Seltene Erden könnten rar werden

In China werden 97 Prozent des Bedarfs an seltenen Erden abgebaut.
In China werden 97 Prozent des Bedarfs an seltenen Erden abgebaut.(c) Corbis via Getty Images (Pallava Bagla)

Im eskalierenden Handelskrieg könnte China die Ausfuhr seltener Erden einschränken. Das würde die Preise anheizen – und risikobereiten Anlegern Chancen bieten.

Wien. Im eskalierenden Handelskrieg gibt es offenbar ein neues Ziel: Jetzt geraten seltene Erden zwischen die Fronten. Gemeint sind Metalle, die zwar häufig vorkommen, aber mühsam und nur wenig umweltschonend zu fördern sind. Vor allem in China tut man sich die Arbeit an, dort werden rund 97 Prozent der weltweit verbrauchten Menge abgebaut. Und die USA decken den Großteil ihres Bedarfs mit diesem Angebot ab.

Nun stellt China aber eine mögliche Exporteinschränkung in den Raum, wenn auch noch nicht in aller Direktheit. Doch weder die USA noch andere Regionen können auf seltene Erden verzichten, da die moderne Wirtschaft von diesen 17 Metallen abhängig ist. Ein Großteil des Angebots landet in Katalysatoren für Autos und Erdölraffinerien. Ceroxid erhöht zum Beispiel die Aktivität des Edelmetalls Rhodium, das Stickoxidwerte in Katalysatoren senkt. Yttrium hilft hingegen bei der Effizienzsteigerung von Brennstoffzellen. Und Neodym wird für die Fertigung starker Permanentmagnete gebraucht, die etwa in Windkraft-Generatoren eingesetzt werden. Auch der Bau von Smartphones, Computerchips oder Bildschirmen wäre ohne seltene Erden nicht möglich.

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„Realistisches Druckmittel“

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Georg Graf von Wallwitz, Geschäftsführer bei Eyb & Wallwitz, einen Exportstopp Chinas für ein realistisches Druckmittel hält. Zwar gibt es auch in anderen Ländern, etwa im US-Bundesstaat Kalifornien, in Australien oder Kanada, ebenfalls nennenswerte Vorkommen. Es könnte aber einige Jahre dauern, bis Länder ihre Förderung ankurbeln, meint von Wallwitz. Sollte Pekings Regierung jedenfalls ernst machen, könnten die Preise für seltene Erden kräftig steigen. Einen Vorgeschmack gab es 2010, als China eine Exportquote einführte. Sie wurde allerdings bald wieder aufgehoben, denn die USA hatten vor der Welthandelsorganisation (WTO) geklagt. Zudem blieb die globale Nachfrage hinter den Erwartungen, woraufhin die Preise abstürzten.

Inzwischen wächst aber der Einsatz von Elektronik in sämtlichen Lebensbereichen. Zugleich ist ein Ende des Handelskrieges nicht in Sicht. Bleibt aus Anlegersicht die Frage nach Investmentchancen. Der Rare Earth Elements Fund deckt die gesamte Wertschöpfungskette vom Minengeschäft bis zu Raffinerien ab. Und das nicht nur bei seltenen Erden, sondern auch bei strategischen Metallen. Die größte Position entfällt auf die australische Sylvania Platinum, gefolgt vom japanischen Mischkonzern Sojitz, der unter anderem Rohstoffe handelt. Auch Lynas ist präsent – ein australischer Minenkonzern, der seltene Erden fördert.

 

Preissturz im Jahr 2011

Das Fondsmanagement lässt sich Erfolg honorieren: Übertrifft der Fonds seinen alten Höchststand um zumindest zehn Prozent, schneidet es sich 20 Prozent davon ab. Noch ist davon aber keine Rede, der alte Höchststand ist aufgrund des Preissturzes bei seltenen Erden im Jahr 2011 noch ein gutes Stück entfernt. Zudem wird der Fonds nur einmal wöchentlich gehandelt.

Anders der VanEck-ETF, er wird als Passivfonds laufend an der Börse gehandelt und bildet den MVIS Global Rare Earth/Strategic Metals Index ab. Zu den größten Positionen der 20 Titel zählen chinesische Aktien wie China Northern Rare Earth Group, China Molybdenum und Xiamen Tungsten. Auch Lynas ist mit dabei. Die hohe China-Gewichtung hat allerdings 2018 die Performance belastet, wie die Tabelle zeigt.

Fokussierter ist das Zetifikat LUS Wikifolio-Index Antizyklisch Seltene Erden von Lang & Schwarz. Es enthält zehn Titel, größte Position ist Lynas, gefolgt von Greenland Minerals, einer australischen Explorationsfirma. Auch Orocobre stammt aus der Region und fördert Lithium in Argentinien.

Eines müssen Anleger aber jedenfalls beachten: dass die Kursschwankungen bei solchen Produkten sehr hoch sein können und teils stimmungsgetrieben sind.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2019)