmen, die nur auf die Cloud setzen, können schnell vom Cloud-Anbieter abhängig werden. Cloudanbieter legen Unternehmensdaten in einem speziellen Format ab. Holen Firmen diese Daten zurück, kann es mitunter passieren, dass sie mit den Datenformaten gar nichts anfangen können. Es geht letztlich nicht nur um die Software, sondern um die Art und Weise, wie die Daten abgelegt werden. Sie sollten so abgelegt sein, dass man nicht abhängig wird – mit unserer Software ist das gewährleistet. Wir können unseren Kunden hybride Multi-Cloud-Lösungen anbieten.

(c) Getty Images (gremlin)

Was versteht man unter einer hybriden Multi-Cloud-Lösung und was sind die Vorteile einer solchen Lösung?

Im Grunde geht es – wie erwähnt – darum, die alte Welt moderner zu machen. Man kann sich das wie bei einem Auto vorstellen. Der Motor ist in der Cloud. Das Öl, das für den Betrieb des Motors unbedingt notwendig ist, bleibt im Rechenzentrum. Übersetzt in die IT-Welt heißt dies, dass die Programme in der Cloud laufen während die – mitunter – businesskritischen Daten im Rechenzentrum liegen. Die Cloud ist eine Ressource, die es zu nutzen gilt.

Ihr Unternehmen stammt ursprünglich aus dem Storage-Management. Sie bieten eigene Systeme für die Datenspeicherung und das Datenmanagement an. Die Cloud muss da am Anfang eine große Herausforderung gewesen sein, oder?

Natürlich hat sich auch NetApp am Anfang gefragt, wie wir uns angesichts der Cloud verhalten sollen. Wir waren aber schon immer ein softwaregetriebenes Unternehmen. Unsere Intelligenz steckt in der Software. Vor fünfeinhalb Jahren wurde dann die Entscheidung getroffen, Software und Hardware voneinander zu trennen und beides unseren Kunden anzubieten.

Das wichtigste Kaufkriterium in punkto Datenspeicher und Datenmanagement ist heute die Flexibilität. Die Kunden wollen eine Infrastruktur, die alles ermöglicht. Und gerade diese Flexibilität macht uns gut.

Was die Möglichkeiten der Cloud betrifft, entwickeln viele Unternehmen gerade erst eine Strategie. Cloud first heißt, dass sich die Unternehmen zuerst fragen, ob es Sinn macht diese oder jene Applikation in der Cloud zu betreiben.

Startups müssen in die Cloud, die haben ja keine Rechenzentren geschweige denn, dass sie sich solche am Anfang leisten können. Aber 99 Prozent der Daimlers und Magnas dieser Welt haben Rechenzentren. Und denen muss geholfen werden.

Wie helfen Sie den Magnas und Daimlers dieser Welt?

In dem ich Ihnen neben der Technologie auch professionelles Service und Consulting anbiete. Es geht letztlich um den optimalen Einsatz der Ressourcen und die Cloud ist für uns eine von mehreren Ressourcen.

Die Liste ihrer Kunden ist breit gefächert. Neben den Bistum Eichstätt, der österreichischen Constantia Flexibles, der KELAG und der Zürcher Kantonalbank findet sich unter anderem auch DreamWorks auf dieser Liste. Was genau machen Sie für DreamWorks?

Im Grunde geht es bei den Predictive Analytics Tools, die NetAPP für DreamWorks und andere Kunden entwickelt, darum, Kosten zu sparen und Prozesse zu optimieren. Sie müssen sich vorstellen: Bei jedem einzelnen Film von Dreamworks fällt eine Datenmenge von 1,8 Petabyte an, und DreamWorks arbeitet mitunter an fünf Filmen gleichzeitig.

Ein anderer unserer Kunden MTU setzt im Turbinengeschäft zum Beispiel Tools aus dem Bereich Predictive Maintenance Analytics ein. Dadurch ist es möglich, Turbinen zu warten bevor ein Problemfall eintritt, was immense Kosten spart.

Wie wichtig ist effizientes Datenmanagement in Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz? Gibt es im Bereich KI Referenzkunden die Sie uns nennen dürfen?

Daten sind die Grundlage für jede KI-Anwendung. Ein umfassendes Datenmanagement ist für KI-Projekte essenziell. Basierend auf einem NVIDIA Prozessor (Anm.; Nvidia stellt Grafikprozessoren und Chipsätze her) haben wir kürzlich die NetApp ONTAP AI Proven Architecture vorgestellt. KI-Anwendungen stellen besonders hohe Anforderungen an die Performance,  die Architektur dafür muss deshalb extrem schnell sein. Kundenreferenzen kann ich derzeit noch keine nennen, weil die Unternehmen, die an AI-Projekten arbeiten, diese Projekte als unternehmenskritisch ansehen und sich aus dem Projekt einen Wettbewerbsvorteil erwarten.

Über NetApp

1992 unter dem Namen Network Appliance gegründet, startete NetApp - so der heutige Name - bereits 1995 an die US-Technologiebörse Nasdaq.

Der Spezialist für Datenspeicherung und Datenmanagement erzielte im ersten vollen Geschäftsjahr nach dem Börsegang einen Umsatz von 46,6 Millionen Dollar. Daraus sind mittlerweile fast sechs Milliarden Dollar geworden. Parallel zum geschäftlichen Aufschwung marschierte auch der Aktienkurs in Richtung Norden. Anfang 1999 lag der Kurs bei 9,52 Dollar, aktuell liegt er bei rund 73 Dollar. Das entspricht einer Marktkapitalisierung von derzeit rund 18 Milliarden Dollar.