Zielpunkt-Insolvenzverfahren endet mit 26,8-Prozent-Quote

Die Presse (Clemens Fabry)

"Die Ausschüttung von 26,8 Prozent ist für einen Konkurs dieser Größenordnung außergewöhnlich hoch", sagte Stephan Mazal vom Gläubigerschutzverband Creditreform.

Am Donnerstag findet ein letztes Treffen von Gläubigern der früheren Lebensmitteleinzelhandelskette Zielpunkt statt. Es kommen noch 1,8 Prozent der insgesamt dann 26,8 Prozent hohen Quote in der Schlussrechnungstagsatzung zur Verteilung. Einige Wochen danach kann das Verfahren nach einigen Fristläufen offiziell beendet werden, teilte die Creditreform am Mittwoch gegenüber der APA mit.

"Die Ausschüttung von 26,8 Prozent ist für einen Konkurs dieser Größenordnung außergewöhnlich hoch", sagte Stephan Mazal vom Gläubigerschutzverband Creditreform. Insgesamt wurden bisher rund 137 Millionen Euro an Forderungen von 5.900 Gläubigern anerkannt. Bei einer Zwischenverteilung wurden 2017 bereits 25 Prozent verteilt. Der Rest von 1,8 Prozent kommt noch zur Ausschüttung.

Seinen Konkurs angemeldet hatte Zielpunkt im November 2015. Die Passiva beliefen sich auf 210 Mio. Euro. 2.700 Dienstnehmer, vornehmlich Frauen, waren betroffen. 229 Filialen bestanden in den Bundesländern Wien, Niederösterreich, Burgenland und Steiermark. Der Marktanteil in Österreich lag bei 2,5 Prozent. In Wien nahm Zielpunkt nach der Anzahl der Filialen mit 126 den zweiten Platz unter den Lebensmitteleinzelhändlern ein.

Nach kurzer Fortführung des Betriebs ist es dem Masseverwalter Georg Freimüller laut Creditreform gelungen, das Konkursvermögen erfolgreich zu verwerten und "für die Gläubiger eine respektable Quote zu erwirtschaften". Freimüller hatte Mitte April am Handelsgericht Wien seinen Schlussbericht eingebracht, wie der KSV1870 damals berichtete.

Mehrere Eigentümerwechsel, starker Wettbewerb

Gegründet 1967 als LÖWA erfolgte bis 1998 die Umwandlung zu Zielpunkt. Der Höchststand an Filialen war 2007 mit 365 Filialen in allen Bundesländern außer Tirol und Vorarlberg erreicht worden. Nach langjährigen Sanierungsbemühungen und mehrmaligen Eigentümerwechseln führte der starke Wettbewerb in der Lebensmitteleinzelhandelsbranche letztlich in die Insolvenz. Die Konzentration im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel stieg dadurch noch höher.

Der oberösterreichische Zielpunkt-Eigentümer Pfeiffer verkaufte kurz vor der Supermarkt-Pleite überraschend seinen Großhandel C + C Pfeiffer an die Coop-Tochter Transgourmet aus der Schweiz. Im Besitz von Pfeiffer blieben letztlich nur der Großhandel Nah&Frisch und die Unimärkte, die teilweise von Franchisepartnern geführt werden.